Alternative Traffic-Quellen: Suchmaschinen, die nicht Google heißen

Das erwartet euch in diesem Artikel

  • Welche Suchmaschinen dominieren die interessantesten Märkte?
  • Welche Alleinstellungsmerkmale haben die wichtigsten Suchmaschinen?
  • Für welche Suchmaschinen neben Google lohnt sich die Optimierung?

Im ersten Teil unserer Reihe zu alternativen Traffic-Quellen haben wir euch dargelegt, warum ihr diese nicht außer Acht lassen solltet. Und ab heute stellen wir euch regelmäßig die spannendsten Vertreter aus den neun Kategorien vor, die ihr ebenfalls im ersten Artikel finden könnt. Los geht es mit den zahlreichen Nischen-Suchmaschinen, die nicht Google heißen – aber oft tolle Alleinstellungsmerkmale haben.

Google ist die Nummer 1 – dahinter gibt es viel Konkurrenz

In Deutschland ist Google mit himmelweitem Abstand die Nummer 1 unter den Suchmaschinen. Alle anderen dürfen bei uns nur die Reste unter sich aufteilen. Auf dem Weltmarkt sieht es ganz ähnlich aus. Doch schaut man sich einzelne Regionen oder Zielgruppen an, dann gestaltet sich das Bild nicht so eindeutig.

In den USA ist Google zum Beispiel zwar auch Marktführer, die Nummer zwei hat aber keinen so deutlichen Abstand. Und in China sitzt gar eine ganz andere Suchmaschine auf dem Thron. Auch wenn Google also weltweit einem Marktanteil von etwa 90% hält, lohnt sich der Blick über den Tellerrand also trotzdem. Das zeigt, dass Marketer, die nach alternativen Traffic-Quellen Suchen, zuallererst auf die anderen Suchmaschinen schauen sollten. Denn hier gibt es zum Teil erhebliche Potentiale – auch wenn einige von ihnen die Suchergebnisse aus dem Hause Google ausspielen.

Baidu: Der Marktführer in China

In China spielen die internationalen Konzerne oft die zweite Geige hinter einem nationalen Player. Und was WeChat für den Messenger-Markt ist, ist Baidu für die Suchmaschinen: Die klare Nummer eins mit einem Marktanteil von mehr als 50%.

Screenshot: Startseite von Baidu

Abb. 1: Die Startseite von Baidu.

Google ist in diesem Markt mittlerweile gar nicht mehr aktiv und leitet alle aus China kommenden Suchanfragen auf Google Hongkong um. Denn nach einigen Jahren der „freiwilligen“ Selbstzensur brach der schwelende Konflikt zwischen Google und der chinesischen Regierung wieder auf. Im Zuge dessen beendete Google die Zensur und zog sich offiziell aus China zurück. Google-Dienste können also nur durch Umgehungen der Zensur genutzt werden.

Dieses Vorgehen zementierte nur noch weiter, was vorher schon in Stein gemeißelt schien – die Vorherrschaft von Baidu im Reich der Mitte. Diese wird zudem durch zahlreiche weitere Dienste – von einer KI bis hin zu einer MP3-Suche – weiter gefestigt. Wer also auch nur annährend etwas mit dem chinesischen Markt zu tun hat, kommt an der Optimierung für Baidu nicht vorbei.

Da stört es dann auch nicht, dass Baidu im weltweiten Vergleich auf nur etwa ein Prozent Marktanteil kommt. Denn außerhalb der Volksrepublik hat Baidu bislang noch nicht großartig auf sich aufmerksam gemacht. Dies kann unter anderem daran liegen, dass die seltenen News über den Suchmaschinenanbieter meist im Zuge von negativen Enthüllungen erscheinen. Dabei geht es meist um den Vorwurf, dass Baidu mit der chinesischen Regierung zusammenarbeitet und dieser dabei hilft, das Internet zu zensieren. Doch wer mit diesem moralischen Dilemma umgehen kann, hat mit Baidu auf jeden Fall die besten Chancen, den chinesischen Markt zu erobern.

Yandex: Die klare Nummer eins in Russland

Und auch in einem anderen riesigen Land ist Google nur die Nummer zwei: in Russland. Dort regiert nahezu unangefochten die regionale Suchmaschine Yandex, die mittlerweile auch Expansionspläne in Europa hegt.

Screenshot: Startseite von Yandex

Abb. 2: Die internationale Startseite von Yandex.

