Sauberes Linkprofil: Gefährliche Links erkennen und behandeln – Teil 1

Das erwartet euch in diesem Artikel

  • Welche Link-Quellen sind als schädlich anzusehen?
  • Was für Links solltet ihr lieber entwerten oder entfernen?
  • Was ist der Unterschied zwischen Spam und Bad Neighborhood?

Dass Backlinks für euer Ranking extrem wichtig sind, wisst ihr sicherlich schon. Doch genauso bekannt ist, dass sie auch für Abstrafungen und Ranking-Verluste verantwortlich sein können. Es ist also nicht jeder Backlink ein guter Link. Doch wie könnt ihr schädliche Backlinks erkennen und loswerden? Diese Frage beantworten wir in dieser Artikelreihe. Los geht es heute mit dem Erkennen jeder Onpage-Signale, die für die minderwertige Qualität eines Backlinks oder einer ganzen verweisenden Domain sprechen könnten.

Backlinks aus Link-Verzeichnissen

Ein typisches Link-Verzeichnis besteht aus Landing-Pages, auf denen in der Regel kaum Inhalte, dafür aber sehr viele ausgehenden Links zu finden sind. Link-Verzeichnisse waren in der Vergangenheit sehr populär – doch heutzutage sind solche Backlinks aus SEO-Sicht nahezu unbedeutend. Das liegt daran, dass von einer Landing-Page sehr viele externe Verlinkungen ausgehen und somit jeder einzelner Backlink kaum „Link-Juice“ bzw. „Link-Power“ auf die verlinkte Domain vererbt.

Da auf den Landing-Pages eines typischen Link-Verzeichnisses außerdem kaum Inhalte zu finden sind, ist es nicht möglich, die ausgehenden Links mit relevanten Suchbegriffen in einen sinnvollen Zusammenhang zu bringen. Ohne Inhalte werden solche Landing-Pages also kaum in den SERPs aufgelistet werden und bekommen nahezu keinen organischen Traffic. Die wenigen Besucher, die auf sonstigen Wegen (wie zum Beispiel durch eine Verlinkung) zum Link-Verzeichnis weitergeleitet worden sind, verweilen in der Regel sehr kurz auf der Domain und würden eher selten auf eine der zahlreichen Verlinkungen klicken.

Screeenshot: Ein Linkverzeichnis

Abb. 1: Was sollen euch solche Links bringen?

Backlinks aus Link-Verzeichnissen kommen vereinzelt in den Backlink-Profilen von meist relativ alten Domains noch vor, sollten aber sorgfältig überprüft und möglichst zeitnah abgebaut werden.

Backlinks aus Artikel-Verzeichnissen

Selbst wenn ein Backlink im Text eines lesenswerten Artikels platziert worden ist, kann er aus SEO-Sicht trotzdem minderwertig oder sogar problematisch sein. Nämlich dann, wenn der Artikel auf einem Artikel-Verzeichnis veröffentlicht worden ist. Der Grund dafür ist die schlechte Reputation der meisten Artikel-Verzeichnisse.

Ein typisches Artikel-Verzeichnis hat keinen klaren Themenfokus und veröffentlicht Artikel zu nahezu jedem möglichen Anlass, sehr oft auch ohne eine genauere Prüfung der gelieferten Inhalte. Daher ist bei diesen Verzeichnissen – ähnlich wie bei den Link-Verzeichnissen – mit niedrigen Besucherzahlen und Click-Raten für die Backlinks zu rechnen. Zudem wurden Artikel-Verzeichnisse in der Vergangenheit zum teilweise automatisierten Linkaufbau missbraucht und wegen der fehlenden redaktionellen Kontrolle oft mit spammigen Inhalten aufgefüllt.

Abb. 1: Ein Artikelverzeichnis

Abb. 2: Hier wird Themenrelevanz groß geschrieben.

Entsprechend hat auch diese Art von Backlinks massiv an Bedeutung verloren und ihr solltet sie optimalerweise aus eurem Backlink-Profil entfernen.

Backlinks aus Foren

Falls die Foren-Betreiber nicht genügend Zeit für die Kontrolle der veröffentlichten Inhalte investieren, besteht ähnlich wie bei den Artikel-Verzeichnissen auch bei Foren die Gefahr, dass diese relativ schnell mit zum Teil automatisch generierten Spam-Inhalten ohne Mehrwert für die Leserschaft überflutet werden. Backlinks aus Foren sind wertlos, falls die Forum-Community entweder gar nicht vorhanden ist oder längst nicht mehr aktiv ist.

