Warum Online-Marketing-Agenturen ausbilden sollten

Das erwartet euch in diesem Artikel

  • Warum sollten Digitalagenturen ausbilden?
  • In welchen Berufen sollten sie ausbilden?
  • Hat das nur Vorteile?

Immer abwechselnd hören wir in der Presse von zwei Phänomenen: dem Fachkräftemangel und dem Mangel an Ausbildungsplätzen. Während sich das erste hartnäckig hält, gibt es beim zweiten mittlerweile eine Zweiteilung.

Während sich einige Branchen kaum vor potentiellen Azubis retten können, gibt es in anderen Berufen größte Probleme, die angebotenen Stellen zu füllen. Dies hängt meist mit der Attraktivität der Berufe und dem möglichen Gehalt zusammen: Friseure beispielsweise sind immer wieder wegen schlechter Verdienstmöglichkeiten im Fokus der Öffentlichkeit und haben es entsprechend schwer, motiviertes Nachwuchspersonal zu finden.

(Online-)Marketing ist attraktiv

In unserer Branche sieht es jedoch deutlich anders aus. Als wir vor einigen Monaten eine Azubi-Stelle für Marketingkommunikation ausgeschrieben haben, hatten wir innerhalb kürzester Zeit mehr als 60 Bewerbungen vorliegen und haben den Prozess dann schneller als zunächst erwartet zu Ende gebracht. Das zeigt: Unser Beruf ist für junge Menschen attraktiv, da wir nicht nur tolle Aufstiegschancen bieten, sondern auch ein spannendes und dynamisches Arbeitsumfeld.

Bild: Entdecken

Abb. 1: In unserer Branche gibt es für Neulinge einiges zu entdecken. Helfen wir ihnen dabei (©Andrew Neel, Unsplash)!

Es sollte daher zu unseren Verpflichtungen gehören, die nächste Generation auszubilden und eine dem Bedarf entsprechende Zahl an Ausbildungsplätzen zur Verfügung zu stellen. So haben wir die Chance, junge Menschen mit spannenden Aufgaben nachhaltig zu motivieren und sie langfristig als Arbeitskräfte im digitalen Bereich zu gewinnen.

Dem Fachkräftemangel ein Ende setzen

Hier kommen wir wieder zum Beginn des Artikels zurück: Oft beklagen wir uns, dass es nicht genügend Fachkräfte in unserer Branche gibt. Doch schaut man sich die Vorlesungsverzeichnisse und Ausbildungsordnungen an, stellt sich schnell die Frage, wo die denn überhaupt herkommen sollten?

Abgesehen von einigen lobenswerten Ausnahmen sind die meisten Universitäten scheinbar nicht in der Lage oder nicht willens, Studiengänge für das digitale Marketing anzubieten. Und von der Ausbildungslandschaft möchte ich hier gar nicht erst anfangen.

Es liegt also in unserer Verantwortung als Agenturen (und auch als Unternehmen mit Inhouse-Teams), die Ausbildung selbst in die Hand zu nehmen. Nur so können wir es schaffen, junge Menschen früh für unsere Berufe zu begeistern und dafür sorgen, dass sie auf lange Sicht zu Kollegen werden.

Bild: Schwieriger Aufstieg

Abb. 2: Wenn ihr eure Azubis gut anleitet, werdet ihr mit ihnen ungeahnte Höhen erreichen (© mparzuchowski, Unsplash).

Solide Ausbildung statt studierte Quereinsteiger

Aktuell ist es oft noch so, dass Menschen, die eigentlich etwas ganz anderes studiert oder gelernt haben, einen großen Teil der Online-Marketing-Szene ausmachen (ein Beispiel dafür ist meine Wenigkeit). Das ist aufgrund der erwähnten Nicht-Existenz von digitalen Bildungsangeboten nicht weiter verwunderlich und bei einer relativ jungen Branche wie dem Online-Marketing auch ganz normal. Aber es ist doch langsam an der Zeit, dass wir uns auf allen Ebenen professionalisieren!

