Internationale SEO mit Content – übersetzen, umformulieren oder neu schreiben?

Das erwartet euch in diesem Beitrag

  • Was ist „Internationale SEO“ und für wen ist sie wichtig?
  • Was müsst ihr tun, damit euer Content international wird?
  • Worauf ist bei Keywords und anderen Begriffen zu achten?

Eines vorweg: Internationale SEO gibt es bei Content im Grunde genommen nicht. Denn eigentlich gibt es nur Inhalte, die für einen spezifischen lokalen Kontext optimiert sind. Dabei können innerhalb eines Landes verschiedene Sprachen relevant sein (z. B. Deutsch, Französisch und Italienisch in der Schweiz) oder eine Sprache grenzübergreifend bedeutsam sein (z. B. Deutsch in Deutschland, Österreich und der Schweiz). Kurz: Wenn ihr international aktiv werdet, müsst ihr lokal denken und euch mit den länderspezifischen regionalen Gegebenheiten auseinandersetzen, wobei auch Local SEO eine Rolle spielt.

Interntionale bzw. International SEO bezeichnet die Optimierung einer Webpräsenz für verschiedene Länder und Zielgruppen. Um international Sichtbarkeit und Traffic zu erlangen, benötigt ihr eine mehrsprachige Website, die sich an die Bedürfnisse des jeweiligen Marktes anpasst.

International SEO ist für alle wichtig, die ihr Business ausweiten, Umsatz steigern und einen spezifischen Wettbewerbsvorteil erzielen wollen. Sei es mit einem Online-Shop, einer Dienstleistung oder einer informationellen Seite.

Welche technischen Voraussetzungen sind zu erfüllen?

Die wichtigste technische Voraussetzung für internationale Website-Inhalte ist das hreflang-Attribut. Es zeigt Suchmaschinen, für welches Land eine Website optimiert wurde, und spielt Usern dann die richtige Sprachversion aus.

Vor allem für Seiten für unterschiedliche Märkte, die über gleichsprachige Inhalte verfügen (wie die DACH-Region), ist hreflang unerlässlich, um Duplicate Content und Rankingverluste zu vermeiden. Mehr dazu in unserem Beitrag „hreflang: Das 1×1 für internationale Suchmaschinenoptimierung“.

Weitere technische Voraussetzungen sind zum Beispiel Domain-Strategie (Subdomain, Unterverzeichnis, TLD), GEO IP Redirect, Hosting und Serverstandort. Da es in diesem Beitrag jedoch ausschließlich um den Content der Website geht, werden sie an dieser Stelle nicht weiter diskutiert.

Was müsst ihr tun, damit euer Content international wird?

Content übersetzen oder neu schreiben? Das ist hier die Frage. Daher schaut euch zuerst eure Inhalte an. Ist es sinnvoll, diese zu übersetzen? Behalten sie in anderen Ländern ihre Relevanz? So ist es beispielsweise nicht zielführend, einen Guide für den perfekten Winterparka für Länder zu übersetzen, in denen wetterbedingt kaum Winterparkas gekauft werden.

Wenn ihr Content übersetzt, solltet ihr unbedingt mit Muttersprachlern zusammenarbeiten. Sie kennen die Zielsprache am besten und achten auf sprachliche Besonderheiten (wie Redewendungen, Sprachstil, Maßeinheiten, Währungen und andere formale Aspekte). Kurzum, sie können den Content lokalisieren. Eine Übersetzungsmaschine kann das nicht.

Tipp: Wenn ihr nur mal etwas nachschlagen wollt, dann eignet sich das Übersetzungsprogramm Deepl sehr gut.

Bei Übersetzungen, aber auch wenn ihr länderspezifisch neue Inhalte benötigt, bieten sich euch verschiedene Möglichkeiten:

  • Ihr könnt das Ganze Inhouse machen.
  • Ihr beauftragt eine Content-Agentur.
  • Ihr arbeitet mit freien Textern zusammen.

Bei der Inhouse-Lösung reicht es meist nicht, einfach nur Online-Redakteure einzustellen. Es sollte auch mindestens eine Person geben, die sich mit dem Content-Management befasst. Das heißt, dass sie sich um die gesamte Planung inkl. Guidelines, Themenfindung, Freigaben und Abstimmung mit anderen Abteilungen kümmert. Mindestens zwei Mitarbeiter sollten eingeplant werden, wenn ihr euch für die betriebsinterne Variante entscheidet. Der Vorteil: die Nähe zum Unternehmen und der direkte interne Austausch.

Lokalisierte Inhalte: Zusammenarbeit mit einer Content-Agentur?

