“Das Thema LinkedIn zieht große Aufmerksamkeit auf sich” – Britta Behrens im Interview

Das erwartet euch in diesem Beitrag

  • Was ist für Marken so interessant an der Content- und Networking-Plattform LinkedIn?
  • Wie bauen Corporate Influencer dort Reputation, Reichweite und Vertrauen auf?
  • Wie sollte man mit nervigen Spammern und “Direktverkäufern” umgehen?

Hallo Britta und willkommen bei GrowthUp! Du kümmerst dich bei einem Tool-Anbieter um das komplette Marketing und hast mittlerweile einen starken Fokus auf LinkedIn. Wie kam das zustande, und wie sahen eure ersten Gehversuche auf der Plattform aus?

Wir haben erkannt, dass die organische Reichweite auf Social-Media-Kanälen wie Facebook enorm in den Keller gegangen ist und mit einem Seitenauftritt keine Sichtbarkeit und schon gar keine Kommunikation stattfinden kann, wenn man nicht gerade eine Love Brand mit starker Community ist. Und selbst die haben es organisch enorm schwer. Wir suchten einen Weg, um unmittelbar und stetig mit unseren Kunden und Geschäftspartnern zu kommunizieren und vor allem relevanten Content aus unserer Branche zu liefern.

Aufgrund der Wandlung von LinkedIn von einem internationalen digitalen Visitenkartenkasten bzw. einer Recruiting-Plattform hin zu einer Content- und Networking-Plattform konnten wir mit dem deutschen Team die Kommunikation testen und intensivieren. Wir starteten damit, die Mitarbeiterprofile regelmäßig zu nutzen, um Know-how zu teilen und zu diskutieren. Parallel posteten wir auch über die Company Page einzelne Artikel über unseren Corporate Blog.

Aus diesem Mangel an Wissenstransfer heraus wurde der erste ContentDay aus der Taufe gehoben. 2020 findet die Konferenz bereits zum siebten Mal statt.

Und was funktioniert für euch besser: die Kommunikation als Marke oder die über die persönlichen Profile?

Wir erkannten schnell, dass die natürliche organische Reichweite von Personen-Profilen um Weiten besser war als die der Company Page. Zusätzlich war klar, dass die Kommunikation auf den Profilen persönlicher, authentischer und direkter ist. Während auf der Company Page eine Marke zu einem Interessenten spricht, kommunizieren wir auf unseren Profilen von Mensch zu Mensch. Das unterstützt LinkedIn, denn Menschen sollen mit Menschen kommunizieren, und am Ende schließt man Geschäfte aufgrund von Vertrauen und persönlichen Beziehungen ab. Dies gibt den entscheidenden Ausschlag.

Wichtig bei unserer Kommunikation auf unseren Profilen ist, dass wir nicht als Sprachrohr des Unternehmens fungieren, sondern jeder seine eigene Note und seinen eigenen Stil sowie seine beruflichen wie auch privaten Interessen einbringt. Stichwort Personal Branding.

Es macht keinen Sinn, eine Horde Mitarbeiter wie eine Armee loszulassen und nur Unternehmensinfos preiszugeben. Verlängerte PR und Produktkommunikation ist ganz übel und nicht von Erfolg gekrönt.

Ebenfalls wichtig ist, dass wir zu unseren Themen als Ansprechpartner fungieren – auch mal innerhalb der Branche oder meiner beruflichen Rolle, wie hier Marketing. Und dass ich mich auch zu anderen Themen fachlich austausche, um meinen Wert für die Firma zu zeigen, so dass von außen klar ist: Die Britta kümmert sich bei Piwik PRO um Marketing und kann bei SEO oder Social Advertising mitdiskutieren. Dort bringe ich natürlich meinen Erfahrungsschatz ein und lasse Beispiele einfließen, die Piwik PRO auch Markeneffekte bescheren.