International gesehen ist Yandex immerhin die viertgrößte Suchmaschine der Welt. Dieser Marktanteil speist sich aber fast ausschließlich aus der Marktführerschaft in Russland und Weißrussland sowie den 10 – 25% Marktanteilen in den weiten Staaten der ehemaligen Sowjetunion. Doch auch hier gilt: Wessen Zielgruppe in diesen Ländern sitzt, der sollte die Optimierung für Yandex unbedingt sofort angehen.

Aol, Lycos und Yahoo: Die ehemaligen Big Player

Wer erinnert sich noch an die frühen Tage des Internets, als wir uns noch mühsam einwählen mussten und es einer Katastrophe gleichkam, wenn während des Surfens das Telefon geklingelt hat? Damals gab es einige Big Player unter den Suchmaschinen, die heute nur noch ein Schattendasein fristen. Besonders bekannt war damals Aol, vor allem wegen dieser Werbung:

Doch mit den Jahren hat Google Aol in die zweite oder gar dritte Reihe verbannt. Dort fristet es heute ein trauriges Dasein an der Seite von Yahoo – der Firma, die vor einigen Jahren davon abgesehen hat, Google für ein paar lumpige Milliarden zu übernehmen. Und heute gehören beide – also Aol und Yahoo – zu Verizon und träumen von vergangenen Zeiten.

Da aber immer noch zahlreiche Nutzer in eben diesen alten Zeiten (in denen ja bekanntlich alles besser war) verhaftet sind, haben sie immer noch einigen Traffic. Nicht viel im Vergleich zu Google, aber genug, um auch weiterhin dafür zu sorgen, dass eure Websites bei den Dinosauriern gut ranken. Und wenn ihr schon dabei seid, habt gleich noch ein Auge auf Lycos. Ihr wisst schon, die Suchmaschine mit dem schwarzen Hund:

Screenshot: Startseite von Lycos

Abb. 3: Der wichtigste USP von Lycos (rechts im Bild).

Bing: Die Suchmaschine von Microsoft

Deutlich besser als diesen drei Suchmaschinen geht es da heute der internationalen Nummer zwei: Bing aus dem Hause Microsoft. Allein durch die Power des dahinter stehenden Konzerns kann Bing mehr Nutzerschichten ansprechen – dies wurde zum Beispiel deutlich, als es bei der letzten Windows-Veröffentlichung sehr schwer war, die voreingestellte Suchmaschine zu ändern.

Screenshot: Startseite von Bing

Abb. 4: Auf der Startseite von Bing gibt es immer hübsche Fotos zu sehen.

Bing ist auf vielen Geräten voreingestellt, was dazu führt, dass zahlreiche Nutzer einfach umsteigen. In den USA hat Bing mittlerweile einen Marktanteil von etwa 20% und stellt auch die SERPs und Werbeanzeigen für einige andere Suchmaschinen. Ein nicht zu unterschätzender Player also.

Duck Duck Go, Startpage, Qwant und Hulbee: Mehrere Wege zum Datenschutz

Kommen wir nun zu den Suchmaschinen, die einen wirklichen inhaltlichen USP haben und nicht einfach nur in anderen Sprachen funktionieren oder von anderen großen Konzernen kommen. Besonders stark ist die Bewegung dabei auf dem Gebiet des Datenschutzes.

Denn Google zieht seine Profite vor allem aus der Personalisierung der Suchanfragen – und damit auch der Ads. Oft ist es auch so, dass die SERPs deutlich besser auf den fragenden Nutzer zugeschnitten sind. Doch nicht alle wollen den Tausch Daten gegen Suchergebnisse mitmachen. Für diese (nicht unbedingt kleine) Zielgruppe gibt es mittlerweile einige Angebote, die sich in Details noch einmal deutlich unterscheiden.

Beginnen wir mit Duck Duck Go. Hierbei handelt es sich um die US-Amerikanische Version einer Suchmaschine mit Datenschutz. Sie dürfte dank des amerikanischen Marktes und des offensiven Marketings die bekannteste der Suchmaschinen in dieser Nische sein. Die Vorteile stehen auch direkt prominent auf der Startseite:

Screenshot: Startseite von Duck Duck Go

Abb. 5: Duck Duck Go ist eure Privatsphäre heilig.

Fraglich ist jedoch, was Duck Duck Go tun würde, wenn das Unternehmen zur Herausgabe von Daten gezwungen würde. Denn die Server stehen alle in den USA und unterliegen damit den deutlich weniger starken Datenschutzrichtlinien des amerikanischen Rechts.