In diesem Fall solltet ihr die entsprechenden Forenlinks möglichst schnell abbauen. Gleiches gilt natürlich auch für hingeklatschte Links in Blogkommentaren.

Backlinks im Sidewide Footer

Im Gegensatz zu einem Content Link, ist ein Sidewide Footer Backlink meistens nicht in einen Text oder in sonstige Inhalte eingebunden. Aus dem Kontext wird daher nicht klar, warum im Sidewide Footer eine Verlinkung zur Website XYZ aufgebaut worden ist.

Sidewide Footer Backlinks waren in der Vergangenheit wegen des geringen Aufwands für den Aufbau einer solcher Verlinkung eine sehr beliebte Strategie, um ein Backlink-Profil schnell zu erweitern oder als Webmaster Einnahmen durch den Verkauf von Backlinks zu generieren.

Screenshot: Ein guter Footer von GrowthUp

Abb. 3: Solche Sachen dürfen im Footer stehen – aber keine seitenweiten ausgehenden Links.

Da Backlinks aus dem Sidewide-Footer-Bereich heutzutage längst keinen Einfluss mehr auf den Rankings der verlinkten Domain haben, dafür aber mittlerweile sogar als Spam-Signal gelten, solltet ihr diese ausnahmslos abbauen und entwerten.

Backlinks aus „thin content“

Ein solcher Backlink ist zwar in einem Text – etwa in einem Blog-Beitrag oder auf einer Kategorieseite – integriert worden, aber Text ist zu kurz oder inhaltlich nicht wirklich informativ. Dünne Inhalte bieten keinen wirklichen Mehrwert für die Leserschaft. Die Erstellung solcher „dünnen Inhalte“ legt die Vermutung nahe, dass diese hauptsächlich (oder gar ausschließlich) für den Aufbau bzw. für den Verkauf eines Backlinks veröffentlicht worden sind.

Falls dies öfter vorkommt, kann es für manche Suchmaschinen ein Grund für inhaltsbezogene Anpassungen der Seiten in den Suchergebnissen werden (z.B. eine Panda-Abstrafung von Google wegen minderwertigen Inhalten). Die betroffene Domain wird dann seltener als mögliche Informationsquelle zum bestimmten Thema von den Suchmaschinen vorgeschlagen und bekommt organisch weniger Besucher.

Die Backlinks von solchen Seiten liefern dann also weder gute Signale noch interessierte Besucher und sollten entfernt werden.

Backlinks aus „spam content“

Ähnlich wie bei Artikeln mit dünnen Inhalten verhält es sich auch bei solchen mit spammigen Inhalten – sie bieten keinen Mehrwert für den Nutzer. Doch im Gegensatz zu thin content, der eher aus einem Mangel an Zeit und Sorgfalt heraus entsteht, werden Spam Artikel mit der Absicht veröffentlicht, die Rankings für bestimmte Suchbegriffe zu beeinflussen. Sie bringen somit ein hohes Abstrafungspotential mit sich. Eine beliebte Spam-Technik ist zum Beispiel die permanente Wiederholung von relevanten Keywords (Keyword-Stuffing), um damit die Keyword-Dichte zu erhöhen und den Artikel als relevanter für das jeweilige Thema erscheinen zu lassen.

Eine andere sehr beliebte Spam-Technik ist die Verwendung von conversion-nahen Suchbegriffen mit einem hohem Suchvolumen (sogenannte „Money Keywords“) als Anchor-Text. Auch wenn es für den Leser auf ersten Blick intuitiv aussieht, dass der Linktext zu einem Link, der zu einem Online-Shop für Schuhe geht, „Schuhe kaufen“ heißt, kann diese Taktik von den Suchmaschinen als Spam interpretiert werden. Der Grund dafür ist, dass ein Anchor-Text mit Money Keyword für die Suchmaschine zusätzlich eine Art Hinweis darauf darstellt, dass diese verlinkte Domain zum Thema des gewählten Money Keywords sehr relevant sein sollte.

