SEO-Agentur oder Inhouse-SEO: Mit welcher Lösung fahren Unternehmen besser?

Das erwartet euch in diesem Beitrag

  • Was sind die Vor- und Nachteile einer SEO-Agentur?
  • Was sind die Vor- und Nachteile eines Inhouse-SEOs?
  • Welche Kosten entstehen mit der jeweiligen Lösung?

Ihr wollt in Suchmaschinenoptimierung investieren, wisst aber nicht, wie das ideale Personal-Setup für diese Aufgabe aussieht? Kein Problem, denn im Folgenden geben wir euch eine Entscheidungshilfe, indem wir die Vor- und Nachteile einer SEO-Agentur und eines Inhouse-SEOs bzw. SEO-Managers gegeneinander abwägen. Kostenvergleich inklusive.

Dieser Beitrag richtet sich primär an Entscheider (Gründer, CEOs und Online-Marketing-Manager), die den SEO-Kanal verbessern möchten. Eine zweite Zielgruppe sind Inhouse-SEOs, die ihren Chef davon überzeugen wollen, dass sie eine SEO-Agentur als Sparringspartner und Unterstützung im Tagesgeschäft benötigen.

Ganz wichtig: Eine Checkliste eurer SEO-Aufgaben

Bevor ich euch die Unterschiede zwischen einer SEO-Agentur und einem Inhouse-SEO aufzeige, müsst ihr wissen, auf was ihr achten solltet. Dabei hilft euch eine Checkliste für euer SEO-Projekt.

Stellt euch insbesondere die folgenden Fragen:

  • Wie hoch ist euer Personalbudget bzw. Marketingbudget für die SEO-Aufgabe? Agenturen können nur Empfehlungen abgeben. Ansonsten müsst ihr für weitere Leistungen wie Content oder Content-Marketing Geld zahlen, um damit unter anderem Linkbuilding zu betreiben. Auf der anderen Seite solltet ihr einen guten Inhouse-SEO nicht unbedingt Texte schreiben lassen. Oft müsst ihr in zusätzliche Kräfte investieren. SEO gibt es nicht umsonst.
  • In welcher Abteilung wollt ihr einen Inhouse-SEO unterbringen, oder wer arbeitet mit der Agentur zusammen? Oftmals ist SEO in der Marketingabteilung untergebracht. Wenn ihr nur Content oder Links aufbauen wollt, ist das sinnvoll. Bei größeren Seiten ist es wichtig, den SEO-Verantwortlichen direkt mit dem Projektmanagement-Team oder dem IT-Team zu verbinden, um die Maßnahmen effektiv umzusetzen.
  • Wie sieht die Auslastung aus, und wie viele Stunden habt ihr für SEO-Aufgaben veranschlagt? Habt ihr genug Arbeit oder vielleicht sogar zu viel Arbeit? Wenn ihr das meiste selbst macht und nur ab und zu Beratung braucht, kann eine Agentur effektiver sein.
  • Habt ihr eine SEO-Strategie und einen Plan? Meistens wohl nicht, sonst wärt ihr nicht auf der Suche nach Hilfe. Eine SEO-Strategie ist die Voraussetzung für eine erfolgreiche SEO-Arbeit. Eine gute Agentur wird diese immer mitliefern (solange ihr dafür bezahlt). Ein „junioriger“ SEO kann das oftmals nicht leisten.

Im Anschluss nenne ich noch ein paar zentrale Merkmale einer professionellen Agentur, damit ihr wisst, worauf ihr bei eurer Entscheidung achten solltet:

  • Wer ist der Gründer, und wie ist die Geschichte der Agentur? Immerhin solltet ihr wissen, welche Erfahrungen die wichtigste Person in der Agentur hat.
  • Kennt ihr jemanden, der mit dieser SEO-Agentur zusammengearbeitet hat? Holt euch eine andere Meinung ein.
  • Wie professionell ist die Website der Agentur, und welche Dienstleistungen bietet sie an? Die Agentur kümmert sich schließlich um eure Website und sollte daher den eigenen Auftritt bestens umgesetzt haben.
  • Welche Versprechen macht euch die Agentur? Wenn es zum Beispiel ein konkretes Ranking auf bestimmte Keywords ist, so ist das oft kein gutes Zeichen. Denn dann versucht sich die Agentur primär in Wunscherfüllung, statt eine realistische Analyse zur Grundlage ihrer Arbeit zu machen.
  • Beantwortet das SEO-Audit der Agentur eure Fragen, erklärt es ausführlich die Strategie und geht auf eure Ziele ein? Hat das Audit eine Priorisierung und eine Roadmap? Der Weg und das SEO-Audit zeigen euch, wie professionell die Agentur vorgeht.
  • Wer ist euer Ansprechpartner in der Agentur, und wie sieht die Zusammenarbeit konkret aus? Wenn ihr mehr als ein Audit wollt, ist das ein wichtiger Punkt. Daher fragt hier ganz gezielt nach.