Es macht für mich keinen Sinn, Entwickler-Themen anzuschneiden und von einer Performance-Verbesserung unserer Analytics-Datenbanken zu sprechen und zu schildern, wie wir das umgesetzt haben. Das ist dann Aufgabe des Head of Product, der für das Thema Experte ist und nach dem Initialpost auch Rede und Antwort stehen kann.

Du sprichst ja an, dass ihr als Team einen Plan habt, was das Bespielen von LinkedIn angeht. Wie habt ihr diesen erstellt, und was sind eure Schwerpunkte?

Der Plan besteht daraus, dass wir regelmäßig erscheinende Blogartikel auf LinkedIn anteasern wollen und jeder verantwortliche Autor dies in seiner Funktion bewirbt. So dass er auch die Credits bekommt und aufgrund seiner Recherche oder Erfahrungen direkter Ansprechpartner ist.

Einige Artikel sind natürlich für die Allgemeinheit bestimmt und können von jedem der Mitarbeiter gespielt werden. Wichtig dabei ist, dass die Postings dazu kein Einheitsbrei sind. Wir schreiben keine Postings für Kollegen vor, sondern jeder soll sein eigenes Wording finden und ausdrücken, was für ihn so besonders an dem Artikel ist und seinem Netzwerk schon ein paar Quick-Wins daraus mitgeben.

Das Ziel unseres Content-Marketings auf LinkedIn ist nicht, dass wir ausschließlich Blogleser oder Websitebesucher von LinkedIn rüberholen wollen. Sondern jeder Mitarbeiter soll für sich und die Firma Reputation und Expertise aufbauen und als Ansprechpartner und Know-how-Geber dienen. Durch die Quick-Wins entsteht Kommunikation auf dem Beitrag. Und aus unseren Erfahrungen läuft der LinkedIn-Algo richtig heiß, wenn viele Kommentare unter dem Posting entstehen und eine echte Diskussion stattfindet. Dann erzielt der Beitrag enorme Reichweite und wird auch über das eigene Netzwerk hinaus verbreitet. Dadurch werden neue Kontakte auf uns und die Firma aufmerksam, und es folgen neue Kontaktanfragen von Menschen, denen die Themen interessieren. So entsteht ein qualitativ hochwertiges Netzwerk, und der Content zieht Kreise.

Und wie geht ihr mit fremden Inhalten um? Geht ihr da auch in die Diskussion, oder konzentriert ihr euch komplett auf euren Content?

Neben den Blogartikeln, neuen Whitepapern und Videos ist es enorm wichtig, fremden Content zu kuratieren und auch bei anderen in die Diskussion einzusteigen. Wie gesagt, es geht nicht darum, LinkedIn als Distributionskanal zur Website zu nutzen, sondern auf LinkedIn starke Präsenz zu zeigen. Auf diese Weise kommen viele Anfragen direkt über LinkedIn rein. Und zwar genau dann, wenn man nicht nur in der eigenen Content-Soße schwimmt und sich selbst feiert.

Für die kuratierten Beiträge und Interaktionen haben wir keine feste Redaktion und keinen Themenplan. Wir agieren da sehr proaktiv – je nachdem, was gerade auf LinkedIn und in der Branche passiert und diskutiert wird. In unseren Sprint-Meetings legen wir nur fest, dass vielleicht das eine oder andere Thema relevant ist und man Ausschau danach halten sollte. Zum Beispiel, wenn Sales sich gerade auf Analytics für Banken oder Versicherungen fokussiert. Wir schauen dann genauer in unser Netzwerk und beobachten, wer von der Zielgruppe passend zu unseren Themen agiert und kommentiert, so dass wir hier und da in die Kommunikation einsteigen und unser Wissen dort teilen können. Hier fallen aber dann keine Kommentare à la „Also, wir bei Piwik PRO machen das so und so …“ oder „Wir bei Piwik PRO haben die und die Erfahrungen gemacht …“. Vielmehr kommunizieren wir problem- und lösungsorientiert und geben Tipps als Experte, nicht als Verkäufer des Unternehmens. Wir wollen einfach viele kleine Impulse und Touchpoints setzen, so dass wir langsam und stetig in die Erinnerung einsickern und die Leute sich vertrauensvoll an uns wenden, weil wir ihnen helfen konnten.

