Alternative Traffic-Quellen: Große und kleine soziale Netzwerke

Das erwartet euch in diesem Artikel

  • Persönliches Profil oder Firmen-Account – was wirkt besser?
  • Welche sozialen Netzwerke solltet ihr nutzen (und welche nicht)?
  • Welche Regeln müsst ihr unbedingt beachten?

Sicher ist mittlerweile fast jeder von euch in einem sozialen Netzwerk aktiv. Denn hier kann man nicht nur Fotos vom letzten Konferenzbesuch oder Familienurlaub teilen, sondern auch mit wichtigen Menschen chatten und an ihrem Leben teilhaben. Das ist mal spannender (neue Tourdaten der Lieblingsband) und mal weniger spannend (das heutige Mittagessen von Onkel Herbert). Doch eines steht fest: Social Networks sind keine kurzfristige Erscheinung, sondern werden auf lange Sicht ein zentraler Bestandteil unseres Lebens sein.

Was können Unternehmen und Brands hier erreichen?

Daher ist es kein Geheimnis mehr, dass jedes Unternehmen zumindest bei Facebook aktiv sein sollte. Und dazu, wenn es irgendwie passt, auch noch bei Twitter und Instagram. Doch worauf solltet ihr euch beim Thema Social Media wirklich konzentrieren? Und welche Kanäle können euch wirklich qualitativ hochwertigen Traffic generieren? Hier erfahrt ihr es.

Fanpage oder persönliches Profil?

Bevor wir uns die spannendsten sozialen Netzwerke einmal anschauen, müssen wir aber eine grundsätzliche Frage klären: Solltet ihr mit eurem Firmenaccount posten oder euer privates Profil nutzen?

In den allermeisten Fällen ist es so, dass Menschen lieber mit anderen Menschen kommunizieren, als mit Brands. Es wäre also verschenktes Potential, wenn sich Entscheider nicht auch mit ihren eigenen Profilen zu Wort melden würden. Denn diese Corporate Influencer geben dem Unternehmen, für das sie arbeiten, ein Gesicht. Natürlich kommt oft der Einwand, dass dies für die Firma eine Gefahr bedeutet – denn verlässt der Influencer das Unternehmen, so ist die ganze schöne Reichweite dahin.

Screenshot: Profil von Mark Zuckerberg bei Facebook

Abb. 1: Wie die vielen persönlichen Kommentare zeigen, freuen sich die Nutzer, mit dem Chef „persönlich“ zu kommunizieren.

Doch da gibt es zwei einfache Wege, um diesem Problem vorzubauen. Zum einen können in größeren Unternehmen problemlos mehrere Influencer aufgebaut werden, die dann in der Firma quasi organisch nachwachsen. Denn in einer Unternehmenskultur, in der Kommunikation in den sozialen Medien zum guten Ton gehört, wird es Mitarbeitern deutlich leichter fallen, sich zu beteiligen. Außerdem helfen sie damit nicht nur der Firma, sondern lernen auch selbst etwas dazu. Da aber, gerade in kleineren Unternehmen, vor allem der Chef oder die Chefin als Gesicht der Firma auftreten sollte (ob er oder sie auch wirklich selbst postet, sei einmal dahingestellt), fällt das Problem der scheidenden Mitarbeiter in vielen Fällen von selbst weg.

Eine Unternehmensseite ist dann eine tolle zusätzliche Plattform, die ihr gerade im Dienstleistungsbereich als Kanal für die Kundenkommunikation nicht außer Acht lassen solltet. Die Betonung liegt hier allerdings auf zusätzlich – denn eine persönliche Seite ersetzen kann sie in keinem Fall.

Wichtig ist für alle Kanäle jedoch vor allem eines: Ein verbindliches Regelwerk im Hinblick auf erlaubte und verbotene Verhaltensweisen sowie das Vorgehen in Krisensituationen. Denn ohne ein solches Handbuch stehen Mitarbeiter wie auch CEOs schnell einmal auf verlorenem Posten – und dann ist der nächste Shitstorm nicht mehr fern. Doch wo genau spielt sich das alles eigentlich ab? In den folgenden Netzwerken!

Die Big Player: Facebook und Twitter

Über diese großen Namen in der Welt der sozialen Netzwerke brauchen wir nicht mehr viele Worte verlieren. In Zeiten, in denen Kinder, Eltern und manchmal auch Großeltern zugleich bei Facebook unterwegs sind, kann man guten Gewissens sagen, dass der Vorreiter unter den Netzwerken keiner Vorstellung mehr bedarf.

