OMKB Recap

Das erwartet euch in diesem Beitrag

  • Was haben wir auf der OMKB gelernt?
  • Wer waren die spannendsten Speaker?
  • Wie war die Organisation?

Am letzten Freitag fand mal wieder die OMKB in Bielefeld statt…

Nachdem ihr jetzt alle über euren liebsten Bieledeld-Witz nachgedacht habt, kommen wir direkt zum Thema. Unsere Reisegruppe war mit mehreren Leuten vor Ort, sodass wir uns richtig viele Vorträge anschauen konnten. Vor Ort waren Melanie Krause (mk), Marc Mielke (mm) und meine Wenigkeit (oe), die euch im Folgenden an ihren Lernings teilhaben lassen.

Philipp Klöckner: Entgegen der Schwarmintelligenz – Ein Dutzend konträre Thesen für digitales Marketing

[oe] Philipp ist der Meinung, dass man nur dann eine Chance gegen die Großen hat, wenn man die Dinge anders angeht. Entsprechend ging es in seiner Keynote darum, das konventionelle Denken zu hinterfragen.

So findet er es zum Beispiel schade, dass der Einsatz von KI die Unterschiede zwischen Nutzern verschwimmen lassen wird – denn durch ddie automatischen Vorschläge „tragen wir auch alle dieselben Unterhosen“. Außerdem glaubt er, dass die verlieren werden, die nur gutes SEO machen. Ohne eine gute Nutzererfahrung wird man es wohl bald nicht mehr ganz nach oben schaffen (und das deckt sich ja auch mit den Erkenntnissen aus dem letzten Google-Update).

Auch darüber hinaus waren in der Keynote viele kontroverse Themen, vom Fachkräftemangel bis zum bedingungslosen Grundeinkommen, vertreten. Ein toller Start in den Tag, der zum Nachdenken anregt.

Foto: OMKB 2019

Abb. 1: Warum das BGE vielleicht doch keine so gute Idee ist (© Philipp Klöckner).

Christian Otto Kelm: Markenführung auf Amazon

[oe] Amazon sind einzelne Marken total egal. Doch was passiert, wenn man eine Marke ist, die als Synonym für ihr Produkt steht? Dann suchen die Nutzer nach Tupperware, Zewa oder Tempo – und man wird besser gefunden.

Doch um dort hinzukommen, müssen erst einmal die Basics stimmen. Kein Mensch sucht nach einem Bügeltisch – also wird etwas, das so heißt, bei der Suche nach einem Bügelbrett auch nicht angezeigt. So verschenkt man leichtfertig Traffic und damit auch potenziellen Umsatz.

Foto: OMKB 2019

Abb. 2: Wer soll danach suchen (© Christian Otto Kelm)?

Macht es den Nutzern also leicht, eure Produkte zu finden. Und wenn ihr schon eine starke Marke seid, dann füllt diese auch auf Amazon aus – sonst werden wieder einmal Potenziale verschenkt. Baut euer Portfolio richtig auf und verfolgt den Kunden dazu noch mit Amazon Retargeting.

Sehr starke Insights zu einem Thema, mit dem ich mich bislang viel zu wenig beschäftigt habe.

Björn Tantau: Facebook Reichweite: 7 wirksame Mittel gegen die organische Apokalypse

[mk] Die wohl größte Erkenntnis aus dem Vortrag von Björn Tantau war folgende: Facebook-Gruppen sind die neuen Facebook-Seiten. Wieso? Genau hier entstehen Diskussionen und der Austausch über gemeinsame Interessen. Daher entsprechen Facebook-Gruppen dem eigentlichen Grundgedanke von Social Media.

Außerdem werden Stories im Social Media-Marketing immer wichtiger. Sie werden laut Bjön Tantau das zentrale Contentformat bei Facebook verändern.

Foto: OMKB 2019

Abb. 3: Addition by Subtraction (© Björn Tantau).

Ein besonders schönes Zitat war das folgende: “Wenn du entdeckst, dass du ein totes Pferd reitest, dann steig ab.” (Alte Weisheit der Dakota-Indianer.) Soll heißen: Man muss nicht überall aktiv sein, nur dort, wo es die eigene Zielgruppe auch ist.

Knut Barth: Bin ich so gut wie ich denke? Benchmarking im Onlinemarketing

[mm] Einen der interessantesten Vorträge für ein strategisches Vorgehen präsentierte Knut Barth von BAUR. Er zeigte den Teilnehmern, wann man Zeit, Geld und Ressourcen in SEO, SEA , Social Media oder sonstige Traffic-Kanäle investieren sollte. Dabei ist er sehr analytisch vorgegangen und hat gezeigt, wie man mit verschiedenen Tools sich  selbst und den Wettbewerb analysieren kann. Prädikat sehr wertvoll!