Bei LinkedIn geht es darum, Expertise aufzubauen und diese für sich arbeiten zu lassen.

Häufig bekommen wir nun Empfehlungen aus unserem Netzwerk in Bezug auf Leute, mit denen wir vorher überhaupt nicht vernetzt waren. Heißt: Wir werden weiterempfohlen, weil wir eine so hohe Reputation im Netzwerk haben. Besser können Social Selling und Social Proof gar nicht laufen.

Ich kann mir vorstellen, dass in euren Teams dafür ziemlich viel Zeit draufgeht. Wie stellt ihr sicher, dass allen KollegInnen diese Zeit eingeräumt wird?

Zeitmanagement ist natürlich enorm wichtig, und wie auf jeder Social-Plattform kann man sich da schnell drin verlieren. Hier sind Disziplin und Fokus gefragt. Jeder sollte sich daher vormittags 15 bis 30 Minuten Zeit nehmen und LinkedIn checken, um nachzusehen, was passiert ist und wie die Diskussionen weiterverlaufen sind, die man am Tag zuvor begleitet oder selbst initiiert hat.

Für eigene Postings sollte man sich eine feste Zeit überlegen, in der man die Woche vorausplant und die Postings vorformuliert, um nicht immer bei 0 anfangen zu müssen. So wie wir früher im Büro zunächst E-Mail-Postfach und Newsletter gecheckt haben, lässt sich diese Zeit auf LinkedIn verlagern.

Vieles, was man per Mail 1:1 kommuniziert oder diskutiert, kann man zum Teil auch auf LinkedIn zur Diskussion stellen. Oder einen coolen Artikel, den man per Newsletter erhalten hat, posten und seine Meinung dazu kundtun und die Leute triggern. Wichtig ist, dass man dann aber nach einer halben Stunde einen Cut macht und sich seinen anderen Aufgaben und Projekten widmet. Mit meinem E-Mail-Postfach verfahre ich inzwischen auch so. Es ist keine Echtzeit- und Sofortantwort-Kommunikation. Ich gehe nur vormittags, nach der Mittagspause und abends ins Postfach. Wer also etwas Dringendes hat, sollte sich anderweitig bei mir melden.

Und wie bringt ihr die Leute in euren Teams dazu, sich überhaupt so offensiv zu positionieren? Ich merke oft, dass viele das gar nicht wollen, obwohl es ja nicht nur für die Firma, sondern auch für sie selbst Vorteile bringt.

Jeder Mitarbeiter soll freiwillig an dem Corporate-Influencer-Programm teilnehmen. Zwang und Vorgaben funktionieren nicht. Vielmehr gilt es, die Vorteile zu kommunizieren, das Committment, dass dies willkommen ist und zur Arbeitszeit gehört. Und dass man mit guten Beispielen von erfolgreichen Effekten bei Kollegen die noch etwas verhaltenen Mitarbeiter motiviert. Den Kollegen muss die Zeit auf LinkedIn gewährt und klar gemacht werden, dass man das als Arbeitgeber gut findet und unterstützt und es sowohl für das Unternehmen als auch für die eigene Person Vorteile mit sich bringt: Man wird Markenbotschafter a.k.a. Corporate Influencer und tritt für die Firma in die Öffentlichkeit – und gleichzeitig wird man als Experte auf seinem Fachgebiet wahr- und ernstgenommen. Auf diese Weise öffnen sich durch die Reputation und das Erscheinungsbild des Mitarbeiters neue Türen für Firmen.

