Page Speed als Rankingfaktor: Warum die Ladezeit so wichtig ist und wie ihr sie verbessert

Das erwartet euch in diesem Beitrag

  • Warum lohnt sich die Erhöhung der Ladegeschwindigkeit auch für eure Seite?
  • Mit welchen Tools könnt ihr eure Performance messen und Potenziale bestimmen?
  • Was könnt ihr praktisch umsetzen, um eure Page Speed zu verbessern?

In der Vergangenheit haben wir euch bereits Tipps gegeben, was ihr zum erfolgreichen Betreiben eurer Website beachten müsst und welche grundlegenden Onpage-Faktoren dabei von Bedeutung sind. Doch auch die beste Seite kann nicht ihr volles Potenzial entfalten, wenn der Seitenaufbau zu lange dauert und eure User entnervt abspringen. Nicht nur, dass ihr damit einen potenziellen Kunden verärgert und vielleicht sogar an die Konkurrenz verliert. Nein, zusätzlich entsteht auch ein schlechtes Nutzersignal an Google, welches eure Platzierung in den Suchergebnissen nachhaltig negativ beeinflusst und euch womöglich zukünftigen Traffic kostet. Schließlich ist die Ladezeit seit Sommer 2018 nun auch ein offiziell bestätigter Rankingfaktor.

Bei der Internetnutzung haben in den vergangenen Jahren die mobilen Endgeräte mehr und mehr an Bedeutung gewonnen – die mobilen Devices sind nun über nahezu alle Bevölkerungs- und Altersgruppen verteilt. Nicht ohne Grund verwendet Google seit März 2018 den Mobile-First-Index und damit die mobile Version einer Seite für die Rankingermittlung. Dies ist deutlich nachvollziehbar. So ist der Anteil der mobilen Internetnutzer in Deutschland in den Jahren 2015 bis 2018 sukzessive von 54 Prozent auf 68 Prozent angestiegen (Quelle: Statista).

Die Kehrseite der Medaille ist, dass wir trotz der nach wie vor steigenden Nachfrage vielerorts noch immer keine gute Internetverbindung auf den Smartphones haben. Gerade wer außerhalb der Ballungsräume lebt, wird davon mit Sicherheit ein Lied singen können.

Langsame Websites drücken die Conversionrate

Die Geschwindigkeit einer Seite wirkt sich aber nicht nur als direkter Rankingfaktor auf eure Platzierung und euer Geschäft aus. Schließlich führt eine gute Ladezeit zu einer besseren Nutzungserfahrung und beugt Absprüngen vor. Sondern hinzu kommt, dass Nutzer, die mit einer schnell ladenden Seite zufrieden sind, in der Regel öfter zu Kunden werden, was sich wiederum positiv auf eure Conversions auswirkt und ein indirektes Rankingsignal liefert.

Klar ist: Nutzer sind meist eher ungeduldig und erwarten einen schnellen Seitenaufbau. So kann bereits eine längere Ladezeit von einer Sekunde zu einer Verringerung der Conversionrate um bis zu 20 Prozent führen (Quelle: Think with Google)! Das bekannte Sprichwort „Zeit ist Geld“ passt in diesem Zusammenhang vorzüglich.

Und wenn ihr jetzt immer noch nicht von der Notwendigkeit einer sich schnell ladenden Website überzeugt seid, geben wir euch gern ein weiteres Argument an die Hand: Die Ladezeit kann euch sogar Geld sparen. Wie das? Ganz einfach: Wenn ihr im Bereich Paid Advertising unterwegs seid, kennt ihr den Qualitätsfaktor einer beworbenen Landingpage als Komponente für den Klickpreis. Einer der Faktoren, die mit in diese Metrik einfließen, ist die Ladegeschwindigkeit. Bedeutet hier: Mit einer schnellen Seite verbessert ihr euren Qualitätsfaktor und könnt eure Werbeausgaben senken.

Die wichtigsten Hebel für bessere Ladezeiten

Damit eure Seitenbesucher nicht auf das vom Desktop gewohnte Nutzungserlebnis verzichten müssen und auch auf mobilen Endgeräten die gewünschten Aktionen durchführen können, darf der Funktionsumfang eurer Seite natürlich nicht unter der besseren Ladegeschwindigkeit leiden.

Welche Möglichkeiten gibt es nun für euch konkret, den Usern eine Seite zur Verfügung zu stellen, die eine möglichst kurze Ladezeit hat? Das Team von Think with Google hat hierzu eine Graphik veröffentlicht, die einige wichtige Hebel aufzeigt.