Je nach Themenbereich und Branche, können auch sogenannte Compound Anchor-Texte (eine Mischung aus der Marke bzw. dem Namen der Domain und den Money Keywords) von den Suchmaschinen als Spam interpretiert werden. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Compound-Kombination auch sonst relativ oft im Text vorkommt. Für die Suchmaschine wäre das ein Signal, dass die Marke für den Suchbegriff relevant sein soll.

Da ihr eurer Angebot sicher nicht mit Spam in Verbindung bringen wollt, solltet ihr solche Links ohne zu zögern in die Disavow-Datei legen oder komplett abbauen.

Backlinks von gefährlichen Websites

Die Unterscheidung zwischen Websites mit Spam und gefährlichen Websites ist nicht immer deutlich. Beide Arten von problematischen Websites bezeichnet man oft einfach nur als Spam. Spam-Domains bieten aus SEO-Sicht überoptimierte Inhalte und liefern damit keinen wirklichen Mehrwert für die Leserschaft. Durch diverse Spam-Techniken – wie zum Beispiel das das Keyword Stuffing – wird erhofft, bessere Positionen für diese Suchbegriffe in den SERPs zu erkämpfen und möglichst viel organischen Traffic zur Domain weiterzuleiten. Domains mit spammigen Inhalten sind also nicht besonders informativ, aber sonst keine Gefahr für die Nutzer.

Gefährliche Websites dagegen sind Domains, die schädliche Programme (sogenannte Malware) oder Viren im Web verbreiten. Das Ziel von gefährlichen Domains ist selten der organische Traffic, sondern viel mehr der unautorisierte Zugang zu sensiblen Besucherdaten. Bösartige Websites (oft auch als „malicious” bezeichnet) versuchen zum Beispiel, Log-In Daten und sonstige private Informationen von ihren Besuchern abzuspeichern, leiten die Nutzer oft unaufgefordert auf andere gefährliche Landing-Pages weiter oder infizieren die Hardware von der Besucher mit Malware und Viren.

Websites aus bösartigem Umfeld werden oft auch als „bad neighborhood” bezeichnet. Einen Backlink aus dieser schlechten Nachbarschaft könnte für die meisten Suchmaschinen ein starkes Signal dafür sein, dass die verlinkte Domain möglicherweise auch zu dem betrügerischen Netzwerk gehören könnte. Wenn eine verlinkende Domain auf den Listen von Suchmaschinen oder Antivirus-Anbietern als „malicious“ klassifiziert wurde, so sollte sie umgehend mit aktueller Antivirus-Software überprüft werden. Falls sich der Verdacht bestätigt, muss die bestehenden Verlinkung möglichst schnell abgebaut oder wenigstens in die Disallow-Liste für die Suchmaschinen eingetragen werden.

Backlinks aus dem PPP-Umfeld

Weitere sehr spezifische Themenbereiche, wie zum Beispiel der sogenannte „PPP-Bereich“, werden oft – häufig aber zu Unrecht – auch der schlechten Nachbarschaft zugeordnet. PPP steht für „Porn, Pills & Poker“ – eine spezielle Marktnische mit gezieltem Publikum und besonderen Regelungen. Auch wenn es relativ häufig vorkommen kann, dass Websites mit PPP-Inhalten zusätzlich ihre Besucher bösartig zu manipulieren versuchen oder schädliche Software und Viren verbreiten, kann man trotzdem nicht davon ausgehen, dass die ganze Branche solche Taktiken einsetzt.

Screenshot: Eine Pokerseite verlinkt eine andere Pokerseite

Abb. 4: Ein Link von einer Pokerseite sollte auch zu einer anderen Pokerseite führen – aber nicht zu GrowthUp.

Backlinks aus dem PPP-Bereich wären risikofrei, solange die verweisende Domain nicht zu einer schlechten Nachbarschaft gehört und die eigene Domain ebenfalls zur PPP-Marktnische gehört. Sollte aber eine Verlinkung aus einer PPP-Domain auftauchen, die dann zu einer Website führt, die thematisch mit dem PPP-Bereich nichts gemein hat, dann sollte diese Verlinkung relativ zügig abgebaut werden. Das gilt auch dann, wenn die verweisende Domain nicht malicious sein sollte.