Ein Fragenkatalog an einen Inhouse-SEO würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen bzw. den Kurs dieses Beitrags zu sehr in Richtung Human Resources lenken. Dies ist hier nicht unser Thema. Da ihr aber einen oder mehrere neue Mitarbeiter an Bord holt und neben den fachlichen Kompetenzen auch die menschliche Komponente im Blick behalten müsst, solltet ihr das Bewerbungsgespräch gut vorbereiten und speziell auf das Thema Inhouse-SEO ausrichten. Dabei kann euch beispielsweise die Fragenliste von Christian Paavo Spieker helfen.

SEO-Agentur und Inhouse-SEO im Vergleich

Nachdem ihr nun einen Überblick darüber habt, auf welche Aspekte ihr bei der Entscheidung zwischen einer SEO-Agentur und einem Inhouse-SEO achten solltet, gehe ich auf die Vor- und Nachteile der beiden Lösungen ein.

Die Vorteile einer SEO-Agentur

Eine SEO-Agentur bündelt Know-how. In der Regel arbeiten dort gleich mehrere SEO-Berater, die sich untereinander austauschen und ihr Wissen transferieren. Dieser Synergieeffekt ist umso größer und vorteilhafter für Kunden, an je mehr Cases auf unterschiedlichen Websites die Berater im Laufe der Zeit mitgewirkt haben.

Das Zeitbudget einer SEO-Agentur ist verhandelbar. Bei den meisten Agenturen muss zunächst eine Mindestanzahl an Personentagen gebucht werden. Die darüber hinausgehenden Stunden und Tage lassen sich dann bedarfsgerecht dem jeweiligen Fall anpassen. Von einem einmaligen Audit bis zur Dauerbetreuung ist alles möglich.

Agenturen arbeiten oftmals für viele unterschiedliche Kunden, und dadurch kennen sie sich in den verschiedensten Nischen gut aus. Sie verstehen die Zwänge diverser Seitentypen, zum Beispiel bei E-Commerce-Seiten, Publishern oder Content-Portalen.

SEO-Agenturen arbeiten mit mehreren SEO-Tools und wissen diese in der Praxis anzuwenden. Dadurch können sie weitreichende und differenzierte Analysen vornehmen und Dinge aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten.

Die Nachteile einer SEO-Agentur

Eine Agentur hat meist viele Kunden – es dreht sich also nicht alles nur um euch. Die nötige Aufmerksamkeit müsst ihr euch daher erkaufen, und das kostet Geld. Danach liegt der Schlüssel zum Erfolg in effektiver Kommunikation und klar definierten Projekten.

Agenturen verfügen bei Neukunden über keinerlei tiefes Produktwissen. Umso wichtiger ist es, ihnen möglichst viel Wissen über euer Unternehmen und eure Produkte zu vermitteln und Schnittstellen zu wichtigen Abteilungen zu schaffen. Etwa die Text-Erstellung oder die Zusammenarbeit mit der IT betreffend. Euer Inhouse-Wissen ist die Basis für eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Ihr solltet dieses also nicht unterschätzen!

Bei der Zusammenarbeit mit mehreren Agenturen können euch eure mangelnden Fachkenntnisse die Entscheidungsfindung erschweren. Ein Beispiel: Viele Mittelständler haben nicht die Mittel, eine eigene IT-Abteilung aufzubauen, und wenn das Unternehmen online gehen möchte, muss eine IT-Agentur beauftragt werden. Trifft diese dann auf die ebenfalls beauftragte SEO-Agentur, kann es zu fachlichen Differenzen und einander widersprechenden Empfehlungen kommen. Wie wollt ihr da beurteilen, wer recht hat?