Anders sieht es zum Beispiel bei StartPage aus. Diese Suchmaschine bietet in den SERPs die Google-Suchergebnisse – allerdings komplett ohne das Tracking. Es werden also absolut keine persönlichen Daten gespeichert – daher könnten im Zweifelsfall auch keine herausgegeben werden. Und dank des Serverstandortes in der EU unterliegt die Suchmaschine nicht den datenschutzbeschneidenden Verordnungen wie dem Patriot Act.

Darüber hinaus bietet StartPage ein Proxy-System an, das Nutzer auch dann, wenn sie sich aus den Suchergebnissen zu einer Website durchklicken, vor Tracking schützen soll. Ein sicherer E-Mail-Client wurde auch vor einiger Zeit gestartet.

Einen weiteren interessanten USP bietet auch die Schweizer Suchmaschine Hulbee. Neben der Achtung der Privatsphäre (mit Servern in der Schweiz) wird hier ein zentrales Augenmerk auf den Schutz von Kindern und Jugendlichen gelegt.

Screenshot: Startseite von Hulbee

Abb. 6: Hulbee hat Familien im Fokus

Während bei Google zahlreiche Suchen zu pornografischen und gewalttätigen Inhalten führen, soll dies bei Hulbee durch spezielle Algorithmen verhindert werden. So soll es gelingen, Kinder von den entsprechenden Inhalten fernzuhalten – eine spannende Lösung für Eltern, die ihren Kindern beim Surfen nicht immer über die Schulter schauen können. Da die SERPs von Yahoo stammen, lohnt sich die Optimierung für den ehemaligen Marktführer gleich doppelt.

Einen ganz anderen USP hat hingegen die Suchmaschine Qwant. Auch hier steht der Datenschutz im Vordergrund – doch das interessanteste Detail ist die Aufsplittung der Suche. Hier lassen sich nicht nur Videos oder News-Beiträge gesondert finden, sondern auch Social Media-Kanäle. Eine spannende Option:

Screenshot: Die Social Media SERPs von Qwant

Abb. 7: Social Media-Kanäle in den Qwant-SERPs

Wer also einen Fokus auf den Datenschutz legen möchte, kann aus mehreren interessanten Optionen wählen. Für die großen und kleinen Influencer gibt es genauso eine passende Alternative wie für besorgte Eltern.

Ecosia: Der Umwelt zuliebe

Wenn euch eure Privatsphäre nicht so wichtig ist, eure Umwelt aber umso wichtiger, dann seid ihr bei Ecosia an der richtigen Stelle. Denn hier werden 80% der Einnahmen an Projekte gespendet, die Bäume pflanzen. Der Ticker auf der Startseite steht daher selten still:

Screenshot: Startseite von Ecosia

Abb. 8: Millionen Bäume dank Ecosia.

Die SERPs von Ecosia stammen von Bing, auch hier schlagt ihr also zwei Fliegen mit einer Klappe. Und mittlerweile betreiben sowohl Ecosia als auch Bing ihre Server mit erneuerbaren Energien.

Nicht nur Google ist spannend

Neben diesen herkömmlichen Suchmaschinen, die alle den ein oder anderen USP bieten, gibt es auch noch weitere spannende Projekte. WolframAlpha zum Beispiel ist eine Findemaschine, die keine Links zu Websites ausspielt, sondern direkt die gewünschten Informationen anbietet. Entsprechend ist hierüber nicht wirklich Traffic abzugreifen. Bei YaCy steht die Dezentralisierung im Vordergrund, indem die Suchmaschine auf dem Rechner des Nutzers selbst läuft. Jeder Suchende wird also selbst zum Betreiber der Maschine.

Auch wenn Google immer noch 90% des Weltmarktes beherrscht und die wohl ausgeklügelsten Algorithmen besitzt, ist es also durchaus sinnvoll, auch das Ranking bei anderen Suchmaschinen im Auge zu haben. Vor allem, wenn ihr die großen drei – Google, Bing und Yahoo – im Griff habt, seid ihr für die westliche Welt gut gerüstet. Doch auch die Nischen und die anderen Sprachen solltet ihr nicht vernachlässigen, wenn ihr eine wirklich ganzheitliche und diversifizierte Strategie fahren wollt.

Habe ich eine Suchmaschine vergessen? Dann sagt Bescheid!

Über den Autor

Oliver Engelbrecht

Chefredakteur
Nach meinem Studium der Politikwissenschaft (mit dem Schwerpunkt Diplomatie) habe ich zunächst das SEO-Portal aufgebaut und zuletzt als Chefredakteur geleitet. Nun bin ich bei der Agentur LEAP/ für das Marketing verantwortlich und koordiniere unser Magazin GrowthUp - wiederum als Chefredakteur.
Kommentare