Onepager: Tolle Idee oder SEO-Katastrophe?

Das erwartet euch in diesem Beitrag

  • Was sind Onepager und wofür lassen sie sich einsetzen?
  • Welches sind die Vorteile und Nachteile?
  • Worauf ist bei der Suchmaschinenoptimierung zu achten?

Onepager, also Seiten, die aus nur einer HTML-Seite bestehen, haben in den vergangenen Jahren enorm an Bedeutung gewonnen. Insofern stellen sich immer mehr Seitenbetreiber die Frage, ob sich ein Umstieg auf dieses Design für sie lohnt oder eine neue Website in dieser Form erstellt werden soll.

Ein Onepager lässt sich als eine Website beschreiben, die sämtliche Inhalte auf einem einzigen Dokument abbildet. Je nach Design und Aufbau sind gegebenenfalls rechtliche Angaben wie zum Beispiel Impressum und Datenschutz auf andere URLs der Seite ausgelagert. Das vernachlässigen wir jetzt aber einfach mal. Denn im Kern geht es darum, dass es keine Unterseiten gibt, die über ein Menü oder Links angesteuert werden. Der gesamte Content ist also auf einer Seite enthalten, wodurch Onepager in Abhängigkeit vom Umfang nach unten hin „immer länger“ werden.

In diesem Beitrag  geben wir euch einige grundsätzliche Informationen, die euch bei der Entscheidung für oder gegen Onepager unterstützen sollen.

Bei welchen Projekten lohnen sich Onepager?

Wollt ihr euch auf einer Website mit einem einzelnen Thema befassen und dabei eine spezielle Nische bedienen? Dann ist ein Onepager für euren Zweck hervorragend geeignet. Vorbei sind also die Zeiten, in denen ihr euch zwangsläufig Tasks wie einer komplizierten Navigationsstruktur und dem richtigen Aufbau des dazugehörigen Menüs stellen müsst.

Onepager, auch als Single Pager bezeichnet, ermöglichen euch in einem fortlaufenden Design, ein klar abgestecktes Thema ganzheitlich auf einer einzigen Seite und aus allen Blickwinkeln zu betrachten.

Die Usability muss und darf dabei natürlich nicht zu kurz kommen. Eine sinnvolle Gliederung mit Sprungmarken zu den jeweiligen Teilbereichen, bestenfalls gleich im Above-the-Fold-Bereich platziert, ermöglicht es euren Usern, schnell zu dem gewünschten Abschnitt zu gelangen. Gerade auf Mobilgeräten ist das sehr angenehm – responsives Design vorausgesetzt. Aber das sollte im Jahr 2019 ohnehin schon lange umgesetzt sein. Das Schöne ist außerdem, dass ihr keine besonderen technischen Kenntnisse mitbringen müsst, um einen Onepager zu erstellen. Im Grunde ist euer CMS ausreichend.

Auch dem Einbau weiterer Elemente wie Bildern, Grafiken und CTAs sind keine Grenzen gesetzt. Verlinkt wird bei den letztgenannten nicht auf eine weitere interne Seite, sondern stattdessen mittels Sprungmarke direkt zum Conversion-Element. In dieser Hinsicht ändert sich nicht viel.

Und wann ist ein solches Design nun das Mittel der Wahl …? Hier einige Beispiele:

  • Nischenseiten und Webpräsenzen mit einem klaren thematischen Fokus
  • Digitale Visitenkarten
  • Landingpages für spezielle Kampagnen, Produkte oder Dienstleistungen
  • Portfolios
  • Storytelling

Gerade für stark visuell-lastige Vorhaben sind Onepager sehr gut geeignet. Dennoch solltet ihr euch im Klaren darüber sein, dass sie sich nur anbieten, wenn ihr ein Thema umfassend und komplex behandeln wollt – und dies auch könnt. Der Einsatz eines Onepagers ist daher vor allem dann sinnvoll, wenn es sich um ein Thema handelt, über das User ausführliche Informationen suchen. Suchen sie hingegen nur „auf die Schnelle“ nach einer Antwort, ist ein Onepager im Grunde genommen überdimensioniert.

Worin liegen die Vorteile von Onepagern?

Es gibt gute Gründe, warum die Anzahl der Onepager in den vergangenen Jahren so zugenommen hat.

Soll etwa eine spezielle Story erzählt werden, bietet sich dieses Format geradezu an. Geradlinig gestaltet und ohne die Gefahr, den Nutzer durch interne Verlinkungen oder eine komplizierte Menüstruktur von der besuchten Seite wegzuführen, sind Onepager intuitiv zu bedienen und auch auf mobilen Geräten bestens nutzbar. Zudem ist die Chance sehr hoch, dass der Seitenbesucher bei einer ansprechenden Umsetzung den kompletten Seiteninhalt wahrnimmt und alle für ihn relevanten Informationen erfasst.

Ein weiteres großes Plus liegt in den vielfältigen Möglichkeiten der Darstellung. „Klassische“ Websites können da nicht mithalten. Da Onepager fortlaufend scrollbar sind, fallen sämtliche Barrieren weg, und eure Nutzer können sich nicht „verlaufen“. Gleichzeitig bieten sich uneingeschränkte Gestaltungsmöglichkeiten, um beispielsweise inhaltlich abgegrenzte Bereiche durch unterschiedliche Hintergründe voneinander zu trennen.