Wichtige Hebel für eine schnelle mobile Webseite

Fünf Schritte zu einer schnellen mobilen Website (© Think with Google).

Ohne Analyse keine Verbesserung

Selbstverständlich treffen nicht alle obigen Faktoren für jedes Seitenangebot zu – ein paar generelle Ableitungen und Tipps möchten wir euch an dieser Stelle dennoch an die Hand geben. Eine kompakte Übersicht über hilfreiche Tools, mit denen ihr eure Performance messen und Potenziale aufdecken könnt, liefern wir euch am Ende des Artikels.

Bevor ihr viel Geld in Tools investiert, solltet ihr zunächst einmal eure Seite betrachten. Google liefert dafür mit Test My Site ein einfach zu bedienendes Tool, mit dem ihr euch schnell und einfach einen ersten Überblick verschaffen könnt.

Google Test My Site Bewertung der Ladegeschwindigkeit für growthup.de

Testergebnisse von Google Test My Site für growthup.de (© Think with Google).

Nach dieser Zusammenfassung liefert euch das Tool in Form einer Slideshow ein paar Tipps, wie ihr eure Seitenperformance steigern könnt. Wie wir das in der Vergangenheit bei GrowthUp erfolgreich umsetzen konnten, haben wir euch in diesem Artikel bereits beschrieben. Die Möglichkeit, einen Vergleich mit bis zu vier Wettbewerbern durchzuführen und ein Rechner für die mögliche Steigerung des Jahresumsatzes bei einer Verbesserung der Ladegeschwindigkeit runden das Angebot ab. Wer tiefer in die Analyse gehen möchte, kommt am Google Chrome Addon Lighthouse nicht vorbei. Wenn ihr einen anderen Browser verwendet oder keine zusätzlichen Erweiterungen installieren möchtet, bieten euch die PageSpeed Insights die gleichen Daten.

PageSpeed Analyse für growthup.de

Screenshot PageSpeed Insights Analyse für growthup.de.

Ebenfalls kostenfrei nutzbar sind die Chrome Developer Tools, die ihr im Browser über die Tastenkombination [Strg] + [Umschalt] + [i] oder per Rechtsklick und „Untersuchen“ aufrufen könnt. Auch wenn es ein wenig Übung erfordert, bis ihr die wertvollen Informationen zielgerichtet findet, lohnt sich die Einarbeitung definitiv. Gerade wenn ihr bei Lighthouse oder PageSpeed Insights Probleme bei euren Ladezeiten aufgedeckt habt, könnt ihr damit noch tiefer in die Analyse gehen. Besonders interessant ist hierbei der Tab „Network“, in dem ihr allerlei hilfreiche Informationen findet: Verwendete Protokolle, die Dateigröße von Bildern, CSS und JS, Schriften, die beim Anzeigen der Seite geladen werden müssen, sind nur einige der angezeigten Daten.

Grafik – Screenshot Chrome DevTools für growthup.de

Screenshot Chrome DevTools für growthup.de.

Zehn Tipps für bessere Ladezeiten mit wenig Aufwand

Nachdem ihr oben die passenden Tools zur Identifizierung von Potenzialen auf eurer Seite kennengelernt habt, kommen wir nun zur Umsetzung.

Viele der häufigsten Fehler, die wir in unserer täglichen Arbeit sehen, sind zumeist mit überschaubarem Aufwand zu beheben und können euch beträchtliche Vorteile gegenüber euren Konkurrenten bringen.

1. Aktiviertes Browser Caching

Vor allem wenn eure Besucher regelmäßig auf eurer Seite sind oder dort viele Seiten aufrufen, spart Browser Caching ihnen wichtige Ressourcen. Auf im Cache gespeicherte Daten kann – solange diese nicht gelöscht wurden – immer wieder zugriffen werden, anstatt diese jedes Mal aufs Neue anzufordern.

2. HTTP/2 verwenden

Sofern ihr eine HTTPS-Seite habt, könnt ihr mit einem Wechsel auf einen HTTP/2-fähigen Server deutliche Zeiteinsparungen von 500 bis 800 Millisekunden pro Seitenaufruf erreichen. Durch diese neue Technologie werden die angefragten Ressourcen entschieden schneller vom Server an den Endnutzer übermittelt.

3. Bestehendes Hosting passt nicht zu Trafficaufkommen

Je nach Besucheraufkommen und zu übermittelnden Daten gibt es unterschiedliche Anforderungen, denen der von euch verwendete Server gerecht werden muss. Kommt es zu Engpässen, wirken sich diese negativ auf eure Seitenperformance aus.