Zum Beispiel erhalten wir durch meine Speakings auf Konferenzen und Meetups Anfragen von Firmenveranstaltern und Eventveranstaltern, ob wir nicht auch einen Vortrag zu Analytics oder Cookie Wars halten könnten. Das sind Konferenzen, die wir selbst nicht auf dem Schirm hatten oder die bisher für uns als Toolanbieter unerschwinglich waren, da wir zuvor, wenn wir selbst für ein Speaking-Slot angefragt haben, postwendend an die Sales-Abteilung verwiesen wurden und ein Sponsoring-Paket buchen sollten. Nun bekommen wir aber automatisch Anfragen, weil erkannt wird, dass wir keine Produkt-Sales-Pitches auf den Bühnen tanzen, sondern echten Mehrwert aus der Praxis unserer Mitarbeiter bieten. So erhalten wir eine Sichtbarkeit am Markt, die wir bisher teuer einkaufen mussten.

Um Mitarbeiter zu motivieren, selbst aktiv zu werden, muss man ihnen klarmachen, dass die Firma die Profile nicht mit ihrem Content hijacked, sondern dass es ein Mitarbeiter-Profil ist und bleibt. Und dass der Mitarbeiter im Kontext seiner Arbeit und sein Wirken der Firma im Mittelpunkt stehen und er darüber berichten darf.

Personal Branding ist damit eine enorm wichtige Komponente, und auf LinkedIn ist ein aussagekräftiges Profil das A und O, damit ein Blick aufs Profil den ersten Eindruck bestätigt, den man bei der vorherigen Kommunikation hatte. Oder noch besser: Neugier und Begeisterung auslöst. Allerdings wird Personal Branding häufig noch missverstanden. Sich selbst zu verkaufen und in den Mittelpunkt zu stellen, ist vielen Menschen unangenehm. Sie wollen kein Marktschreier in eigener Sache sein, heißt es dann meist. Das ist aber auch gar nicht gefragt, sondern lediglich eine klare Positionierung und Fokussierung auf die eigenen Kernkompetenzen. Hier geht es darum, sagen wir, drei bis maximal fünf Themengebiete zu besetzen, mit denen man sich tagtäglich beschäftigt. Idealerweise Herzblut-Themen, die man mit Energie vorantreibt und authentisch wiedergeben kann.

Ich persönlich brenne für Content-Strategie, LinkedIn-Marketing und Analytics. SEO als Sparringspartner gehört für mich zum Content-Marketing – aber ich würde mich nie als einen SEO-Experten wie Jens Fauldrath oder Markus Hövener bezeichnen. Bei mir sind es die B2B-LinkedIn-Marketing-Themen und Social Selling sowie das A-Z von Analytics, da ich „inside the ropes“ bei einem Toolanbieter arbeite, beide Seiten der Medaille kenne und aus dem Nähkästchen plaudern kann.

Man darf also nicht den Fehler machen und überall mitreden wollen! Dann wird dem Netzwerk nicht klar, worin du wirklich gut bist. Die Stärke für eine Firma ist, dass je mehr unterschiedliche Rollen im Unternehmen als Corporate Influencer agieren, desto multiperspektivischer bildet sich die Marke und kommt an Kontakte und Stellen, die vorher nicht ohne Weiteres erreichbar waren. Das gilt für unseren Head of Product ebenso wie für unseren Customer Success Manager und unser HR-Team. Kommunikation, Marketing und Sales sind hier natürlich die Speerspitze und eh mit repräsentativen Aufgaben vertraut. Die agieren wesentlich aktiver auf LinkedIn. Aber wenn dann unser Tag-Manager-Produktteam kommuniziert oder unser Chief Security Officer oder Privacy Officer, zieht das ganz andere Kreise, und die Brand wird omnipräsent. Entwickler und Admins hingegen kommunizieren nicht tagtäglich auf LinkedIn, da sie eine andere Hauptaufgabe haben. Aber wenn sie stetig ihr Netzwerk aufbauen und neben einzelnen eigenen Posts woanders in ihrem Kerngebiet kommunizieren, hat das einen enormen Impact auf unsere Inbound-Pipeline und unser Partnermanagement. Netter Nebeneffekt:  Entwickler oder Admins werden auf uns als Arbeitgeber aufmerksam, und es ist dann leichter, sie zu rekrutieren, da sie schon einige vermeintliche Kollegen kennen und sehen wie diese „ticken“.

