Amazon-SEO Teil 2: Welche drei Stellschrauben sind besonders wichtig?

Das erwartet euch in diesem Beitrag

  • Wie findet ihr heraus, mit welchen Keywords eure Produkte bei Amazon ranken?
  • Was müsst ihr über gute und schlechte Bewertungen wissen?
  • Welche Rolle spielt hat der Preis bei Amazon-SEO?

Im ersten Teil unserer Serie haben wir euch geschildert, warum Amazon-SEO immer wichtiger wird. Kurz: Da auf Amazon das Produkt- und Leistungsangebot seit geraumer Zeit rapide zunimmt, verschärft sich der Wettbewerb zwischen den dort vertretenen Verkäufern und Händlern. Optimierung ist daher das Gebot der Stunde. Ferner ging es um die Ziele von Amazon-SEO und im Hauptteil dann um grundlegende Tipps, wie ihr mit euren Produkten weit oben im Amazon-Ranking landet. Ein besonderer Fokus lag auf dem Amazon-Listing.

Jetzt möchten wir euer Wissen weiter vertiefen. Dazu gehen wir genauer auf die so wichtigen Ranking-Faktoren Indexierung, Bewertungen und Preis ein und empfehlen euch “unterwegs” zwei sehr nützliche Tools.

Indexierung: So ermittelt ihr, welche eurer Keywords ranken

Um herauszufinden, ob euer Produkt für ein bestimmtes Keyword rankt/indexiert ist, müsst ihr zuerst dessen Amazon-Standard-Identifikationsnummer (ASIN) kennen. Diese findet ihr in der Produktinformation. Bei Büchern entspricht die ASIN der ISBN. Kopiert die Nummer anschließend in das Amazon-Suchfeld und fügt das betreffende Keyword hinzu. Wenn euer Produkt in den Ergebnissen erscheint, rankt es mit diesem Keyword.

Allerdings ist es natürlich nervig und zeitaufwendig, jedes Keyword einzeln zu überprüfen. Deshalb bietet es sich an, Tools zu nutzen, die einem die Arbeit abnehmen. Eines davon ist MarketHustl (kostenpflichtig). Hiermit könnt ihr eine ganze Liste mit Keywords eintragen, für die das Produkt indexiert sein soll. Das Tool zeigt euch dann in einer übersichtlichen Auswertung, mit welchen Keywords das Produkt bereits indexiert ist und womit noch nicht. Anhand der neuen Erkenntnisse könnt ihr das Amazon-Produktlisting überarbeiten. Dabei helfen euch die Tipps im ersten Teil unser Serie über Amazon-SEO.

Amazon-Kundenbewertungen: Gute Noten, schlechte Noten

Die Anzahl der Bewertungen auf Amazon spielt bei Amazon-SEO eine entscheidende Rolle und ist neben dem Titelbild der wichtigste Klickfaktor. Faustregel: Ab fünf tendenziell positiven Bewertungen kann davon ausgegangen werden, dass die Nutzer ein grundlegendes Vertrauen in das Produkt haben.

Zudem können Bewertungen eine Eintrittsbarriere für potenzielle Wettbewerber sein. Denn hat ein Produkt beispielsweise mehr als 300 überwiegend positive Rezensionen, überlegt man sich zweimal, ob man zu diesem Produkt überhaupt in Konkurrenz treten möchte. Außerdem führen viele gute Bewertungen in der Regel dazu, dass das Produkt öfter gekauft wird. Frei nach dem Motto: Wenn so viele Kunden dieses Produkt gekauft haben, kann es nur gut sein. Ein “klassischer” Fall von Social Proof.

Was könnt ihr aus Bewertungen für die Optimierung lernen?

Neben der Anzahl entscheidet auch die Höhe der Bewertung (1 bis 5 Sterne) darüber, ob ein Produkt Erfolg hat oder nicht. Laut einer repräsentativen Studie des Marktforschungsinstitut SPLENDID RESEARCH von 2018 lassen sich heute mehr als 70 Prozent der User durch positive Bewertungen vom Kauf eines Produkts überzeugen. Deshalb solltet ihr auch auf Amazon die Bewertungen immer im Auge behalten!

Außerdem kann man aus Kundenbewertungen viel lernen, was keinesfalls zu unterschätzen ist. Zum Beispiel lassen sich aus schlechten Bewertungen wichtige Insights in Bezug auf die Produktqualität und den Service gewinnen. Gute Bewertungen hingegen heben manchmal Punkte bei Produkten hervor, an die man als Anbieter selbst noch gar nicht gedacht hat. Etwa wenn es um den Verwendungszweck geht.