Felix Beilharz: 15 Social Media Quick Wins

[oe] Ich freue mich immer auf die Vorträge von Felix, denn man lernt immer etwas Neues. Vor allem, was Instagram angeht, hatte er ein paar starke Tipps im Gepäck:

  • Nutzt in den Stories Texte mit Schatten oder Farbverlauf, um aufzufallen
  • Setzt mit Linktree mehrere Links in eurer Bio
  • Ändert bei Story-Ads immer wieder den ersten Frame, um sie neu und aufregend zu halten

Zudem kann es nicht schaden, einen eigenen Giphy-Account zu erstellen, um mit eigenen GIFs zu punkten.

Felix hat wie immer total mitreißend performt und zauberte mir spätestens dann ein Lächeln ins Gesicht, als er unser Quartett als gute Maßnahme für mehr Reichweite lobend erwähnte.

Foto: OMKB 2019

Abb. 4: Auf diesen Slides kann man sich sehen lassen (© Felix Beilharz).

Gianna Brachetti-Truskawa: AI vs. Human Translation: Bedeutung in der Web-Lokalisierung und Suche

[mm] In der Kernaussage ging es darum, die Texter, welche den wichtigsten Content einer Seite aufbauen, gut zu bezahlen und im internationalen Bereich auch Native Speaker einzusetzen.

Machine Learning wird zwar immer besser, jedoch wird es noch lange dauern, bis es guten, emotionalen Content automatisch erstellen kann. Gianna brachte dazu ein sehr gutes Beispiel: Im Spanischen ist die Brücke männlich, im Deutschen ist sie weiblich – und die Emotionen unterscheiden sich daher frappierend.

Stefan David: Everletter – der bessere Newsletter

[oe] Stefan zeigte uns zunächst einmal anschaulich, was Newsletter nicht sein sollten: nämlich belanglose Massenmails, die keinen wirklich weiterbringen. Besonders gut versteht man das, wenn man seine Bestellhistorie beim Konzertticket-Versand Eventim mit dem vergleicht, was Eventim ihm für die nächsten Monate empfiehlt:

Foto: OMKB 2019

Abb. 5: Ja, da wird er bestimmt zuschlagen – aber nichts kaufen (© Stefan David).

Ein Everletter hingegen besticht durch Relevanz für den einzelnen und beruht auf allem, was der Anbieter über ihn weiß. Das kann Tracking sein – es können aber auch freiwillige Angaben wie Preisalarme und ähnliches dabei helfen, den Nutzern für sie wichtige Dinge mitzuteilen. Ich denke, wir alle können uns auf Stefans Leitsatz einigen: „Hört auf, allen alles zu schicken!“

Patrick Kriebel: 7 psychologische Booster für Deine Instagram/ Facebook Ads

[mk] Patrick Kriebel hat viele neue und einige altbekannte Strategien aufgepeppt und seinen Hörern praktische Tipps und Beispiele für die Umsetzung eben dieser an die Hand gegeben.

Dabei ging es zum Beispiel um die Aufmerksamkeitsspanne eines Menschen und wie man diese als Unternehmen am besten nutzt. Außerdem ging es um nützliche Trigger und welche Effekte sie herbeiführen. Den letzten Booster “Gib dem Kunden mehr, als er erwartet” setze er auch direkt um, denn für die Zuhörer seines Vortrages gab es statt sieben gleich 16 Tipps.

Mit viel Witz und Humor sprach Patrick Kriebel über Zahlen, Menschen und Effekte. Definitiv einer der besten Vorträge für mich.

Heiko Stammel: Inhouse-SEO 2019: Warum unternehmensinterne SEOs so wichtig sind

[mm] Heiko arbeitet für den Spiegel und ist für den technischen SEO-Part zuständig. Er kennt die tollen und nicht gründlich überlegten Probleme, wenn es dann plötzlich heißt: Wir wollen in drei Wochen alle unsere URLs umstellen.  Bitte sorgt dafür, dass alles sauber implementiert wird und wir keinen Sichtbarkeitsverlust haben.

Heiko appellierte an alle Inhouse-SEOs: „Leute, zeigt einfach mal Eier“. Er erklärte, damals habe er auch keine gezeigt. Somit verloren sie ca. 30 % ihrer Sichtbarkeit. Heute passieren diese Fehler nicht mehr. Da klar kommuniziert wird, was machbar ist und was nicht und welche Strategien am meisten Sinn machen.

Nico Zorn: Digital Loyalty – warum gewinnen Sie eigentlich noch Neukunden?

[mk] Unternehmen konzentrieren sich tendenziell eher auf die Neukundengewinnung als auf die Bestandskundenbindung. Nico Zorn stellte daher einige interessante Methoden vor, wie und vor allem auch wann man seine Bestandskunden am besten an sich bindet.

Besonders interessant fand ich einen Punkt aus seiner Churn-Prevention: In einem Test hat er Usern, die sich von seinem Newsletter abmelden wollten, neben dem Üblichen >>Newsletter abmelden<< noch die Option des >>Weniger Newsletter erhalten<< angeboten und es hat tatsächlich funktioniert.