Momentan regen sich ja viele Nutzer auf, dass auf LinkedIn immer mehr Spammer unterwegs sind, die Coachings und ähnliches verkaufen wollen. Wie stehst du zu dieser Entwicklung?

Es passiert mittlerweile häufig, dass du Kontaktanfragen erhältst (bitte prüft JEDE Kontaktanfrage mit zwei Klicks aufs Profil!) und gleich nach der Annahme des Kontaktes ein Sales-Pitch kommt. Sofort möchte jemand sich und seine Dienstleistung oder Produkt oder „Hilfe gegen Geld“ anbieten. Doch LinkedIn und Social Selling ist kein schneller Verkauf, sondern man muss zunächst eine Beziehung aufbauen und Vertrauen. Erst dann kommen Leute auf dich zu und wollen etwas bei dir kaufen. Diese „direkten Verkäufer“ sorgen jedoch dafür, dass die Plattform als nervig empfunden wird, auch weil sich im Stream Produkt-Bullshit-Bingo-Postings ohne Mehrwert und reine Merkmalskommunikation häufen.

Glücklicherweise kann man diese Leute blockieren und aus seinem Stream verbannen. Ich habe mir dafür extra einen Short-Cut angelegt und schicke ihnen einen netten Hinweis, dass sie LinkedIn nicht missbrauchen sollen und es so nicht funktioniert. Zusammen mit einem Buchtipp oder einem Artikel von mir oder Kollegen. Man muss diesen Leuten unbedingt zu verstehen geben, dass ihre Kommunikation nervt und nicht die feine Art ist. Sonst lernen sie es ja nie und ziehen mit der Masche weiter.

Wichtig ist und bleibt nämlich, dass wir einen guten Ton pflegen und LinkedIn zum Know-how- und Erfahrungsaustausch nutzen und an unseren Stärken teilhaben lassen. Am Ende wollen wir natürlich für uns und unsere Firma Geld verdienen. Doch das funktioniert am besten miteinander. Und wenn man sich gegenseitig empfiehlt, weil man sich zuvor richtig gut kennengelernt hat und weiß, wovon mein Gegenüber Ahnung hat und dass ich ihn um Rat fragen kann. Wenn ich dann meinem Netzwerk-Kollegen B mit Netzwerk-Kollegin C zusammenbringe und sie ein super Geschäft zusammen machen (selbst wenn ich von dieser Beziehung gerade keinerlei Vorteil ziehe), weiß ich, dass die beiden mich garantiert im Hinterkopf haben, wenn sie demnächst mit Netzwerk-Kollege D und E sprechen und diese gerade ein Analytics-Tool suchen oder Unterstützung bei der LinkedIn-Strategie.

Du bist ja derzeit vor allem für das Thema LinkedIn auf Bühnen unterwegs, aber letztlich mit allen Facetten des Marketings vertraut. Was sind im Online-Marketing deine aktuell liebsten Themen, und welche aktuellen Trends gefallen dir vielleicht auch gar nicht?

Spannenderweise war das Thema Content-Marketing auf LinkedIn meine Initialzündung, endlich auf die Bühne zu gehen und nicht nur als begeisterter Teilnehmer auf Konferenzen und Events zu gehen. Sondern eine neue Perspektive einzunehmen und mein Know-how auf diese Weise weiterzugeben. Ich bin durch und durch Content-Strategin, und mit LinkedIn hatten wir Ende 2018 unser Pilotprojekt gestartet und einen intensiven Workshop gemacht.

