10 Fragen an Sabrina Spielberger: Monetarisierung von Blogs

Das erwartet euch in diesem Beitrag

  • Wie lassen sich Blogs monetarisieren?
  • Wie vertreibt man eine entsprechende Plattform?
  • Wie lassen sich Publisher und Influencer ansprechen?

Grafik: Interviewthema Sabrina Spielberger

Hi, Sabrina und willkommen bei GrowthUp! Einige unserer Leser kennen dich vielleicht schon als Gründerin eines spannenden Netzwerkes – aber stelle dich doch bitte einmal selbst vor.

Hi, Oliver, sehr gerne! Ich bin vor sechs Jahren nach Berlin gekommen und habe kurze Zeit später an digidip gearbeitet, welches dann 2013 online ging. Vorher habe ich schon eine Weile in der AdTech-Branche gearbeitet und sowohl meine Erfahrungen in der Vermarktung gesammelt als auch in der Freizeit an meinem Blog gearbeitet. Damit habe ich die nötigen Erfahrungen als Publisher gesammelt – bis hin zu der Fragestellung der Monetarisierung. So ist dann digidip entstanden.

Wo hast du denn bei deinen vorherigen Jobs Lücken oder Probleme gesehen, die du mit deiner eigenen Lösung angehen wolltest?

Es gab damals kaum Lösungen, die den Publishern und Bloggern die „technische“ Arbeit der Monetarisierung abgenommen haben, damit sich der Blogger eben voll auf die Erstellung wertvollen Contents konzentrieren konnte. Hier und da hat es schon sowas wie digidip gegeben (in UK, USA, DE), welche auch teilweise große VC-backed companies waren und die ich als Blogger auch selbst ausprobiert habe. Jedoch war deren Technologie kaum auf meine Bedürfnisse zugeschnitten, und da war mir klar, dass es bestimmt nicht nur mir so geht. Also ist digidip sozusagen die verbesserte Version davon, quasi für Premium-Seiten. 🙂

Wie bist du dann an die Erstellung der Technik gegangen? Hast du das alles selbst gemacht oder warst du eher für die Ideen verantwortlich und hast für die technische Seite deine Angestellten?

Ich habe leider keine Ahnung von Programmierung, so gerne ich es hätte. Ich bin durch und durch Vertrieblerin und habe daher ein Team von Developern und einen CTO, mit dessen Unterstützung wir unsere Ideen für das Produkt angehen. Damals habe ich durch meine Business Angels ein Team von Developern zur Seite gestellt bekommen, kann mir aber jetzt mein eigenes Team leisten.

Wie war für dich der Prozess, dich am Anfang den Investoren zu stellen? Wie hast du dich darauf vorbereitet und welche USPs hast du nach vorne gestellt?

Eigentlich ist es nur bei den Business Angels geblieben, ich habe nie Geld geraised oder große Mengen an Geld bekommen. Die Business Angels konnte ich relativ schnell überzeugen, weil sie selbst große Publisher in Europa sind und das Problem allzu gut kannten. Mein USP war definitiv der Premiumansatz von digidip und die Kontakte in die Szene, die ich schon durch meine bisherige Laufbahn hatte. Meine ersten Kunden waren erstmal eine Handvoll Fashion-Blogger aus meinem Bekanntenkreis, aber ich habe schnell erkannt, dass sich das Produkt auch perfekt für die großen Websites und Verlage eignet und bin diese dann angegangen.

Wie hast du danach geschafft, das Produkt bekannter zu machen? Als Vertrieblerin mit guten Kontakten hast du da sicher ein paar spannende Mittel und Wege?

Das Witzige ist, dass ich damals, während ich noch an dem Produkt vor dem Launch gearbeitet habe, schon einen guten Kontakt bei einem der großen Verlage hatte und er mir auch fest zugesichert hat, dass es superspannend ist und er sich eine Zusammenarbeit gut vorstellen könnte. Aber als wir dann endlich, fast ein Jahr später, gelauncht haben, hat er dort nicht mehr gearbeitet, und ich musste von null anfangen und Klinken putzen gehen. Meine Mittel und Wege sind aber ganz oldschool Kaltakquise. Das fängt dann meistens bei der Assistenz der Geschäftsführung an, die einen erstmal nicht durchstellen will, aber wenn ich den Kunden wirklich haben wollte – und ich wusste, nur über die Geschäftsführung komme ich ran –, habe ich mir alle möglichen kreativen Ausreden ausgedacht. Zum Beispiel, dass ich eine alte Schulfreundin bin oder wir uns von irgendeinem Branchen-Event kennen. Wurde dann immer recht zügig durchgestellt. 🙂

Die ganz alte Schule also. Wie sieht denn bei euch mittlerweile, nachdem ihr länger am Markt seid, die Gewichtung zwischen Kaltakquise und Inbounds durch Marketing und Markenbekanntheit aus? Bzw. nutzt du auch Dinge wie SEO und Conversion-Optimierung?