Es gibt SEO-Agenturen wie Sand am Meer – und darunter leider nicht wenige schwarze Schafe. Die passende Agentur zu finden, ist aus diesem Grund nicht einfach. Schließlich habt ihr von SEO nicht sonderlich viel Ahnung. Sonst bräuchtet ihr ja auch keine Hilfe. In diesem Fall empfiehlt es sich, einen übergeordneten Berater hinzuzuschalten, um die Spreu vom Weizen zu trennen. Was dann wiederum neue Kosten bedeutet.

Die Vorteile eines Inhouse-SEOs

Ein (guter) Inhouse-SEO ist entsprechend motiviert. Er betrachtet eure Website als sein Projekt und wird hart an der Verbesserung arbeiten. Warum? Weil der Erfolg eurer Website sein aktuelles Aushängeschild in der SEO-Community ist und seinen beruflichen Werdegang aufwertet.

Der Inhouse-SEO ist euer Angestellter. Da ihr weisungsbefugt seid, könnt ihr seine gesamte Arbeitszeit für die anfallenden SEO-Aufgaben einplanen. Soviel Fokus auf das Wesentliche ist mit einer Agentur in der Regel nicht möglich.

Der Inhouse-SEO ist Teil eures Unternehmens. Dadurch kennt er euer Produkt, eure Zielgruppe und alle wichtigen KPIs besser als externe Berater.

Idealerweise ist der SEO-Mitarbeiter im Unternehmen bestens vernetzt und hat direkten Kontakt zu seinen Kollegen. Er nimmt an Marketingmeetings teil und sollte auch zu IT-Sprints eingeladen werden. Somit kann er schnell Probleme identifizieren und diese auf dem kurzen Dienstweg ansprechen und lösen. Bringt euren Inhouse- EO also mit den Entwicklern und Produkt-Teams zusammen! Denn erfolgreiche SEO-Arbeit ist Teamsport.

Die Nachteile eines Inhouse-SEOs

Mit einem festangestellten Inhouse-SEO macht ihr euch „auf Dauer“ von einer einzigen Person abhängig (bzw. einem Team). Wenn der neue Mitarbeiter jedoch eine falsche oder schlechte SEO-Strategie wählt, wirkt sich das negativ auf eure Rankings aus, und ihr verliert Zeit und womöglich Geld. Unter Umständen ließe sich im Falle der Zusammenarbeit mit einer Agentur (bzw. dem Austausch derselben bei Misserfolg) etwas schneller gegensteuern.

Nach einigen Jahren setzt bei vielen Mitarbeitern Betriebsblindheit ein. Und das ist schlecht. Denn auch der Inhouse-SEO hat dann nicht mehr den hundertprozentigen Blick für neue Chancen und Risiken – und selbst neu auftauchende Probleme werden nicht mehr rechtzeitig oder in ausreichendem Maße erkannt. Eingeschliffene Prozesse und Routinen verbauen zudem den Weg zu kreativen Lösungsansätzen.

Problematisch wird es, wenn sich der Inhouse-SEO nur unzureichend weiterbildet bzw. weiterbilden kann. Denn ist er ausschließlich mit der eigenen Website beschäftigt, hat er nur mit bestimmten, teils wiederkehrenden Problemen zu tun und bekommt einen Tunnelblick. Neue Phänomene im SEO-Umfeld kriegt er allenfalls am Rande mit. Es sei denn, er bildet sich in seiner Freizeit weiter – was ihr aber nicht von ihm einfordern könnt. Um dem entgegenzuwirken, bieten sich gezielte Weiterbildungen an. Scheut ihr jedoch vor den damit verbundenen Kosten zurück, sind SEO-Stolperfallen vorprogrammiert.

Dem Inhouse-SEO steht ein bestimmtes Zeitkontingent zur Verfügung, um seine Arbeit zu machen. Bei einem Vollzeitvertrag sind das bis zu 40 Stunden in der Woche. Für große Seiten könnte diese Zeit nicht ausreichend sein, falls der Inhouse-SEO auch noch das Linkbuilding oder die Content- und Landingpage-Erstellung überwachen muss. Dann leidet zwangsläufig die Qualität der Arbeit darunter, zumal nicht ständig Überstunden gemacht werden können. Bei kleineren Seiten verkehrt sich das Problem: Als Vollzeitmitarbeiter ist der Inhouse-SEO unter Umständen nicht ausgelastet, wodurch unter dem Strich Geld verbrannt wird.