Als ich dann schnell die Erfolge sah und ich ein Thema auf der Bühne brauchte, in dem ich 100-prozentig sicher bin, habe ich dies fokussiert. Man ist ja nicht als Speaker geboren. Vielmehr erfordert das Übung und Training. Und wenn du in deinem Thema nicht sicher und kein Experte bist und dann die Bühnenerfahrung fehlt und die Nervosität hinzu kommt, hast du schnell verloren. Daher habe ich mit dem Herzblut-Thema begonnen.

Parallel dazu kamen aber auch Analytics und Privacy-Themen auf die Agenda sowie der Auftritt beim SEO Day zu Web Analytics für SEOs. Dies begegnet mir auch im beruflichen Alltag. Ich kannte es also aus dem Effeff, wodurch 2019 eine große Speaker-Tournee für mich wurde. Das Thema LinkedIn zieht natürlich große Aufmerksamkeit auf sich und deutlich weitere Kreise, da das Know-how und die Aktionen im DACH-Markt noch sehr verhalten sind. Da steckt enorm viel Potential drin, und daher ist Content-Marketing auf LinkedIn definitiv ein Trend 2020. Hier werden wir viele neue Akteure sehen. Das Ganze wird aber eine Feuerprobe und Geduldsprobe, denn in den letzten Wochen und Monaten merkt man den Anstieg der Anmeldezahlen auf LinkedIn. Leider aber auch, dass die Plattform als Vertriebstool in sozialen Netzwerken völlig missverstanden wird.

Als Content-Strategin und Marketer bin ich ein riesen Inbound-Fan. Wir wollen unserem Sales-Team qualitativ hochwertige Leads liefern und mit unserem Content in jedem Funnel-Bereich Mehrwert bei Interessenten, Kunden und B2B-Influencern schaffen. Daher bin ich auch ein Fan von Marketing-Automatisierung. In der Regel soll man ja kein Product Placement machen, aber wir arbeiten bei Piwik PRO mit HubSpot, da wir hier Marketing & Sales wunderbar verbinden können und hochwertigen Content automatisiert in Prozessen ausspielen können. Hier kann man für Interessenten und Kunden gute Erlebnisse schaffen und so individuell wie möglich kommunizieren.

Trends, die mir so gar nicht gefallen …? Schwer zu sagen. Voice Search spielt für mich kaum eine Rolle, und ich beschäftige mich nicht sonderlich damit. Man liest und hört es überall. Aber dass es mich nervt, kann ich so nicht sagen. Ich denke es ist ein Hype, der zu sehr hochgekocht wird. Allerdings kann es Bereiche geben, die in Abhängigkeiten geraten und sich aufgrund drohender Disruption oder wegen zunehmenden Wettbewerbsdrucks dem Thema stärker widmen werden.

Du bist ja qua Arbeitgeber sicher auch viel mit dem Thema Datenschutz zugange. Was ist deine Meinung zur Entwicklung seit dem Beginn der DSGVO?

Womit wir uns alle beschäftigen müssen, das sind natürlich der Datenschutz und die Privatsphäre-Mechanismen der Browser fürs Online-Marketing. Es wird immer schwerer, saubere und ausreichend Daten zu bekommen. Wichtig dabei ist aber, dass wir DSGVO, E-Privacy und Browser-Blocker nicht als Hemmnis begreifen. Wenn wir die Daten unserer Kunden schützen wollen und sorgsam damit umgehen, können wir auch eine saubere Einwilligung einholen. Jeder Websitebetreiber muss dies machen, also sitzen wir alle im selben Boot. Es wird für den Verbraucher normal, die Banner wegzuklicken. Sind die lästig? Ja. Kann man sie so gestalten und so offen und vielleicht witzig passend zu seiner Marke kommunizieren, dass Nutzer eher die Tracking-Schaltfläche klicken statt der “Alles ablehnen”-Schaltfläche? Ja.

