Ist die Corona-Krise eine (digitale) Chance für Unternehmen? – notabene!

notabene! ist die Marketing-Kolumne von GrowthUp-Chefredakteur Andreas Quinkert. Einmal im Monat schreibt er an dieser Stelle darüber, was ihn in der Welt der Corporate Communication gerade begeistert, bewegt oder aufregt. Ganz subjektiv und gerne auch mit klarer Kante.

Während ich das hier schreibe, sitze ich in Jogginghose und Hoodie zu Hause an meinem PC und schmauche hin und wieder eine Selbstgedrehte. Für mich als Freelancer-Dino mit jeder Menge Homeoffice-Erfahrung hat sich durch die Corona-Krise also nichts geändert. Zumindest nicht an meiner Arbeitsweise.

Ich mag es eher ungezwungen und bequem, und ich erledige meine täglichen Tasks auch nicht strikt nach Zeitplan bzw. in festgelegter Reihenfolge. Sondern ich priorisiere alles in Abhängigkeit von meiner jeweiligen Tageszeitform – sofern es etwaige Deadlines und die angeflanschten Workflows anderer zulassen, versteht sich. Und wenn ich zwischendurch eine Auszeit brauche, hau ich mich eine halbe Stunde hin oder schwing mich aufs Hollandrad, um ein bisschen am Rhein rumzukurven.

Für mich klappt das seit nunmehr 18 Jahren ziemlich prima.

Andere Freelancer oder Festangestellte hingegen brauchen im Homeoffice feste Strukturen und einen klar definierten Arbeits- und Tagesrhythmus. Wie vor Ort im Unternehmen. Okay, in den meisten Unternehmen … Schon allzu lockere Kleidung löst bei ihnen den ganz persönlichen Schlendrian-Alarm aus. Was völlig okay ist. Denn hier wie dort sollte gelten: Jeder nach seiner Fasson. Hauptsache man bekommt seinen Job auch in den eigenen vier Wänden auf die Kette. Doch vor allem Homeoffice-Newbies dürften damit anfangs ein paar Schwierigkeiten haben. Bei ihnen muss sich einiges erst noch einruckeln. Ist jetzt halt so.

Um all das geht es mir aber nur am Rande.

Über Chancen und Euros fürs Phrasenschwein

Worauf ich eigentlich hinauswill: Die Corona-Krise ist ohne jeden Zweifel eine immense Herausforderung für Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. Und nicht zuletzt für Medizin und Gesundheitswesen. Sie zwingt jeden Einzelnen von uns zu krassen Anpassungen und erfordert in vielen Bereichen ein mehr oder minder radikales Umdenken und Umlenken. Dass das nicht immer und überall reibungslos vonstattengeht, liegt in der Natur der Sache. Dafür hat uns das Ganze alles in allem zu sehr auf dem falschen Fuß erwischt.

Zugleich ist es aber auch eine Chance für Unternehmen.

Nun, damit habe ich mir soeben mindestens sieben Fünf-Euro-Einwürfe ins Phrasenschwein eingehandelt. Zumal auch der finale Gedanke „Krise als Chance“ nicht sonderlich originell ist. Dennoch ist in diesem Fall tatsächlich mal was dran, wie ich finde. Schließlich offenbart sich in Zeiten von Corona & Kontaktsperre, wie gut deutsche Unternehmen digital aufgestellt sind. Also wie gut sie das Gros ihrer Geschäftsprozesse digital abbilden und zwischen Online und Offline hin und her switchen können. Oder aber schnell nachzubessern vermögen. Man denke etwa an den stationären Händler vor Ort, der seine PS nun auch im Internet auf die Straße bringt – und somit seine Überlebenschance erhöht.

Klar ist jedenfalls: Die Digitalisierung war schon lange vor der Corona-Krise ein drängendes Thema und speziell in Deutschland ein echter Pain Point. Um nicht „pain in the arse“ zu sagen. Und jetzt zeigt sich nun einmal umso mehr, wer seine Hausaufgaben gemacht hat. Und wer nicht. Die Bundesregierung eingeschlossen.

