Die Kunst des Deeplinking

Das erwartet euch in diesem Artikel

  • Was ist die Deeplink-Ratio?
  • Welche URLs solltet ihr verlinken?
  • Was müsst ihr dabei beachten?

Die Deeplink-Ratio ist das Verhältnis von Backlinks, die zur Homepage zeigen, zu solchen, die auf andere URLs einer Website verweisen. Sie wird immer in Form einer Prozentzahl ausgedrückt.

Um herauszuarbeiten, was die perfekte Deeplink-Strategie ist, gilt es zunächst einmal, ein paar Fragen zu beantworten.

Warum überhaupt Deeplinks?

Das ist einfach erklärt: Wir setzen Links nicht zum Spaß, sondern um Ranking-Steigerungen zu erreichen – und zwar von relevanten Keywords, mit denen ein Unternehmen Geld verdient. Nun ist es in den meisten Fällen so, dass sich die relevanten Rankings nicht auf der Startseite befinden, sondern auf den Unterseiten.

Das Verlinken auf diese Unterseiten, auch Deeplinking genannt, macht insofern Sinn, als dass der Linkjuice genau dort ankommen soll, wo wir seine Wirkung benötigen.

Vereinfacht gesagt, wird der auf einer URL ankommende Linkjuice auf die von dieser URL verlinkten Seiten weiter verteilt. Bekommt z.B. eine Startseite, von der 50 Unterseiten abgehen, einen Backlink, dann wird auf den Unterseiten jeweils 1/50 des Linkjuices ankommen.

Das ist eine stark vereinfachte Darstellung, erklärt aber auch, warum Content-Marketing im Zusammenhang mit Linkbuilding wenig Sinn ergibt.

Wie viele Deeplinks dürfen wir setzen?

Im Rahmen einer Offpage-Strategie wird ermittelt, wie viele Deeplinks gesetzt werden dürfen. Das hängt zum einen von eurer Deeplink-Ratio und zum anderen von der eurer Konkurrenz ab.

Schaut euch also die Deeplink-Ratio eurer Konkurrenten im jeweiligen Keyword-Set an und vergleicht diese mit dem aktuellen Wert eurer Website.

Wenn es bei allen anderen in etwa so aussieht

Homepage: 80%

Deeplinks: 20%

dann wäre es ein Problem, wenn es bei euch so aussieht

Homepage: 20%

Deeplinks: 80%.

Wo sollen wir Links aufbauen?

Sagen wir, wir bauen pro Monat 20 Links auf, von denen 50 % Deeplinks sein dürfen. Bei strategischem Linkaufbau können wir nun selbst entscheiden, wo diese genau hinzeigen werden. Hier haben wir einen deutlichen Vorteil gegenüber Content-Marketing-Kampagnen, deren Links in der Regel wild und unkontrolliert bei uns eingehen.

Wir wollen dafür sorgen, dass unsere Backlinks dort landen, wo wir das meiste Geld verdienen – also dort, wo unsere Money-Keywords sind. Ein Deeplink sollte auf eine Unterseite zeigen, welche die folgenden Kriterien erfüllt:

Wir haben die Chance, mit Backlinks Ranking-Veränderungen herbeizuführen, die zu einer höheren Click-Through-Rate und damit zu mehr Klicks führen

Wenn ihr euch aktuelle CTR-Verteilungen in den organischen Suchergebnissen von Google anschaut, dann wird deutlich, wo Traffic zu holen ist und wo nicht.

Grafik: CTR-Study

Abb. 1: Klicks gibt es nur bei den ersten Ergebnissen zu holen (© https://www.advancedwebranking.com/cloud/ctrstudy/).

Ihr könnt euch über das Suchvolumen des Keywords und eure aktuelle Position ungefähr ausrechnen, wieviel Traffic ihr derzeit von Google bekommt. Diese Zahlen validiert ihr am besten mit den Daten aus eurer Search Console.

Bitte bedenkt, dass CTR-Studien wie die hier gezeigte immer Durchschnittswerte über mehrere Industrien abbilden. In dem oben dargestellten Fall basieren die Daten auf 1,7 Millionen Keywords.

Nicht immer ist es möglich, auf Platz 1 zu kommen. Die meisten von uns werden in den seltensten Fällen an Wikipedia, Amazon oder dem Hersteller-Brand vorbeikommen. Wir müssen uns also auf Keywords konzentrieren, bei denen eine Top-3-Platzierung realistisch ist.

Screenshot: SERPs für adidas schuhe

Abb. 2: Selbst Zalando wird hier wohl kaum auf Platz 1 landen, da Google die Marke selbst ganz oben sehen will.

Je weniger Aufwand (=Links) ihr investieren müsst, um dieses Ziel zu erreichen, desto besser. Von daher solltet ihr euch auf sogenannte Schwellenkeywords konzentrieren. Solche Keywords ranken zwischen #4 und #20, sind also „nah am Treppchen“, wo es letztendlich die Klicks hinter einer Suchanfrage zu holen gilt.