Betrachten wir nun ein paar SEO-Aspekte, die in der täglichen Arbeit immer wieder auftauchen: Gerade bei großen Websites sind interne Verlinkungen und Crawling ein immer wieder auftauchendes Thema. Ebenso das Indexierungsmanagement. Doch obwohl Onpager nur aus einer einzigen Seite bestehen, dürft ihr dies nicht aus den Augen verlieren! Um gute Rankings zu erzielen, muss der Crawler eure Seite gut auslesen können. Daher ist eine klare und saubere Codestruktur unerlässlich.

Und was ist mit externen Verlinkungen auf eure Seite? Auch hierbei punkten Onepager. Denn weil es nur eine Seite gibt, landen die Links direkt auf dem relevanten Dokument. Dass ihr deren Qualität dennoch im Auge halten müsst, versteht sich von selbst.

Welche Besonderheiten sind zu beachten?

Wie so gibt es auch beim Single-Page-Webdesign eine Kehrseite der Medaille. Während die Usability ein klares Plus ist, steht ihr in puncto Suchmaschinenoptimierung vor einigen Herausforderungen, die ihr bei eurer Entscheidung berücksichtigen müsst.

Zudem kann es schnell zum Fallstrick werden, alle Inhalte kompakt auf einem Dokument anzubieten. Denn für manche User könnte diese Form der Darstellung im ersten Moment ungewohnt sein, was dann zu Orientierungsschwierigkeiten führen kann.

Oberste Priorität hat daher eine gut durchdachte Content-Struktur, die den Bedürfnissen eurer Zielgruppe entgegenkommt. Das honoriert dann auch die Suchmaschine. Und nicht minder wichtig ist die richtige Auswahl und Positionierung der Keywords. Das kann etwas tricky sein, da ihr naturgemäß weniger Platz habt und die Möglichkeit entfällt verschiedene Begriffe auf einzelnen Unterseiten zu platzieren. Umso mehr gewinnen Überschriften, Title und Meta Description an Bedeutung

Macht euch also im Vorfeld Gedanken, welche Keywords im Fokus stehen sollen und beschränkt euch auf ein oder zwei Begriffe.

Gerade im geschäftlichen Umfeld kommt dem Monitoring und der Messbarkeit eine große Bedeutung zu. Schließlich wollt ihr wissen, wie sich eure Besucher auf der Seite verhalten und wo offene Potenziale zur Verbesserung liegen. Gibt es nur eine einzelne Seite, sind die Möglichkeiten für Datenanalyse und -interpretation entsprechend eingeschränkt. Wer also sehr zahlengetrieben arbeitet, muss sich diese Einschränkung im Vorfeld bewusst machen.

Und was ist sonst noch wichtig?

Trotz aller Möglichkeiten, eure Inhalte ansprechend zu präsentieren, dürft ihr nicht aus den Augen verlieren, dass die Ladegeschwindigkeit der Seite wichtig für euer Ranking und die Nutzerzufriedenheit ist. Je nach Aufmachung der Seite ist Lazy Loading daher ein entscheidender Faktor.

Und natürlich spielt auch die Zielgruppe mit ihren jeweiligen Erwartungen an den Inhalt und dessen Präsentation eine zentrale Rolle: Für wen sind die Inhalte gemacht, und welche Fragen sollen beantwortet werden? Sind eure Nutzer bereit, alles kompakt auf einer Seite zu goutieren, oder bevorzugen sie eher einen anders strukturierten Auftritt?

Daher empfiehlt es sich, im Vorfeld eine Konkurrenzanalyse durchführen, um einen Eindruck davon zu bekommen, wie Wettbewerber in eurem Themenfeld ihre Auftritte gestalten und ihre Informationen präsentieren.

Hier die Stärken und Schwächen von Onepagern noch einmal auf einen Blick:

Vorteile

  • Klare Steuerung des Benutzerflusses
  • Ideal für fortlaufende Storylines
  • Einfache Bedienbarkeit
  • User können sich nicht auf Unterseiten verlaufen
  • Geringer Aufwand für Crawlingbudget und Indexierbarkeit
  • Verlinkungen zeigen stets auf die relevante Content-Seite

Nachteile

  • Ladegeschwindigkeit kann bei vielen multimedialen Inhalten zum Bottleneck werden
  • Nutzungserfahrung je nach Zielgruppe ungewohnt
  • Limitierte Möglichkeiten der Keyword-Optimierung
  • Monitoring nur eingeschränkt realisierbar

Single- oder Multi-Pager: Was ist das Richtige fürs neue Projekt?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Es kommt wie immer darauf an, zumal beide Seitentypen je nach Anwendungsfall ihre Vorzüge haben, aber auch einige Herausforderungen bei der Erstellung und fortlaufenden SEO-Optimierung mit sich bringen.

In unserem Beitrag haben wir euch deshalb aufgezeigt, welches die Vorzüge und Nachteile von Onepagern sind. Unabhängig davon gelten die Grundregeln für die SEO sowie die Regeln für technisches SEO ohnehin universell. Diese dürft ihr nie aus den Augen verlieren, egal für welchen Seitentyp ihr euch letztlich entscheidet. Darüber hinaus gilt wie immer: Testen, testen, testen! Und überwacht die Performance und Rankings eurer Seite und leitet daraus ab, was ihr gegebenenfalls anpassen müsst.

Über den Autor

Stephan Schmidt

Redakteur
Nach Abschluss meines betriebswirtschaftlichen Studiums bin ich seit 2013 in Berlin im Online-Marketing tätig. Über verschiedene Stationen, sowohl auf Agenturseite als auch inhouse, bin ich bei LEAP/ im SEO-Consulting-Team angekommen. Hier liegen meine Schwerpunkte auf der Beratung und Betreuung unserer Kunden rund um verschiedene Themen der Suchmaschinenoptimierung.