Und auch Twitter ist – spätestens durch die Kommunikationsstrategie des aktuellen amerikanischen Präsidenten, in aller Munde. Auch wenn die Mitgliederzahlen beim nicht-mehr-ganz-so-kurz-Nachrichtendienst stagnieren, ist Twitter dennoch eine tolle Quelle für qualifizierten Traffic. Denn hier tummeln sich viele Professionals aus den unterschiedlichsten Branchen, die man nirgendwo anders so persönlich erreichen kann wie bei Twitter. Twitter ist also, allen Unkenrufen zum Trotz, aktuell noch sehr gesund. Und das ist mehr, als einige andere von sich behaupten können.

Screenshot: Das Profil von Donald Trump bei Twitter

Abb. 2: Der Grund dafür, dass Twitter auf einmal massig Backlinks von Nachrichtenseiten generiert.

Die alte Garde: MySpace und Google+

Wie bei den alternativen Suchmaschinen gibt es nämlich auch bei den sozialen Netzwerken eine alte Garde, die heute noch von den vergangenen Zeiten träumt. Da fällt einem natürlich als erstes MySpace ein (StudiVZ lassen wir lieber in Frieden ruhen). MySpace war in den frühen 2000ern DAS soziale Netzwerk und hatte zu seinen Hochzeiten mehrere 100 Millionen Mitglieder. Es wurde sogar von der mächtigen News Corporation übernommen und war damit einer der frühen großen Exits.

Doch auch dieser weltumspannende Publisher schaffte es nicht, MySpace im Angesicht neuer Konkurrenten wie Facebook zu behaupten. Auch spätere Besitzer wie Justin Timberlake konnten den Niedergang nicht aufhalten und versuchten, mit gewöhnungsbedürftigen Designs wie dem seitwärts Scrollen zu punkten. Heute führt MySpace bestenfalls noch ein Nischendasein – dürfte aber dann interessant sein, wenn euer Angebot im entferntesten Sinne etwas mit der Musikbranche zu tun hat. Ist das nicht der Fall, dann geht lieber weiter, denn dann gibt es hier nichts für euch zu sehen.

Screenshot: Das Profil von Justin Timberlake bei Myspace

Abb. 3: MySpace 2017 – wo selbst der ehemalige Besitzer nichts mehr postet.

Und wo wir gerade von nichts zu sehen sprechen, fällt einem natürlich spontan Google+ ein. Denn vorbei ist die Zeit, in der jeder, der andere Google-Dienste nutzen wollte, auch einen Google+ Account brauchte. Denn Google hat gemerkt: 500 Millionen registrierte Nutzer bringen wenig, wenn nur ein Prozent davon wirklich aktiv ist. Daher geht das soziale Netzwerk, mit dem Google dem Konkurrenten Facebook den Rang ablaufen wollte, nun langsam den Weg aller erfolglosen Erfindungen: Es siecht dahin.

Es gibt zwar ein paar Branchen, deren Vertreter sich weiterhin bei Google+ tummeln sollen (es gehören wohl auch einige Onliner dazu), für euren Traffic dürften diese Zahlen jedoch kaum entscheidend sein. Es lohnt sich aber, hin und wieder einen Blick auf die Profile von John Mueller, Gary Illyes und den anderen Googlern zu werfen. Denn diese veröffentlichen hier hin und wieder Informationen, die für den Traffic eurer Website wiederum von Belang sein könnten.

Die Messenger : WhatsApp, Snapchat und WeChat

Viel wichtiger ist es in der heutigen Zeit allerdings, in den Messengern präsent zu sein. Und Chatbots, die mit Interessenten erste Gespräche führen, sind dabei nur der erste Schritt. Schon bald werden sicher auch hier personalisierte Werbeeinspielungen möglich sein. Denn Dienste wie WhatsApp oder WeChat (äußerst relevant, falls ihr auf dem chinesischen Markt aktiv seid) finanzieren sich ja nicht von selbst.

Und bei Snapchat könnt ihr – ganz klassisch – die firmeneigenen Influencer ins Rennen um die Gunst des jungen Publikums schicken. Auch wenn es fraglich ist, wie lange sich der Dienst noch gegen Facebook und seine verschiedenen Unternehmungen wird behaupten können.

Die Bildgewaltigen: Instagram, Pinterest, Tumblr und Flickr

Denn Facebook hat es sich scheinbar zum Ziel gesetzt, Snapchat aus dem Weg zu räumen. Dies wird zum einen damit zusammenhängen, dass der Konkurrent sich einer Übernahme verwehrt hat – und das auch noch öffentlich kommunizierte. Doch wichtiger ist sicher ein anderer Faktor: Die junge Zielgruppe steht nicht auf Texte, sondern auf bildgewaltige Stories und Videos. Und hier kommt dann die Facebook-Tochter Instagram ins Spiel.