Entscheidet ihr euch für eine Übersetzungsagentur, habt ihr zunächst die Qual der Wahl. Welche der vielen Agenturen passt am besten? Ihr solltet daher unbedingt mehrere Angebote einholen und diese vergleichen. Stellt bei der Entscheidung folgende Fragen:

  • Kennt sich die Agentur mit suchmaschinenoptimierten Texten aus? (Beispiel: Ist ihr bekannt, was HTML, Meta-Description, Title-Tag & Co. sind und liefert sie dies alles mit?)
  • Wie läuft der Workflow ab?
  • Wechseln die Texter oder gibt es feste Ansprechpartner?
  • Sind die Texter Muttersprachler?
  • Wie werden Texte übersetzt: maschinell oder individuell?
  • Wie schnell können Texte geliefert werden?
  • Ist die Agentur groß genug, um das gewünschte Textvolumen zu stemmen?
  • Werden Texte im gewünschten Format geliefert?
  • Stimmt das Angebot mit dem überein, was euer Budget zulässt?

Gebt zunächst kleineTextproben in Auftrag, um auf diese Basis besser entscheiden zu können, ob es passt. Und nicht zuletzt bestimmt natürlich auch das Bauchgefühl, ob eine Zusammenarbeit zustande kommt.

Beauftragt ihr eine Agentur, solltet ihr genau wissen, welche Erwartungen ihr an die Texte habt. Dazu verfasst ihr Briefings, in denen ihr so genau wie möglich formuliert, was die Texte beinhalten sollen. Führt vorher eine Keywordrecherche und eine Analyse der Konkurrenz durch. Dazu gleich mehr.

Und noch ein Tipp: Legt vertraglich fest, wie viele Korrekturschleifen im Preis inbegriffen sind. Somit erspart ihr euch unschöne Überraschungen.

Für die Zusammenarbeit mit freien Textern trifft vieles davon ebenfalls zu. Hinzu kommt, dass mit freien Textern meist ein sehr flexibles und auch kurzfristiges Arbeiten möglich ist. Während Abstimmungsprozesse anfangs gegebenenfalls noch etwas aufwändiger sind, kann sich daraus jedoch langfristig eine gut eingespielte Zusammenarbeit entwickeln, von der alle profitieren.

Es gibt viele Plattformen, über die ihr freiberufliche Texter finden könnt. Dazu gehören zum Beispiel www.texterverband.de oder www.dasauge.de.

Was muss alles übersetzt werden?

Wenn ihr Content übersetzt, solltet ihr unbedingt auf Vollständigkeit achten. Das heißt: Alles muss in die neue Sprache übertragen werden. Zudem sollten nicht hier und dort noch andere Wörter vorkommen.

Hier eine kleine Checkliste, was neben dem Fließtext noch alles übersetzt werden muss:

  • Page Titel
  • Meta-Description
  • H1-Überschrift und alle weiteren Zwischenüberschriften
  • Bild-URLs
  • Alt-Attribute
  • Bildunterschriften
  • Verlinkte URLs
  • Title-Tags in Links
  • Infos in den Markups

Ranken die Keywords? Was macht die Konkurrenz?

Einfach übersetzen reicht oft nicht. Ihr müsst auch checken, ob die Begriffe im jeweiligen Sprachkontext über Suchvolumen verfügen. Führt dazu eine separate Keywordanalyse durch. Schaut außerdem, wer eure Konkurrenten in den jeweiligen Ländern sind und was sie gut machen. In manchen Fällen werdet ihr nicht umhinkommen, Textstellen und Keywords umzuformulieren, damit sie im jeweiligen Zielmarkt einen Sinn ergeben.

Beachtet: Auch innerhalb der gleichen Sprache gibt es je nach Land Besonderheiten und Unterschiede. So unterscheidet sich etwa die deutsche Sprache in Deutschland in vielen Punkten vom Schweizerdeutsch und Deutsch in Österreich. Ebenso ist es mit dem Spanischen in Spanien und Südamerika. Hier wie dort werden teils völlig andere Begriffe für ein und dieselben Dinge verwendet.

In Österreich ist die Aubergine eine Melanzani.

Snippet zu Umzugstipps

Im Schweizerdeutsch sagt man „zügeln“ statt „umziehen“.

Von Google werden Synonyme meist recht gut verstanden und Seiten trotzdem angezeigt. Hier solltet ihr euch dennoch zugunsten des Vertrauensaufbaus mit eurer Zielgruppe mit regionalen Sprachunterschieden vertraut machen.

Einen größeren Unterschied gibt es zwischen UK und USA: Eine Website, die in Großbritannien ranken soll, sollte daher weniger Begriffe aus dem amerikanischen Englisch verwenden. Die Grafik zeigt das anhand des amerikanischen Begriffs „Sweater“, der im britischen English ein „Jumper“ ist.

Suchbegriff Jumper in UK

Im Vereinigten Königreich wird Jumper gesucht, Quelle: Google Trends.

