Sauberes Linkprofil: Gefährliche Links erkennen und behandeln – Teil 2

Das erwartet euch in diesem Artikel

  • Welche Indikatoren sprechen dafür, dass eine verweisende Domain schädlich sein könnte?
  • Welche Indikatoren können auch zweideutig sein?
  • Was müsst ihr bei schlechten Domains unternehmen?

Im ersten Artikel zum Thema schlechte Backlinks haben wir euch gezeigt, welche Linkquellen eher fragwürdig sind. Heute zeigen wir euch, auf welche Gesichtspunkte hin ihr verweisende Domains analysieren müsst, um herauszufinden, ob sich die Links von dort lohnen – oder ob sie lieber schnell abgebaut werden sollten.

Backlinks von Domains, die nicht im Index von Google sind

Wird eine verweisende Domain mit keinen oder nur sehr wenigen URLs im Index von Google gelistet, ist das häufig ein Hinweis darauf, dass die Domain möglicherweise abgestraft worden ist.

In vielen Fällen ist es so, dass diese Abstrafung erfolgte, nachdem die Seite schon länger indexiert war. Die Suchmaschine kennt also die Inhalte dieser Domain und sie waren schon als potentielle Informationsquelle zu einem Thema im Index gespeichert.

Bild: Laptop mit Google-Suche

Abb. 1: Die verweisende Domain ist nicht bei Google zu finden? Das könnte ein Problem sein (© Unsplash, Benjamin Dada).

Neue Domains oder einzelne URLs (wie etwa ein neuer Blog-Beitrag) werden früher oder später – je nach Dynamik des angesprochenen Themas und je nach Bedeutung der eigenen Website für das Themenumfeld – indexiert. Änderungen oder Neuigkeiten zu aktuellen Themen, wie etwa Nachrichten auf großen, gut besuchten Portalen, werden vom Googlebot täglich für den Index erfasst. Anpassungen auf kleineren Websites oder bezüglich Themen, zu denen es in der Vergangenheit nicht so oft Neuigkeiten gab, werden spätestens ein paar Wochen nach der Veröffentlichung in den Index aufgenommen.

Infolge von Verstößen gegen die Richtlinien der Suchmaschine – wie etwa die Verbreitung von schädlicher Software, die Veröffentlichung von Spam-Inhalten oder die Manipulation der Suchergebnisse und der Nutzer – wird die betroffene Domain nicht mehr als eine vertrauenswürdige Informationsquelle angesehen und ihre URLs werden dementsprechend teilweise oder vollständig aus dem Index entfernt. Solche Abstrafungen geschehen in der Regel nach einer manuellen Überprüfung der verdächtigten Website.

Abstrafung oder Ranking-Verlust?

Algorithmische Anpassungen zur automatisierten Ausfilterung von minderwertigen Inhalten (wie etwa die zahlreichen Panda-Updates von Google) haben dagegen das Ziel, die Qualität der Suchergebnisse zu verbessern und beeinträchtigen nur die Positionen einzelner URLs in den SERPs. Auch wenn die Verschlechterung der Rankings einer Domain infolge algorithmischer Anpassungen bezüglich der Inhalte oft ebenfalls als eine Art „Abstrafung“ von Google interpretiert wird, führen solche Maßnahmen – selbst bei sehr schlechter Textqualität – nicht zu einer De-Indexierung von einzelnen URLs oder der ganzen Domain.

Link schnell abbauen

Eine abgestrafte verweisende Domain, die nicht mehr im Index zu finden ist, ist keine wertvolle Linkquelle mehr. Daher müsst ihr alle Backlinks von einer solchen Domain möglichst schnell abbauen.

Was passiert bei technischen Problemen?

Doch Vorsicht: Neben einer Abstrafung sind auch technische Probleme ein häufiger Grund, warum eine Domain nicht in den Index aufgenommen wurde. In diesem Fall wurden meistens die Einstellungen für robots.txt oder das Meta Robots Tag falsch eingestellt und weisen den Googlebot explizit darauf hin, dass die Seite nicht indexiert werden darf.

Manchmal haben sehr junge Domains auch Schwierigkeiten, in den Index aufgenommen zu werden –  insbesondere dann, wenn sie extern noch nicht verlinkt worden sind. In diesem Fall sind die Backlinks von einer solchen Domains zwar nicht risikobehaftet, aber aus SEO-Sicht auch noch nicht wertvoll, weil die Suchmaschine die verweisende Domain noch gar nicht kennt und diese bezüglich ihrer Vertrauenswürdigkeit prüfen muss. Falls ihr sicher seid, dass die fehlende Indexierung auf die technischen Problemen oder das sehr junge Alter der Domain zurückzuführen ist, solltet ihr die Backlinks von einer solchen Domain zuerst behalten und in regelmäßigen Zeitabständen neu überprüfen und bewerten.