Diese hat andere Bilderplattformen wie Tumblr, Flickr oder Pinterest längst auf die zweiten, dritten und hinteren Plätze verwiesen und bläst nun zum Angriff auf Snapchat. Wer wirklich Traffic generieren möchte, kommt am Marktführer unter den Bilderdiensten daher nicht vorbei – denn nur hier tummeln sich wirkliche Influencer mit einer zielführenden Reichweite. Die anderen Plattformen sind dann zusätzlich ganz nett, sollten aber nur ein Teil des Marketingmix sein. Am Ende ist es – gerade bei Bildern und Fotos – aber auch eine immer Frage der Kapazitäten. Ihr müsst daher gut abwägen, welcher Kanal sich wirklich für euch lohnt.

Die Communities: Reddit, Gutefrage.net, Medium und Zest

Anders ist es bei den Communities. Netzwerke wie Reddit oder Gutefrage.net eignen sich immer, um anderen Nutzern mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Und wer Hilfe anbietet, wird oft auch mit Traffic belohnt. Ihr müsst nur aufpassen, dass auf der anderen Seite wirklich jemand mit einem Problem sitzt, das ihr lösen könnt – und nicht nur ein SEO, der selbst einen Link unterbringen will. Gleiches gilt natürlich auch bei allen Foren, die es ja immer noch gibt wie Sand am Meer.

Diese Gefahr gibt es bei Diensten wie Medium oder Zest nicht. Denn hier empfehlen Nutzer der Community Inhalte, die sie selbst gut fanden. Bei Zest erhalten Nutzer beispielsweise den ganzen Tag über empfohlene Artikel, wenn sie einen neuen Tab öffnen. Aktuell ist dieser Dienst zwar noch ein Geheimtipp, aber das könnte sich schnell ändern, wenn die User merken, wie nützlich er ist.

Screenshot: Ein neuer Tab, wenn Zest installiert ist

Abb. 4: So sieht es aus, wenn ich einen neuen Tab öffne.

Es gibt für jeden das passende Netzwerk

Es gibt also für wirklich jeden Ansatz das passende soziale Netzwerk. Wenn ihr auf die Sprache der Bilder setzen wollt, dann bringt euch bei Instagram, Pinterest und Co. ein. Wenn ihr eure Texte promoten wollt, schaut euch Zest oder Medium an. Wenn ihr mit euren (potentiellen) Kunden in Kontakt treten wollt, dann postet bei Facebook und Twitter.

Und darüber hinaus gibt es natürlich noch zahlreiche Netzwerke, die sich auf kleine – aber oft spannende – Nischen spezialisiert haben. So ist zum Beispiel Academia.edu eine Community von Menschen, die an Universitäten arbeiten, dort forschen oder bereits einen Abschluss in der Tasche haben.

Screenshot: Die Startseite von Academia.edu

Abb. 5: Das Netzwerk nur für Akademiker (nicht Singles mit Niveau, sondern alle).

Und dieses Prinzip lässt sich auch auf zahllose andere Branchen übertragen. Egal, was ihr anbietet, wird sich also sicher ein Netzwerk finden lassen, in dem sich eure Zielgruppe noch einmal gesondert bewegt – und in dem ihr sie zielgerichtet ansprechen könnt.

Dabei müsst ihr aber in jedem Fall die Grundregeln für Social Media beachten:

  1. Seht die Kommunikation nicht als Einbahnstraße, sondern tauscht euch mit euren Fans auf Augenhöhe aus.
  2. Postet bloß nicht überall dasselbe. Schneidet alles auf die jeweilige Zielgruppe zu.
  3. Beschränkt euch auf die Portale, bei denen ihr wirkliche Mehrwerte generieren könnt.
  4. Prüft alle Zahlen – nur weil ein „Influencer“ tausende Follower hat, muss er oder sie noch lange keine Reichweite haben.

Entscheidend ist am Ende immer, ob die Plattform Traffic liefert (oder wenigstens auf das Brandbuilding einzahlt). Ist das nicht der Fall, dann könnt ihr euch das Posten auch sparen. Testet also alles einmal aus und bleibt dann dort, wo es sich wirklich lohnt.

Über den Autor

Oliver Engelbrecht

Chefredakteur
Nach meinem Studium der Politikwissenschaft (mit dem Schwerpunkt Diplomatie) habe ich zunächst das SEO-Portal aufgebaut und zuletzt als Chefredakteur geleitet. Nun bin ich bei der Agentur LEAP/ für das Marketing verantwortlich und koordiniere unser Magazin GrowthUp - wiederum als Chefredakteur.
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