Links von thematisch fremden Websites oder aus einem sprachlich fremden Umfeld

Ähnlich wie das Zitieren im Rahmen von wissenschaftlichen Arbeiten können auch Backlinks im Web als eine Art Empfehlung betrachtet werden. Ein Backlink von der Domain A zur Domain B bedeutet ungefähr, dass der Betreiber von der Domain A von den Inhalten auf Domain B überzeugt ist und Domain B zum Beispiel als weitere Informationsquelle zum bestimmten Thema angibt. Das ist meistens dann der Fall, falls beide Domains sich mit einem sehr ähnlichen Thema befassen, oder falls ein eindeutiger, klarer Zusammenhang zwischen zwei verwandten Themen besteht. Eine Verlinkung von Domain A zu Domain B ermöglicht es den Lesern, weitere Informationen zum Thema auf Domain B zu bekommen und ist gleichzeitig für die Suchmaschinen auch ein Signal dafür, dass Domain B ebenfalls zum Thema von Domain A relevant sein sollte.

Falls beide Domains jedoch thematisch sehr weit auseinanderliegen und auch Überschneidungen zwischen beiden Themen kaum denkbar sind, wäre der Aufbau eines Backlinks in diesem fremden Umfeld sowohl aus SEO-Sicht als auch aus Sicht der Nutzer vollkommen irrelevant. Den Suchmaschinen wird zwar signalisiert, dass die verlinkte Domain möglicherweise auch zum Thema der verlinkenden Domain relevant sein sollte. Da aber bei der verlinkten Domain kaum weitere Signale für die vermutete Themenrelevanz (etwa das Vorhandensein von für das Thema typischen Keyword-Sets) zu finden sind, wird die verlinkte Domain in den SERPs eher nicht zu diesem Thema erscheinen. Die Nutzer, die sich ursprünglich für das Thema der verlinkenden Domain interessiert haben und durch den Link auf der verlinkten Domain gelandet sind, werden dort keine weiteren Informationen zum gesuchten Thema finden und die Seite wahrscheinlich schnell verlassen. Dadurch kann eine höhere Absprungrate (sog. Bounce-Rate) entstehen, die von den Suchmaschinen negativ aufgefasst wird.

Während Backlinks aus einem thematisch vollkommen fremden Umfeld generell nicht zu empfehlen sind, sollten gerade bei sehr beratungsintensiven Themen auch Backlinks aus sprachlich fremden Umfeld sorgfältig überprüft werden. Es kann unter Umständen auch vorkommen, dass fremdsprachige Backlinks natürlich entstanden sind und zum „gesunden“ Backlink-Profil der Domain gehören. Dann müssen sie natürlich nicht abgebaut oder entwertet werden. Das ist zum Beispiel der Fall, falls etwa eine Modemarke weltweit bekannt ist, aber nicht in jedem Land in länderspezifischen Online-Shops angeboten wird, oder falls die Produkte eher impulsiv und auf Basis von deren Aussehen (anstatt auf der Basis von technischen Eigenschaften) gekauft werden. Spätestens dann, wenn die verlinkte Domain eindeutig auf die Vermittlung von komplexen Zusammenhängen fokussiert ist und nicht in international sehr breit akzeptierten Sprachen wie zum Beispiel Englisch verfasst ist, sollten fremdsprachige Backlinks jedoch kritisch überprüft werden. Möglicherweise sind diese mit Absicht im Rahmen einer Black Hat SEO-Strategie generiert worden, um der verlinkten Domain dadurch zu schaden.

Fazit: Prüft eure Backlinks

Ihr seht also, dass ihr euch nicht einfach über neue Backlinks freuen solltet. Eine kritische Analyse aller neuen Verlinkungen ist in regelmäßigen Abständen absolut zu empfehlen, damit ihr nicht ungeahnt Opfer einer Negative SEO-Kampagne werdet oder Links in einem Umfeld findet, die nicht zu eurem Angebot passen. Sobald ihr diese gefunden und entwertet habt, könnt ihr mit einem sauberen Link-Profil stärkere Rankings in Angriff nehmen.

Über den Autor

Ivailo Stoev

Redakteur
Nach meinem Master-Abschluss in der Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Marketing bin ich seit vielen Jahren im Online-Marketing aktiv. Zu LEAP/ kam ich im Juni 2014 und bin hier für SEO und insbesondere den Offpage-Bereich zuständig.
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