All diese neu gewonnenen Erkenntnisse könnt ihr dazu nutzen, euer Amazon-Produktlisting zu optimieren. Und selbst wenn positive Bewertungen kein neues Wissen bringen, so sind sie wenigstens eine Bestätigung dafür, dass ihr ein gutes Produkt habt und einen guten Job macht. Letztlich ist auch dies eine wertvolle Erkenntnis.

Wie solltet ihr euch bei schlechten Bewertungen verhalten?

Wohl so ziemlich jeder Amazon-Kunde dürfte vor seiner Entscheidung für ein Produkt schon einmal die eine oder andere Kundenbewertung gelesen haben, um das Risiko eines Fehlkaufs zu reduzieren. Mit besonderem Fokus auf die schlechten Bewertungen, um mehr über die Qualität und den Kundenservice zu erfahren. Überwiegt das negative Bild, wird kein Kauf getätigt, und die Konkurrenz greift den Kunden ab.

Aber was lässt sich gegen schlechte Produktbewertungen tun? Einfach löschen ist ja (leider) nicht möglich. Hinzu kommt, dass Amazon versucht, die bewertenden Personen anonym zu halten. Gibt es also keinen Weg, negative Bewertungen von eurer Produktseite verschwinden zu lassen …?

Doch, den gibt es: Mit dem Programm Feedbackwhiz (kostenpflichtig) könnt ihr rund 50 Prozent der User identifizieren, die negative Reviews hinterlassen haben.

Dabei geht ihr wie folgt vor:

  1. Bei Feedbackwhiz registrieren
  2. Auf den Bestellungen-Tab gehen
  3. Im Datumsbereich den ungefähren Zeitpunkt des Kaufs angeben
  4. Den Usernamen eingeben (Die Methode klappt gut, wenn der Name länger/zweigeteilt ist, da der User so leichter identifiziert werden kann)

Nun wird im Tool angezeigt, welche Produkte der User gekauft hat, und nach der eindeutigen Identifizierung könnt ihr eine Entschuldigungs-E-Mail schreiben.

Wichtig: In der E-Mail solltet ihr auf gar keinen Fall mit der Tür ins Haus fallen und den User direkt um die Löschung der negative Bewertung bei Amazon bitten! Da Amazon ein solches Verhalten missbilligt, kann es zu Problemen kommen, falls ihr damit auffliegt.

Besser ist es, ihr wählt den indirekten Weg. Dieser könnte folgendermaßen aussehen:

“Wir bitten um Entschuldigung, dass unser Produkt ihre Erwartungen nicht erfüllt hat. Da wir alle unsere Kunden als eine große Familie betrachten, möchten den Ihnen entstandenen Schaden wiedergutmachen. Ist Ihre angegebene Adresse noch aktuell? Wenn Sie diese bestätigen oder ggf. eine neue Adresse angeben, lassen wir Ihnen schnellstmöglich ein neues Produkt zukommen. Sie können sich aber auch gerne für ein anderes Produkt zum selben Preis entscheiden.”

So könnt ihr möglicherweise erreichen, dass aus einem unzufriedenen Kunden doch noch ein zufriedener Kunde wird. Und mit etwas Glück löscht dieser seine negative Bewertung dann auch wieder.

Wodurch bekommt ihr mehr (positive) Bewertungen?

Für nicht wenige Unternehmen endet der Prozess nach dem Kaufabschluss des Kunden. Leider. Immerhin schicken einige wenigstens noch eine Standard-E-Mail hinterher und bedanken sich förmlich für den Einkauf. Das war’s dann meist aber auch schon. Der Customer Journey in ihrer Gesamtheit wird man so allerdings nicht wirklich gerecht.

In diesem Beitrag gehe ich nicht weiter auf die Möglichkeiten des Remarketings etc. ein. Vielmehr möchte ich euch eine ganz einfache Methode vorstellen, wie ihr die Anzahl der Bewertungen bei Amazon erhöhen könnt: Statt eine Standard-Mail zu verschicken, legt lieber etwas Kreativität an den Tag und erstellt eine Vorlage, die der Käufer nicht sofort als solche erkennt. Sie sollte individuell wirken, originell sein und den Adressaten bestenfalls sogar zum Schmunzeln bringen.

Um die Aufmerksamkeit des Nutzers zu gewinnen, könnte die E-Mail folgendermaßen verfasst sein:

Hallo (Name),

wir möchten Dir ein dickes Dankeschön zukommen lassen!