Backlinks von auffälligen Domains

Verweisende Domains, die eine risikoreiche oder wertlose Linkquelle darstellen, können anhand von vielen Kriterien relativ schnell und eindeutig identifiziert werden. Auffällig wäre eine verweisende Domain zum Beispiel dann, falls sie selbst über keine externen Verlinkungen verfügt. Externe Verlinkungen sind bekannterweise wie eine Art Empfehlung zu verstehen.

Falls eine Domain noch nie extern verlinkt wurde, bedeutet es möglicherweise, dass diese Domain sehr jung und unbekannt ist. Die zweite denkbare Erklärung für die fehlenden externen Verlinkungen ist aber der Verdacht, dass die betrachtete Domain kaum oder gar keine verlinkenswerte Inhalte zu bieten hat. Manche Inhalte werden im Rahmen von Spam-Maßnahmen zum Teil automatisch generiert und werden sehr häufig kaum extern verlinkt, weil sie aus der Sicht eines „echten“ Nutzers keinen nennenswerten Mehrwert bieten oder sogar sinnlos erscheinen.

Link-Farm oder nicht?

Auch sehr viele ausgehende Links können eine verweisende Domain auffällig machen. Gerade Landing-Pages mit minderwertigen Inhalten werden oft in einer großen Anzahl erstellt, um später dort ausgehende Links zu platzieren (sogenannte „Link-Farmen“).

Häufig werden ausgehende Link mehr oder weniger geschickt auch optisch versteckt – zum Beispiel, indem eine sehr kleine Schriftgröße, eine zum Hintergrund identische Schriftfarbe oder ein verstecktes Bild verwendet wird – und fallen erst im Quellcode der entsprechenden Landing-Page auf.

Sollte das Verhältnis der eingehenden zu den ausgehenden Links einer Domain eher zugunsten der ausgehenden Links ausfallen, besteht ein klarer Verdacht, dass diese verweisende Domain eine „Link-Farm“ ist.

Bild: Kühe auf einer Farm

Abb. 2: Eine solche Farm ist ok – eine Link-Farm ist es nicht (© Unsplash, Tim Wright).

Verweisende Domains, die auf den ersten Blick über genügend Inhalte und externe Verlinkungen verfügen, aber für keine Suchbegriffe in den Ergebnislisten von Google zu finden sind, stellen ebenfalls verdächtigte Linkquellen dar. Solche Domains sollten theoretisch zumindest einige wenige Rankings haben. Wenn das nicht der Fall ist, liegt eine Abstrafung der entsprechenden Domain nahe. Backlinks aus abgestraften verweisenden Domains sollten, wie bereits erläutert, möglichst schnell abgebaut werden.

Backlinks von Link-Netzwerken

Falls eine verweisende Domain nachweisbar zu einem Netzwerk gehört, sollten alle Backlinks von dieser Domain kritisch überprüft werden. Selbst wenn die Backlinks nicht riskant sein sollten, erscheinen sie aus SEO-Sicht in den allerwenigsten Fällen als sinnvoll und spielen für die Kalkulation der Rankings keine Rolle.

Ein Link-Netzwerk besteht aus vielen Websites, die meistens dem gleichen Betreiber gehören und sich gegenseitig verlinken. Die meisten dieser Websites werden zum Teil automatisch und ohne Sorgfalt erstellt. Statt wertvolle Inhalte für die Nutzer anzubieten, dienen sie ausschließlich dazu, in kurzer Zeit eine Vielzahl an externen Verlinkungen aufzubauen.

Bild: Ein verworrenes Netzwerk

Abb 3: Verworrene Netzwerke können auch von Vorteil sein – aber nicht bei Link-Netzwerken (© Jason Leung).

Es besteht der Verdacht, dass eine externe Verlinkung aus einem Link-Netzwerk stammt, falls die verweisende Domain eine aus SEO-Sicht sehr „schwache“ Website ist, die über keine oder kaum Rankings verfügt und auf ersten Blick kaum Inhalte mit Mehrwert veröffentlicht hat. Die verweisende Domain verfügt aber trotzdem über eine gewisse „Link-Power“, weil sie trotz fehlender Inhalte relativ häufig extern verlinkt wurde. Die meisten Backlinks dieser verweisenden Domain haben allerdings eine gewisse Ähnlichkeit, weil sie möglicherweise aus einem Link-Netzwerk stammen. Ein solches Link-Netzwerke liegt zum Beispiel dann vor, wenn:

  1. alle Backlinks von Linkquellen kommen, die denselben Domain Name Registrar (REG) haben.
  2. mehrere Linkquellen mit dieselben IP-Adresse im Backlink-Profil zu finden sind.
  3. man mehrere verweisende Domains mit derselben C-Class IP-Adresse findet.
  4. es Backlinks von mehreren Websites gibt, die alle dieselbe DNS-Adresse haben.
  5. viele der verweisenden Domains den gleiche Code für Google Analytics verwenden. Das ist ein klarer Hinweis darauf, dass alle dieser Websites dem gleichen Betreiber gehören.
  6. viele der Linkquellen im Backlink-Profil den gleichen Code für Google AdSense verwenden. Auch hier gehören alle linkgebenden Domains wahrscheinlich dem gleichen Webmaster.

Backlinks von Domains mit hoher Link Velosity

Die „Link Velosity“ gibt an, wie schnell sich die Anzahl an externen Verlinkungen zu einer Domain im Laufe der Zeit verändert. Ein positiver Wert für die Link Velosity bedeutet, dass die Domain im Betrachtungszeitraum an externen Verlinkungen gewonnen hat, ein negativer Wert deutet dagegen auf den Verlust von Backlinks hin.

Sowohl ein stark positiver, als auch ein stark negativer Link Velosity Trend ist für eine kurze Zeit eher unnatürlich und deutet darauf hin, dass die verweisende Domain dringend überprüft werden sollte.

Die Erweiterung des Backlink-Profils einer Domain ist in der Regel ein langfristiger Prozess, welcher stark davon abhängt, wann und wie viele neue Inhalte auf der Domain veröffentlicht werden. Falls der Webmaster eines Blogs relativ oft neue Beiträge veröffentlicht, werden diese in der Regel auch häufig als relevante Informationsquelle in Betracht gezogen und auch verlinkt.

Verdächtig ist dagegen eine relativ hohe positive Link Velosity für eine Domain, die kaum Inhalte online hat oder neu veröffentlicht. In diesem Fall gibt es keinen objektiven Grund, warum diese Domain so oft extern verlinkt wurde – es sei denn, es handelt sich um eine gezielte Maßnahme zur Steigerung der Link-Power der betreffenden Domain.

Bild: Go up and never Stop

Abb. 4: Nicht immer ist ein endloser steiler Anstieg unbedingt etwas gutes (© Unsplash, Fab Lentz).

Auch eine stark negative Link Velosity deutet darauf hin, dass eine Linkquelle riskant sein könnte. Es kommt zwar auch natürlich vor, dass eine Domain im Laufe der Zeit ab und zu an Backlinks verliert – insbesondere, falls die Domain bereits seit Jahren online ist und über ein sehr umfangreiches Backlink-Profil verfügt.

Sollte allerdings eine Domain innerhalb von wenigen Monaten gut die Hälfte ihrer Backlinks (oder sogar noch mehr) verlieren, ist das auf jeden Fall ein klares Zeichnen dafür, dass diese Domain als Linkquelle kritisch überprüft werden sollte. Oft ergibt sich, dass diese Domain von deren Betreiber verlassen wurde (sog. „expired domain“), weil sie infolge einer manuellen Abstrafung oder algorithmische Anpassung nahezu alle Rankings verloren hat und die weitere Investition in der Pflege der Website nicht mehr rentabel erscheint. Manche Domains sind früher auch Teil eines Link-Netzwerks gewesen, welches aus ähnlichen Gründen nicht mehr betrieben wird. In kurzer Zeit gehen dann die meisten vorhandenen Backlinks wieder verloren, die früher fast ausschließlich aus dem Link-Netzwerk kamen.

Manchmal ist weniger mehr

Ihr seht also, dass es viele Gründe gibt, um eine verweisende Domain auf eurem Backlink-Profil zu entfernen. Die regelmäßige Kontrolle ist hier der beste Weg, um zum Ziel zu gelangen. Ich hoffe, ich konnte euch in meinen beiden Artikeln ein paar Anhaltspunkte nennen, auf die ihr unbedingt achten solltet.

Und wenn ihr dann kritische Links gefunden habt, stehen euch vom Disavow-File bis hin zum Anschreiben des verweisenden Webmasters einige Möglichkeiten offen, die ihr clever einsetzen solltet. Viel Erfolg auf dem Weg zum sauberen Linkprofil!

Über den Autor

Ivailo Stoev

Redakteur
Nach meinem Master-Abschluss in der Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Marketing bin ich seit vielen Jahren im Online-Marketing aktiv. Zu LEAP/ kam ich im Juni 2014 und bin hier für SEO und insbesondere den Offpage-Bereich zuständig.
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