Corona betrifft auch die Marketingbranche

Ebenso klar ist, dass die Corona-Krise nicht für jedes Unternehmen (neue) Chancen birgt. So zynisch das je nach Lesart auch klingen mag. Vielmehr werden nicht wenige vor die Hunde gehen – auch weil sich nicht alle Dienstleistungen digital darstellen lassen. Gut also, dass das Kabinett ein milliardenschweres Hilfspaket auf den Weg zu bringen gedenkt.

Gleichwohl werden es viele nicht schaffen. Was bitter ist. Die langfristigen wirtschaftlichen Folgen sind zurzeit kaum abzusehen.

Die Marketingbranche bildet da keine Ausnahme. Zwar steht diese durch ihre Online-Affinität etwas besser da als andere Branchen. Aber alleine schon der Kill-off von Konferenzen, Messen und Barcamps, also einigen der zentralen Hotspots zur Auftragsanbahnung, ist insbesondere für Digitalagenturen ein Schlag ins Kontor.

Indes, ein Hoffnungsschimmer ist, dass manche Marketing-Akteure wenigstens einen Teil ihres Portfolios auf Online-Lösungen umstellen konnten. Webinare & Co. sind auf dem Vormarsch. Und auch Konferenzen werden nun zunächst einmal ins rein Digitale verlagert. Sofern es die Netzinfrastruktur zulässt, klar … Aber blenden wir das jetzt einfach mal aus. So schwer es auch fällt.

Jetzt aufwachen, umdenken und umlenken!

Was also tun? Im Grunde ist bereits alles gesagt: Zögerliche Unternehmen sollten spätestens jetzt aufwachen, umdenken und umlenken und sich digital einruckeln. Für den Fall der Fälle … und überhaupt. So wie es die Marketingbranche vorlebt. Denn in Zukunft dürfte es immer forscher in Richtung Online-Business gehen, wobei uns die Corona-Krise letztlich nur vor Augen führt, was in Deutschland noch so alles im Argen liegt. Aus unternehmerischer Sicht, wohlgemerkt. Nur darum geht es mir hier. Die menschliche Tragödie klammere ich an dieser Stelle aus – ohne sie zu missachten. Man kann nicht immer alles in einem Rutsch abhandeln.

Konkret heißt das: Sofern Unternehmen trotz aller aktuellen Unbilden noch genug Handlungsspielraum haben, sollten sie alles daransetzen, gestärkt aus der Krise hervorzugehen. Und ZACK … noch ein Fünfer ins Phrasenschwein.

Aber im Ernst: Jetzt ist die richtige Zeit hinzulernen und die vorhandenen Kapazitäten darauf zu verwenden, die eigene Zukunft zu gestalten. Digital nachzujustieren und sich beispielsweise Gedanken über Dinge wie User Experience, Conversion Rate und Brand Awareness zu machen. In seinem Beitrag “So verbessert ihr auch in Krisenzeiten die Performance eurer Websites und Onlineshops” beschreibt unser Autor Fabian Hans, wie das im Einzelnen aussehen könnte.

Hiermit haben wir bei GrowthUp schon vor Corona begonnen, und aktuell konzentrieren wir uns darauf, die Marke LEAP/ noch besser mit unserem Corporate Magazine zu harmonisieren. Weil vielen der Zusammenhang bislang nicht ganz klar ist. Dazu haben wir kurzfristig die Kapazitäten umverteilt, um verstärkt an den wichtigsten Stellschrauben zu drehen. Es ist ein Schritt vorwärts.

Andere Unternehmen können das auch. Und bestimmt noch einiges mehr. Sie müssen es nur wollen und sich an die Situation anpassen. Selbst wenn ihre Mitarbeiter derzeit überwiegend via Homeoffice arbeiten und manches noch nicht wirklich optimopti läuft. Die Zeit drängt, und entscheidend vorwärts kommt man auch (und gerade) in einer Jogginghose.

Über den Autor

Andreas Quinkert

Chefredakteur
Ich komme aus den klassischen PR und dem Journalismus und bin mittlerweile auf Content-Marketing spezialisiert. Von 2016 bis 2018 war ich Chefredakteur bei Zielbar. Kernkompetenzen: Redaktionsmanagement, Qualitätssicherung und Content-Produktion. Seit Mai 2019 verantworte ich an der Seite von Oliver Engelbrecht die Chefredaktion bei GrowthUp.