SEO-Agentur vs. Inhouse-SEO: Kosten

Das Gehalt eines Inhouse-SEOs hängt stark von den finanziellen Möglichkeiten des Unternehmens sowie der Erfahrung und dem Marktwert des neuen Wunschmitarbeiters ab. Für gewöhnlich könnt ihr von einem Monatsbruttogehalt zwischen 3.500 und 5.000 Euro ausgehen.

Billiglohnpolitik ist hierbei keine Option, wenn ihr gute Leute einstellen wollt. Die SEO-Nische ist ein Angebotsmarkt, und jeder gute SEO-Manager mit Erfahrung kennt seinen Preis.

Zu den Personalkosten gesellen sich „versteckte Kosten“ für Content, SEO-Tools und Linkakquise. Auch die Transformationskosten für eure IT-Abteilung sind zu berücksichtigen. Denn klar ist: SEO-Maßnahmen verschlingen viele IT-Ressourcen. Wenn euch diese nicht zur Verfügung stehen oder ihr die Kosten nicht aufbringen möchtet oder könnt, bietet Google eine Alternative: Google Adwords.

Nun zu den Preisen einer SEO-Agentur: Der Preis wird in diesem Fall entweder durch die Leistung für ein bestimmten Projekt (z. B. SEO-Audit, Relaunch-Betreuung, Keyword-Analyse) oder aber durch die gebuchten Personentage bestimmt.

Die Kosten hängen also von der angeforderten Leistung ab. Für ein SEO-Audit etwa veranschlagen seriöse Agenturen zwischen 4.000 und 7.500 Euro. Und ein Personentag kostet je nach Agentur 900 bis 1.500 Euro.

Diese Preise haben selbstverständlich ihre Berechtigung, da Agenturen gleichermaßen wirtschaften müssen. Setzt sie einfach mal in Relation zu anderen Kosten, beispielsweise zum Marketing via Paid Media oder TV, und beschäftigt euch mit der Contribution Margin von SEO-Kanälen. Dann seht ihr schnell, dass SEO auch in wirtschaftlicher Hinsicht sinnvoll ist.

Zwei empfehlenswerte Podcasts zum Thema

Fazit

Es kommt also stets auf euer Budget und die konkrete Situation an. Wenn euer Unternehmen „von SEO lebt“, braucht ihr ein starkes Inhouse-SEO-Team, während eine Agentur lediglich zwecks “Blick von außen” herangezogen wird.

Habt ihr hingegen ein kleines Projekt oder plant einen größeren Umzug, kann euch eine Agentur durch ihre Erfahrung helfen. Zudem sind Agenturen für mittlere Unternehmen mit nur einem Inhouse-SEO unabdingbare Sparringspartner, da bei Einzelkämpfern sonst schnell Betriebsblindheit droht.

Als ehemaliger Inhouse-SEO, der heute in einer Agentur arbeitet, bevorzuge ich übrigens eine Mischlösung, weil sich dabei die jeweiligen Vorteile ergänzen:

  • Der Inhouse-SEO kann sich mit erfahrenen Kollegen austauschen und hat einen erweiterten Zugriff auf Tools. Außerdem sehen vier Augen mehr als zwei.
  • Die Agentur hat einen professionellen Ansprechpartner im Unternehmen, und beide verfolgen dasselbe Ziel: den SEO-Erfolg eures Unternehmens.
  • Beide Seiten können sich fachlich auf Augenhöhe abstimmen, wie andere Abteilungen überzeugt werden müssen, um die SEO-Anforderungen umzusetzen.


Und da wir gerade beim Thema sind: Vielleicht interessiert euch ja auch unsere jüngste GrowthUp-ExpertInnenrunde zur immer wichtigeren Frage nach „Kreativität in der SEO“ ?

Über den Autor

Patrick Deinzer

Redakteur
Nach meinem Studium der Geschichte war ich als In-House SEO bei BOOK A Tiger und anschließend bei Contorion tätig. In beiden Stationen habe ich verschiedene Bereiche der SEO-Landschaft kennengelernt. Nun berate ich die Kunden der Agentur LEAP/ als SEO Consultant und verbessere ihren organischen Traffic.