In dem Moment, als wir Deine Bestellung gesehen haben …

… hat uns das riesig gefreut! Wir hoffen, dass Du mit Deinem Kauf zufrieden bist.

Aber auch jede Produktrezension ist für uns ein Grund zu feiern.

Du würdest uns also einen riesigen Gefallen tun, wenn Du Dir kurz Zeit nimmst, um unser Produkt zu bewerten.

Klicke dazu einfach hier unten auf den Link und gib Deine Bewertung ab. (Finger die nach unten zeigen 👇👇👇)

(Link)

Auch dafür wären wir Dir sehr dankbar!

 

Beste Grüße … (Brand-Name und/oder Logo )

Natürlich ist das Ganze etwas überzogen. Aber diese Methode hebt euch von der Masse ab und hat bei mir die Anzahl der Bewertungen deutlich gesteigert. Je nach Positionierung (Brand) können Text und GIFs kurzerhand abgewandelt werden. Hierbei sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Wichtig ist nur, dass ihr aus dem Einheitsbrei hervorstecht und andere Wege geht. Also einfach mal ausprobieren!

Preis: Wettbewerb analysieren und niedrig einsteigen

Als letzter hier aufgeführter Faktor bei Amazon-SEO ist der Preis zugleich diejenige Variable, über die ihr die meiste Kontrolle habt. Der Amazon-Algorithmus zeigt den Usern immer zuerst die vermeintlich relevantesten Produkte sowie die Produkte mit den besten Preisen. Somit ist es machbar, über den Preis schnell obere Plätze in der Amazon-Suche einzunehmen.

Zudem kann ein vergleichsweise niedriger Preis die Verkäufe nach oben klettern lassen, da er zu den wichtigsten Metriken für eine Kaufentscheidung zählt. Daher solltet ihr – je nach Möglichkeit – zunächst ein bisschen mit dem Preis spielen, um die beste Mischung zwischen Absatz und Profit zu ermitteln. Klar ist hierbei: Wenn ihr mit einem niedrigen Preis startet, kommt ihr in der Regel nicht nur schneller auf die oberen Plätze, sondern erhöht auch die Chancen auf gute Bewertungen.

Doch was ist ein niedriger Preis? Bei dessen Ermittlung solltet ihr euch an eurer Marge orientieren und die Preise der direkten Wettbewerber analysieren. Fangt mit den am besten bewerteten Produkten an und passt anschließend euren Preis an.

Zusätzlich ist es bei Amazon möglich, per Lightning Deal zu arbeiten. Bei diesem speziellen Feature wird eine vorab definierte Anzahl von Produkten zu einem gesonderten Preis verkauft – aber nur innerhalb einer begrenzten Zeitspanne. Der Lightning Deal nutzt also das Moment der künstlichen Verknappung, um bei den Usern Dringlichkeit zu erzeugen und sie leichter bzw. schneller zum Kaufabschluss zu bewegen. Diese Methode sollte jedoch nicht überstrapaziert werden! Denn viele Nutzer kennen solche “Taktiken” bereits, wodurch der sich der erwünschte Effekt mit der Zeit mehr und mehr abnutzt.

Fazit

Es gibt jede Menge Möglichkeiten, das Ranking bzw. die Suchergebnisse eurer Produkte mittels Amazon-SEO zu optimieren. Indexierung, Bewertungen und Preis gehören dabei unbedingt ganz nach oben auf eurer To-do-Liste. Aber wie immer bei SEO geht es auch auf Amazon meist nicht von heute auf morgen, bis sich erste signifikante Erfolge einstellen und eure Produkte vermehrt in den Einkaufswagen der Kunden landen. Daher müsst ihr etwas Geduld haben – und vor allem immer am Ball bleiben! Dann nämlich greifen eure Optimierungen ganz sicher über kurz oder lang. Wir hoffen jedenfalls, dass euch unsere Tipps für Amazon-SEO hierbei helfen und wünschen euch gute Geschäfte!

Ein weiterer wichtiger Faktor für den Erfolg auf Amazon sind Werbeanzeigen. Wie ihr hier durchstarten könnt, sagen wir euch im Artikel zu Amazon Ads.

Über den Autor

Wanja Ernst

Redakteur
Nach meiner Ausbildung zum Veranstaltungskaufmann habe ich mein Wirtschaftsstudium an der Europa-Universität Viadrina begonnen.Derzeit stehe ich kurz vor meinem Abschluss und arbeite bereits bei der Agentur LEAP/ als Manager im Bereich Paid Advertising.