Suchbegriff Sweater in USA

In den Vereinigten Staaten wird Sweater gesucht, Quelle: Google Trends.

Weitere Begriffe, die im britischen und amerikanischen Englisch unterschiedlich sind, findet ihr zum Beispiel in dieser Liste.

Ähnlich große Unterschiede könnt ihr für Spanien und Lateinamerika feststellen. Während in Spanien nach „Ordenador“ (Computer) gesucht wird, heißt es in Ecuador „Computadora“. Wobei natürlich auch weitere Begriffsvarianten innerhalb Südamerikas vorkommen können.

Ordenador in Spanien

In Spanien wird Ordenador gesucht, Quelle: Google Trends

Computadora in Ecuador

In Ecuador wird Computadora gesucht, Quelle: Google Trends

Die Beispiele zeigen, dass eine separate Keywordanalyse sehr wichtig ist und jeder internationalen Content-Planung vorausgehen sollte. Auch länderspezifische saisonale Unterschiede wie Feiertage und Jahreszeiten machen es erforderlich, Inhalte neu zu erstellen.

Screenshot Guide für Trachtenmode

Trachtenguide unter https://www.alpenclassics.de/trachten-guide/das-dirndl.html

Würdet ihr diesen Content für den spanischen oder britischen Markt übersetzen? Sinn würde es wahrscheinlich nur machen, wenn ihr die Herkunft eures Unternehmens mit vermarkten wollt und/oder euer Business auf Dirndl spezialisiert ist.

Wer verlinkt auf meine Website?

Klar ist: Wenn ihr eine Seite für Frankreich bereitstellt, benötigt ihr auch Links von anderen renommierten französischen Seiten, damit euer Content rankt. Verlinkungen von Seiten in gleicher Sprache helfen dem Crawler dabei, die Seite besser zu lokalisieren.

Da es nicht so einfach ist, passende Seiten zu finden, wenn man die Sprache nicht beherrscht, sollte ihr auch hier mit Muttersprachlern oder Länderexperten zusammenarbeiten. Sie können sich um wertvolle Backlinks kümmern und am besten einschätzen, welche Seiten relevant sind.

Mehr zur weiterhin großen Bedeutung von Backlinks erfahrt ihr in unserem Beitrag „Warum auch 2020 nichts ohne Backlinks geht“.

International SEO mit Erfolg: Was ist noch zu beachten?

Wenn ihr immer wieder guten Content auf eurer Seite bereitstellt, werden eure Leserinnen und Leser diese auch gerne über Social Media wie LinkedIn, Twitter oder Facebook teilen. Beachtet daher, auch eure Open Graph Tags in die jeweilige Sprache zu übersetzen.

Hinzu kommt: Wenn eure Zielgruppe größer und internationaler wird, gibt es bei Facebook die Möglichkeit, eine globale Seite anzulegen. Auf diese Weise spart ihr euch die Verwaltung vieler Länderseiten. Die lokale Ansprache stellt ihr mithilfe des richtigen Targetings sicher. Für diese Funktion müsst ihr Facebook direkt kontaktieren.

Beachtet bei der internationalen Optimierung außerdem die Anforderungen, die alternative Suchmaschinen zu Google an guten Content stellen. Wenn ihr beispielsweise in die USA expandiert, ist es durchaus sinnvoll, sich die Suchmaschine Bing mal näher anzuschauen.

In unserer Serie über alternative Traffic-Quellen haben wir für euch zusammengetragen, was es bei Bing & Co. zu beachten gibt.

Fazit

Mit der eigenen Website in andere Ländern zu gehen, ist ein aufwendiger Prozess, der gut geplant und sorgfältig umgesetzt werden will. Das Thema Content ist dabei nur ein Aspekt unter vielen in der internationalen SEO. Wichtig ist hier jedoch, dass sich Muttersprachler um eure Inhalte kümmern – egal ob diese nun übersetzt oder ganz neu getextet werden. Nur dann gelingt die sprachliche Anpassung an die Zielmärkte.

Wenn ihr bei der Internationalisierung erfolgreich sein wollt, ist es empfehlenswert, mit einer professionellen SEO-Agentur zusammenzuarbeiten.

Zum Thema: In unserem Beitrag „SEO-Agentur oder Inhouse-SEO: Mit welcher Lösung fahren Unternehmen besser?“ diskutieren wir weitere Aspekte, die euch bei der Entscheidungsfindung helfen.

Über den Autor

Wiebke Unger

Redakteurin
Seit Februar 2019 bin ich bei LEAP/ im SEO-Consulting Team tätig. Nach meinem geistes- und medienwissenschaftlichen Studium habe ich zunächst 3 Jahre in der Presse- und Öffentlichkeit gearbeitet. Jetzt wende ich mein Wissen in der Suchmaschinenoptimierung und im Online-Marketing an.