Und dazu gehört unter anderem auch ein nachhaltiges Ausbildungssystem. In Deutschland gibt es hier hervorragende Voraussetzungen – wir müssen sie nur nutzen und uns für mehrere Jahre unseren Azubis verpflichten.

Klar, das ist oft schwer (gerade in Agenturen, in denen die Mitarbeiter relativ häufig wechseln), aber es bietet auch so viele Chancen. Denn wenn wir uns unseren Mitarbeitern verschreiben und sie zum Beginn ihrer beruflichen Karriere an die Hand nehmen, werden sie es uns nicht nur durch gute Leistungen, sondern auch durch eine überdurchschnittliche Loyalität zurückzahlen. Wir werden also auf Azubis in vielen Fällen deutlich langfristiger zählen können, als beispielsweise auf Werkstudenten.

Bild: Zusammenhalt

Abb. 3: Azubis sind ein langfristiges Investment – mit langfristigen Erträgen (© Rawpixel, Unsplash).

Viele spannende Ausbildungsberufe

Es ist auch so, dass digitale Dienstleister einige spannende Ausbildungsberufe anbieten können. Nehmen wir einfach die traditionellen Angebote der IHK und verpassen wir ihnen eine deutlich digitalere Schlagseite.

Folgende Berufe sollten doch eigentlich in jeder größeren Agentur zu finden sein:

  • Kaufleute für Marketingkommunikation
  • Mediengestalter
  • Kaufleute für Büromanagement
  • Fachinformatiker

Und bei spezialisierten Anbietern könnten auch noch folgende hinzukommen:

  • Fachangestellte für Markt- und Sozialforschung
  • Fachangestellte für Medien und Informationsdienste
  • Gestalter für visuelles Marketing
  • IT-Systemkaufleute
  • IT-Systemelektroniker
  • Kaufleute für audiovisuelle Medien
  • Kaufleute für Dialogmarketing
  • Kaufleute im E-Commerce
  • Medienkaufleute
  • Kaufleute für Personaldienstleistungen
  • Kaufleute für Veranstaltungen

Ihr seht also: Es gibt für digitale Agenturen und Dienstleister viele Möglichkeiten, um als Ausbildungsbetrieb tätig zu werden. Und auch die AEVO-Prüfung ist kein Hexenwerk und kann nebenbei gesagt auch für die allgemeine Personalführung nicht schaden.

Die alten Ausreden zählen nicht mehr

Aber wir haben für sowas keine Zeit! – Dann nehmt sie euch, was kann denn wichtiger sein als die Ausbildung neuer Mitarbeiter?

Aber wir haben dafür keine Ressourcen! – Ihr habt niemanden im Unternehmen, der einen neuen Mitarbeiter anlernen kann? Da würde ich mir aber Gedanken machen.

Aber es gibt so viele rechtliche Hürden! – Die sind bei genauerer Betrachtung gar nicht so schlimm, informiert euch mal.

Aber man kann Azubis gar nicht feuern! – Warum auch? In der Probezeit werdet ihr ja wohl merken, ob jemand zu euch passt. Und wenn ihr pleitegeht, dann liegt es nicht an den paar hundert Euro Azubigehalt.

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Wir bilden aus – ihr auch?

Viele gute Gründe also, um auch und gerade im digitalen Umfeld als Ausbildungsbetrieb aktiv zu sein. Und wenig gute Gründe, um es nicht zu tun. Kümmert euch am besten gleich um die ganzen rechtlichen Dinge, um dann im nächsten Jahr mit motivierten Azubis zu starten.

Ihr werdet sehen, die Ausbildung bringt nicht nur den Azubis etwas, sondern stärkt auch euer Unternehmen als Ganzes.

Über den Autor

Oliver Engelbrecht

Chefredakteur
Nach meinem Studium der Politikwissenschaft (mit dem Schwerpunkt Diplomatie) habe ich zunächst das SEO-Portal aufgebaut und zuletzt als Chefredakteur geleitet. Nun bin ich bei der Agentur LEAP/ für das Marketing verantwortlich und koordiniere unser Magazin GrowthUp - wiederum als Chefredakteur.
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