Durch eine Ranking-Verbesserung müssen wir unseren Return on Investment vergrößern können

Dabei hilft es zum einen, wenn im Longtail schon die Kaufabsicht enthalten ist. Wer „adidas schuhe kaufen“ eingibt, ist deutlich weiter im Funnel als jemand, der nur nach dem Wort „schuhe“ sucht und sich ggf. nur informieren möchte.

Hier helfen euch eure AdWords-Performance-Daten. Aus diesen geht hervor, auf welchen Keywords eure Anzeigen bei eurer Zielgruppe besonders gut performen. Das sind logischerweise auch eure bevorzugten Kandidaten für die organische Suche.

Zum zweiten solltet ihr euch auf Seiten konzentrieren, bei denen ihr eine höhere Marge erwarten könnt. Ihr werdet wohl mit der Seite hinter „schreibtisch kaufen“ mehr verdienen als mit der Seite hinter „kugelschreiber kaufen“.

Wir müssen uns auf Keywords fokussieren, die entweder stabil ranken oder einen Trend nach oben aufweisen

Natürlich muss auch das Suchvolumen entsprechend hoch sein. Das ist euer dritter Filterfaktor.

Wir brauchen keine Ressourcen auf URLs zu verschwenden, deren wichtigste Keywords im zeitlichen Verlauf wild die Plätze wechseln. Hier werden wir mit ein paar Links nicht viel erreichen können. Gleiches gilt für solche Keywords, die schon auf dem absteigenden Ast sind. Hier gilt es, erstmal die Onsite-Hausaufgaben zu machen.

Wie könnt ihr also konkret vorgehen?

Schaut euch zunächst die wichtigsten Keywords an, für die ihr aktuell schon rankt. Ihr könnt dafür zum Beispiel Seachmetrics, Sistrix oder Xovi verwenden.

Screenshot: Searchmetrics 1

Abb. 3: Wie steht es eigentlich um die aktuellen Rankings?

Filtert euch dann all jene Keywords heraus, bei denen ihr aktuell zwischen Position 4 und Position 20 rankt – die Schwellenkeywords also.

Grafik: Searchmetrics 2

Abb. 4: Hier findet ihr die Schwellenkeywords.

Exportiert euch diese Ansicht als Excel-Tabelle und rechnet dann durch, wie viel ihr mit den jeweiligen Keywords verdient. Entweder wisst ihr es aus Erfahrung oder ihr schaut euch die Conversion-Rate und den durchschnittlichen Wert einer Bestellung in der entsprechenden Branche an, wenn ihr euren realen Conversion-Rates nicht kennt.

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass die Conversion-Rate sinkt, je länger der Funnel und je teurer das Produkt ist. Alltägliche Sachen wie Kleidung oder Nahrung kommen so auf eine CR von 3 % und mehr, während Möbel und ähnliche Gegenstände oft nur ca. 1 % vorweisen können – aber eben auch größere Margen haben.

Errechnet auf dieser Grundlage, wie viel ihr verdient. Im nächsten Schritt müsst ihr prognostizieren, wo ihr bei diesem Keyword im Bestfall landen könnt. Hierfür braucht es SEO-Erfahrung und „Fingerspitzengefühl“. Habt im Blick, dass es unter Umständen auch Wettbewerber gibt, an denen ihr nur schwer vorbei kommt.

Je höher ihr rankt, desto besser wird die Click-Through-Rate. Schaut euch in der Search Console an, wie es aktuell aussieht und formuliert darauf aufbauend Prognosen für die Zukunft.

Was könnt ihr verdienen?

Nun könnt ihr errechnen, wie sich eure Einnahmen nach einer Optimierung verändern würden. Fügt der Excel-Tabelle hierfür den durchschnittlichen Warenkorb und die Conversion-Rate hinzu.

Wie viel würdet ihr verdienen, wenn ihr die angestrebte Position erreicht? Würde es sich lohnen? Dies sagt euch der Delta-Wert, für den ihr die aktuellen Einnahmen von den prognostizierten Einnahmen abzieht.

Wenn ihr die Keywords nun absteigend nach dem Delta-Wert sortiert, habt ihr ganz oben die spannendsten Keywords für eine sofortige Optimierung. Stellt nun sicher, dass diese aktuell stabil sind oder sogar leicht ansteigen. Ist das der Fall, dann legt los und baut geile Deeplinks auf, um das Keyword nach oben zu bringen!

Über den Autor

Thomas Gruhle

CEO, LEAP/
Im Jahr 2009 habe ich die Agentur Barketing mit den Schwerpunkten SEO und Linkbuilding gegründet. Diese wurde 2015 zu LEAP/, da SEO und CRO für mich zwei Seiten der gleichen Medaille sind. Ich arbeite als Geschäftsführer vor allem auf der strategischen Ebene und begleite Internationalisierungen, Relaunches und andere Projekte in großen Unternehmen.
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