4. Größe der Website verringern

Sobald viele Daten übertragen werden müssen, schlägt sich das auch in der Ladezeit nieder. Die empfohlene Webseitengröße liegt bei 1.000 KB. Schaut daher kritisch, wo ihr bei der Darstellung eurer Seite Daten einsparen könnt, ohne das Nutzungserlebnis zu beeinträchtigen.

5. Vermeidung von unnötigen Weiterleitungen

Stellt sicher, dass der Google Bot beim Crawlen eurer Seite und natürlich auch der Nutzer keine vermeidbaren Umwege in Kauf nehmen muss. Die Vermeidung unnötiger Umwege kommt letztlich auch euch zugute.

6. Bilder komprimieren und das richtige Bildformat verwenden

Verringert ihr die Dateigröße eurer Bilder, verbrauchen diese beim Laden weniger Zeit. Anbieter wie TinyPJG sind leicht zu bedienen und überdies auch kostenlos verfügbar. Verwendet darüber hinaus ausschließlich die Bildformate JPG und PNG.

7. Ressourcen asynchron laden

Es reicht völlig aus, wenn Bilder nicht direkt beim Abruf geladen werden, sondern erst wenn sie im sichtbaren Bereich des Users auftauchen (Lazy Loading). Beachtet aber, dass der Google Bot nicht scrollt! Die Bilder im unteren Bereich der Seite können daher nicht im Bilderindex landen. Nicht immer sind aufwendige Headergrafiken das beste Mittel zum Erfolg.

8. HTML-Code optimieren

Leerzeichen, Zeilenumbrüche und Kommentare der Entwickler im Quellcode erleichtern dem Menschen zwar das Lesen, für die Darstellung der Website haben sie aber keinen Nutzen. Daher solltet ihr hier aufräumen, um die übermittelte Datenmenge zu verringern. Geht hier aber mit Bedacht vor, um keine gravierenden Komplikationen auf eurer Seite hervorzurufen.

9. Java Script- und CSS-Nutzung optimieren

Weiter oben haben wir schon die Developer Tools als nützliches Werkzeug vorgestellt. Diese könnt ihr auch hervorragend nutzen, um zu sehen, wo ihr unnötigen Code ladet und damit wertvolle Millisekunden verschenkt.

Screenshot Chrome DevTools Ungenutzter JS- und CSS Code für growthup.de

Screenshot Chrome DevTools: Ungenutzter JS- und CSS Code für growthup.de.

10. Verwendete Plugins kritisch prüfen

Wir empfehlen euch, die installierten Plugins auf eurer Webseite kritisch zu prüfen und deren Notwendigkeit zu hinterfragen. Nicht immer sind alle Erweiterungen, die ihr im Laufe der Zeit eingebunden habt, wirklich notwendig. Vor allem aber können sie eure Seite ausbremsen.

Der Vollständigkeit halber: Auch Progressive Web Apps (PWA) und Accelerated Mobile Pages (AMP) sind eine Möglichkeit, um die Page Speed zu steigern. Allerdings ist dies mit einigem Mehraufwand verbunden und nicht für jedes Projekt geeignet. Da wir euch in diesem Artikel aber zunächst einmal ein paar Quick Wins aufzeigen wollten, gehen wir hier nicht weiter darauf ein.

Fazit

Schnelle Ladezeiten sind die Grundlage für eine erfolgreiche Seitenperformance. Daran führt auch in Zukunft kein Weg vorbei. Wenn ihr die obigen Hinweise umsetzt und beim Betreiben eurer Website zudem unsere 10 Tipps für technisches SEO im Auge behaltet, schafft ihr eine gute Basis, um vordere Rankings zu erreichen. Daher führt ein regelmäßiges Monitoring durch, um entsprechend reagieren zu können, wenn ihr bemerkt, dass eure Wettbewerber bessere Ladezeiten aufweisen. Je früher ihr agiert, desto besser!

Selbstverständlich stehen wir euch hilfreich zur Seite, wenn ihr Unterstützung bei der Umsetzung benötigt.

Über den Autor

Stephan Schmidt

Redakteur
Nach Abschluss meines betriebswirtschaftlichen Studiums bin ich seit 2013 in Berlin im Online-Marketing tätig. Über verschiedene Stationen, sowohl auf Agenturseite als auch inhouse, bin ich bei LEAP/ im SEO-Consulting-Team angekommen. Hier liegen meine Schwerpunkte auf der Beratung und Betreuung unserer Kunden rund um verschiedene Themen der Suchmaschinenoptimierung.