Ehrlich gesagt nicht, wir benutzen immer noch die traditionelle Akquise. Ich habe oft SEO in Betracht gezogen, aber da wir B2B im Premium-Segment machen, würde es keinen Sinn ergeben, weil wir ca. neun von zehn Bewerbungen in der Regel sowieso ablehnen, wenn sie nicht den Kriterien für eine Aufnahme in unser Portfolio entsprechen. Mittlerweile ist es aber auch so, dass viele namhafte Kunden auch direkt auf uns zukommen – durch Empfehlungen existierender Kunden.

Was sind denn für euch die wichtigsten Kriterien, nach denen ihr eure Mitglieder auswählt? Und wie kamt ihr auf genau diese?

Es ist lediglich ein Zusammenspiel aus relevantem Traffic, Bekanntheitsgrad, Optik der Seite, Seriosität und relevanten Links zu Online-Shops und Services, die man monetarisieren kann. Wenn die Seite einfach zu klein ist oder sich komplett davor scheut, auf andere Seiten (Shops) zu verlinken, dann macht eine Monetarisierung durch uns keinen Sinn und wird frustrierend – erst recht für den Blogger/Publisher. Wir haben uns für diese Kriterien entschieden, weil wir sicherstellen wollen, dass das Portfolio für alle Händler, mit denen wir zusammenarbeiten, attraktiv genug ist. Ein gewisses Niveau hilft definitiv für eine erfolgreiche Zusammenarbeit auf beiden Seiten.

Ihr arbeitet ja auch mit Influencern zusammen. Wie legt ihr diese Kriterien bei denen an? Und wie stellt ihr sicher, dass diese keine geschönten Zahlen vorlegen?

Bei Influencern liegt unser Schwerpunkt eher auf Micro-Influencern statt die ganz großen, weil bei denen das Engagement superinteressant ist. Gerade die, die sich in einer Nische bewegen, haben ein riesiges Potential und werden bei uns gerne aufgenommen. Dass jemand seine Zahlen verschönt, kann man heute mit verschiedenen Tools herausfinden, aber wir achten letztendlich eher auf die Performance, sobald wir anfangen, mit ihnen zu arbeiten.

Was ist denn für euch einfacher? Werbetreibende zu akquirieren oder an die richtig spannenden Publisher bzw. Influencer ranzukommen? Und wird es bei diesen beiden Seiten bleiben, oder wollt ihr euch zukünftig noch breiter aufstellen?

Es ist definitiv einfacher, die Advertiser zu akquirieren. Da wissen wir ganz genau, wo wir sie finden und mit wem wir da reden müssen. Publisher und Influencer werden im Hinblick auf eine Vermarktung von allen Seiten angesprochen. Daher sind sie erstmal alle etwas skeptisch, und das heißt, dass man dann richtig pitchen muss.

Wir arbeiten zwangsläufig auch viel mit Agenturen zusammen, die meistens Advertiser vertreten. Diese ordnen wir aber einfach als Advertiser ein. Es wird also erstmal bei den beiden Seiten bleiben.

Das macht Sinn. Ich weiß nicht, ob du das überhaupt haben darfst – aber gibt es einen Publisher oder Influencer in eurem Portfolio, der dir persönlich ganz besonders am Herzen liegt? Z. B. weil die Inhalte so toll sind oder weil du die Person dahinter sehr magst?

Coole Frage! Ich muss sagen, dass ich wirklich jede einzelne Seite persönlich mit ausgesucht bzw. abgenickt habe. Auf welchen neuen Kunden wir zurzeit extrem stolz sind und viel Zeit und Beratung für deren Monetarisierung reinstecken, ist z. B. Buzzfeed, die uns damit auch den Schritt nach USA leichter machen.

So ein Kunde bietet sicher tolle Möglichkeiten. Viel Erfolg dabei und danke für die Einblicke in deine Arbeit!
Über den Autor

Oliver Engelbrecht

Chefredakteur
Nach meinem Studium der Politikwissenschaft (mit dem Schwerpunkt Diplomatie) habe ich zunächst das SEO-Portal aufgebaut und zuletzt als Chefredakteur geleitet. Nun bin ich bei der Agentur LEAP/ für das Marketing verantwortlich und koordiniere unser Magazin GrowthUp - wiederum als Chefredakteur.