René Dhemant: Suchmaschinenoptimierung ist digitaler Markenaufbau. Über die Kunst, auch in gesättigten Märkten zu wachsen.

[oe] Eine Marke besteht aus Vertrauen plus Emotion. Und der Brand Trust ist einer der zentralen Faktoren für Klicks in den SERPs. Wer also von den Nutzern als Marke wahrgenommen wird, hat es in der Suchmaschinenoptimierung deutlich leichter.

Doch um eine wirklich starke Marke zu werden, braucht es Purpose, Werte, Mission, Vision und eine stimmige Positionierung. Ganz schön viel Arbeit, die aber auf das Online-Marketing einzahlt und sich damit auszahlt. So zeigt René, dass auch die SEO ein Teil des Markenaufbaus ist.

Foto: OMKB 2019

Abb. 6: Der Kern einer starken Marke (© René Dhemant).

Norman Nielsen: The Future of Online-Marketing – 5 Dinge mit denen ihr jetzt starten müsst!

[mm] Im Gegensatz zu Gianna Brachetti-Truskawa pocht Norman künftig auf automatisiert erstellten Content. Es war sehr spannend zu sehen, wie sich an einem Tag auch unterschiedliche Ansätze begegnen, die beide etwas für sich haben. Und genau das macht solche Konferenzen aus.

Jörg Dennis Krüger: Die perfekte Landingpage

[mk] Der Kern des Vortrages bezog sich darauf, dass die perfekte Landingpage inhaltsarm und einfach sein sollte. Man müsse den Nutzer abholen und ihm auf den ersten Blick klar machen, worum es auf der Seite geht – daher: die Landingpage soll für Klarheit und Relevanz sorgen.

Außerdem beschrieb Jörg Dennis Krüger den Weg von der Conversion-Optimierung zum Conversion-Thinking und dann zum Conversion-Hacking.

Gabriel Beck: Die Unternehmenskultur – der Conversion Killer im Büro nebenan

[oe] Die Optimierung von Websites hängt auch von der Kultur im Unternehmen ab. Wir alle mussten schon leidvoll erleben, wenn datengestützte Verbesserungsvorschläge auf der Basis des persönlichen Geschmacks abgeschmettert oder Tendenzen als signifikante Unterschiede angesehen wurden.

In seinem launigen Vortrag zeigte Gabriel Beck auf, woran auch die besten Optimierungen scheitern können. Außerdem machte er klar, wo Wachstum entsteht: nämlich an der Schnittstelle von Kundenzentrierung, Agilität und datengetriebenen Entscheidungen – eingebettet in eine stimmige Strategie sowie eine fördernde Kultur.

Foto: OMKB 2019

Abb. 7: Hier entsteht Wachstum (© Gabriel Beck).

Karl Kratz: Die Kunst digitaler Inszenierung

[oe] Zum Abschluss gab es dann noch eine Premiere: Karl Kratz stellte den dritten Teil seiner Keynote-Reihe nach der digitalen Berührung und der digitalen Verführung vor: die digitale Inszenierung. Und genau darum ging es dann auch. Wie würden Alfred Hitchcock, Joanne K. Rowling oder der Dalai Lama euer Produkt inszenieren, um es aus der Masse an ähnlichen Angeboten herausstechen zu lassen?

Dazu gab es schöne Beispiele vom Hundefutter bis zu Rammstein, bei denen eine solche Inszenierung Wunder gewirkt hat.

Foto: OMKB 2019

Abb. 8: Karl legt Wert auf die richtige Inszenierung (© Karl Kratz).

Wie immer bei einer Karl-Kratz-Keynote hing das komplette Publikum wie gebannt an seinen Lippen. Die Keynote selbst war eine perfekte Inszenierung mit Lachern, Überraschungen und vielen weiteren Gefühlen. Da stört es dann auch nicht, dass die letzten Ausgaben inhaltlich noch deutlich tiefer gingen – denn hier hat jeder etwas mitgenommen, was hoffentlich schnellstens umgesetzt wird.

Fazit

[oe] Wir waren alle zum ersten Mal auf der OMKB und mir sind aus unserer Reisegruppe keine Klagen zu Ohren gekommen. Im Gegenteil haben wir alle viel gelernt, tolle Leute (wieder)getroffen und allgemein eine gute Zeit in Bielefeld verbracht. Im nächsten Jahr sind wir bestimmt wieder dabei!

Über den Autor

Oliver Engelbrecht

Chefredakteur
Nach meinem Studium der Politikwissenschaft (mit dem Schwerpunkt Diplomatie) habe ich zunächst das SEO-Portal aufgebaut und zuletzt als Chefredakteur geleitet. Nun bin ich bei der Agentur LEAP/ für das Marketing verantwortlich und koordiniere unser Magazin GrowthUp - wiederum als Chefredakteur.