Tagtäglich sammeln wir zig Millionen Daten ein. Was dann aber passiert, erfolgt häufig nach dem Gießkannenprinzip – und nicht per gezieltem Schuss mit dem Sniper-Gewehr, bildlich gesprochen. Das Problem hier: Die Daten werden nicht personalisiert und gefiltert. Am Ende nehmen die Marketer dann doch wieder die Zielgruppe „Alle Wesitebesucher“, anstatt Bounces, Bewerber oder bestimmte Kategorien, die nicht verkaufsrelevant sind, rauszunehmen. Wir müssen zielorientiert mit den Daten umgehen und uns, bevor wir die Daten erheben, genau überlegen, was wir eigentlich messen und wissen wollen. Dann kann ich mein Tracking danach bauen, um die richtigen Kunden zu erreichen und die anderen links liegen zu lassen. Wir brauchen ein Data Thinking im Unternehmen. Nur so sind kundenzentrierte Kommunikation und Marketing wie auch Werbung möglich und sinnvoll.

Bist du denn auch in 2020 wieder offline anzutreffen? Und was sind deine Empfehlungen für Online-Marketing-Konferenzen, die man in diesem Jahr unbedingt gesehen haben sollte? Sofern uns das Coronavirus da keinen Strich durch die Rechnung macht, versteht sich …

Zu gutem Networking zählt auch die Präsenz auf Konferenzen, Messen, Meetups und Barcamps. Die besten Beziehungen entstehen immer noch offline, und digitale Kontakte, die einem auf LinkedIn oder zuvor auf Facebook und XING lange Zeit begleiteten, festigen sich enorm, wenn man sich endlich persönlich kennenlernt.

Daher mein Tipp: Geht auf Konferenzen, Barcamps & Co. Mich trifft man im Köln-Bonner-Raum regelmäßig. Ich habe mit zwei Kollegen ein eigenes Networking-Event initiiert, welches alle zwei Monate stattfindet: den LinkedIn Local Cologne. In Deutschland gibt es dieses Format mittlerweile in vielen Städten. Ziel ist es, die LinkedIn-Kontakte lokal branchenübergreifend zu vernetzen und sich kennenzulernen. In der LinkedIn-Local-Cologne-Gruppe stellen wir uns vor, geben Tipps und kündigen die Events an. Zu jedem Event können Mitglieder aus der Gruppe einen Impuls-Vortrag halten und ihr Wissen teilen.

Als Speaker bin ich auch auf anderen LinkedIn Locals unterwegs und gebe für eco, den Verband der Internetwirtschaft, einen Vortrag für sein #FemaleLeadership-Programm „Ladies in Tech“. Stand heute – man muss eben abwarten, wie es mit dem Coronavirus und der Absage größerer Veranstaltungen weitergeht … Geplant ist jedenfalls, dass es im März zur Contentixx und SEO Campixx mit Vorträgen zu Content Performance Tracking und Analytics für SEOs geht. Und im Mai trifft man mich auf dem NextAct in Köln von Dr. Winfried Felser – dort dreht sich drei Tage lang alles um digitale Transformation, Economics & Co. Hier werde ich zu Social Selling auf einem Panel mitdiskutieren. Und wenn meine Vorträge für die kommenden Events OMT, Marketing Underground, OMX & SEOkomm bei Publikum und Fachbeirat Begeisterung auslösen, dann freue ich mich, im zweiten Halbjahr in Wiesbaden, Berlin und Salzburg auf der Bühne zu stehen. Ansonsten findet man mich definitiv unter den Teilnehmern.

Wir drücken die Daumen, dass für dich alles reibungslos über die Bühne geht! Und vielen Dank für die spannenden Insights!

Über den Autor

Oliver Engelbrecht

Chefredakteur
Nach meinem Studium der Politikwissenschaft (mit dem Schwerpunkt Diplomatie) habe ich zunächst das SEO-Portal aufgebaut und zuletzt als Chefredakteur geleitet. Nun bin ich bei der Agentur LEAP/ für das Marketing verantwortlich und koordiniere unser Magazin GrowthUp - wiederum als Chefredakteur.