SEO How-To (Teil 2): Wie finde ich Chancen-Keywords?

Das erwartet euch in diesem Artikel

  • Was sind Chancen-Keywords?
  • Wo kommen sie her?
  • Was kann man mit ihnen erreichen?

Wo sollte man mit der Optimierung der eigenen Website beginnen? Chancen-Keywords sind oft ein guter Startpunkt, um schnell und einfach Potenziale zu finden. Aber wie geht man dabei konkret vor?

Wer seine Website kontinuierlich verbessern und erweitern möchte, wird irgendwann beim Konzept der sogenannten „Chancen-Keywords“ landen. Für viele Websites findet man damit recht schnell gute Potenziale – und dafür braucht man nicht mal unbedingt teure Werkzeuge. Auch mit der kostenlosen Google Search Console kann man gute Ergebnisse erzielen.

Was sind Chancen-Keywords?

Chancen-Keywords sind Suchbegriffe, für die die eigene Website nicht auf der ersten Seite gefunden wird. Häufig geht es dabei um die zweite Suchergebnisseite – also um die Rankings 11–20 (nach „klassischer Zählweise“, siehe unten).

Der Gedanke ist nun der, dass man ja bereits Rankings hat. Google sieht die eigene Website also schon als relevant an. Nur sind eben andere Websites noch etwas relevanter. Mit Änderungen an den bestehenden Inhalten sollte es also möglich sein, auf die erste Suchergebnisseite zu kommen und damit deutlich mehr Klicks zu erhalten.

Wo kommen die her?

Eine gängige Quelle von Chancen-Keywords stellen SEO-Tools wie SISTRIX, SEMrush, Searchmetrics, XOVI & Co. dar. Diese verfügen über große Datenbanken mit Keywords und den jeweiligen Rankings. Über Filter kann man so gezielt Suchbegriffe identifizieren, die als Chancen-Keywords in Frage kommen. In den Abbildungen 1 und 2 ist zu sehen, wie das bspw. bei SEMrush und SISTRIX umgesetzt wird.

Leider ist es bekanntermaßen so, dass alle derartigen Tools nur einen Teil der Suchbegriffe kennen, die für die eigene Website in Frage kommen. Gerade in Nischenbereichen wird es also schwierig, passende Suchbegriffe zu identifizieren. Auch muss immer klar sein, dass das Ergebnis in keiner Weise vollständig ist.

SEO-Tools bieten aber einen großen Vorteil: Man kann die Analyse nicht nur auf die eigene Website beschränken. Mit solchen Werkzeugen ist es leicht möglich, auch Wettbewerber zu analysieren: Gibt es Suchbegriffe, für die Wettbewerber gut gefunden werden, während die eigene Website dafür gar nicht gefunden werden kann? Das sind keine klassischen Chancen-Keywords – sie sollten aber auch unbeachtet bleiben.

Eine weitere Datenquelle ist in Abbildung 3 zu sehen: die Google Search Console (in diesem Fall: die neue Google Search Console mit dem Bereich „Leistung“). Dort kann gezielt gefiltert werden, um Suchbegriffe mit einer Position > 10 zu finden.

Dabei muss man etwas vorsichtig sein, denn die Zählweise bei diesen Daten ist mitunter etwas kontraintuitiv, da es nicht unbedingt immer genau zehn Suchergebnisse auf einer Seite gibt. Wer sich hierzu weiterbilden möchte, sei auf die sehr hilfreiche, aber zugleich auch recht komplexe Informationsseite bei Google verwiesen („Was sind Impressionen, Position und Klicks?“).

Auch muss man vorsichtig sein, wenn es für Mobile- und Desktop-Nutzer unterschiedliche Rankings gibt. Die Daten, die in der Search Console angegeben werden, sind immer Durchschnittswerte über viele einzelne Datenpunkte, sodass eine Position von 11 auch bedeuten kann, dass einige wenige Nutzer die Seite auf Position 1 und viele andere die Seite auf Position 15 gesehen haben.

Screenshot: Keywords

Abb. 1: Über SEMrush können gezielt Suchbegriffe mit Rankings 11 bis 20 gefunden werden.

Screenshot: Keywords

Abb. 2: Auch in SISTRIX ist es möglich, Chancen-Keywords gezielt zu finden.

Screenshot: Keywords

Abb. 3: Über die Google Search Console können kostenlos Chancen-Keywords gefunden werden.

Was macht man mit den Informationen?

Leider gibt es nicht immer eindeutige Empfehlungen für den Umgang mit Chancen-Keywords. Vor allem sollte man aber erstmal prüfen, ob man für den jeweiligen Suchbegriff überhaupt Rankings anstrebt. Wie in Abbildung 3 zu sehen ist, hat die Website Bloofusion.de z. B. ein Ranking für „h4hotel münster“. Dieser Suchbegriff hat natürlich überhaupt keine Relevanz für die Optimierung.

Auch muss man natürlich prüfen, ob man die Suchbegriffe priorisieren kann. Das Suchvolumen (z. B. über den Keyword Planner von Google) könnte hier ein Indiz sein. Aber auch historische AdWords-Daten sind manchmal eine gute Quelle, um den Erfolg zu bewerten.

Und dann müssen Maßnahmen folgen. Diese sind in Tabelle 1 aufgeführt. Dazu gibt es leider keinen eindeutigen Leitfaden, da die Maßnahmen immer von der Website an sich abhängen. Die genannten Fälle in Tabelle 1 sollten aber die wichtigsten Fälle abdecken.

Was macht man? Wann macht man das? Und was genau muss passieren?
Neue Seite erzeugen Manchmal erreicht man ein Ranking mit einer Seite, auf der es thematisch nicht primär um das genannte Thema geht.
Beispiel: Es gibt eine Seite über „Online-Marketing-Webinare“ und das Chancen-Keyword lautet „seo webinar“. Es geht auf der bestehenden Seite also auch um SEO-Webinare, aber insgesamt um ein größeres Thema.
In diesen Fällen kann es sinnvoll sein, eine neue Seite anzulegen, die dann z. B. alle aktuellen SEO-Webinare auflistet.
Seite inhaltlich aufwerten In manchen Fällen hat man ein schlechtes Ranking für einen bestimmten Suchbegriff, weil die Seite inhaltlich sehr dünn ist (in der Regel: eine geringe Anzahl an Wörtern zum Thema). Dann ist es sinnvoll, die Inhalte deutlich auszubauen.
Das kann sich z. B. auf den Text beziehen. Je nach Thematik können aber auch Bilder oder Videos dabei helfen, den Inhalt zu unterfüttern. Auch Zwischenüberschriften oder Maßnahmen der Lesbarkeit (Bullet Points, gezielte Fettungen von relevanten Textbausteinen …) können hilfreich sein.
Auch die Optimierung von Seitentitel und Meta Description kann sehr wichtig sein, um den potenziellen Besucher in den Suchergebnissen anzusprechen und so eine höhere Klickrate zu generieren.
Inhalte aktualisieren Manchmal sind die Inhalte nicht mehr auf dem neuesten Stand. Dann sollten die Inhalte angepasst werden. Das bezieht sich natürlich oft auf den Text, kann aber auch z. B. nicht mehr existierende externe Verlinkungen umfassen.
Seiten zusammenlegen In wenigen Fällen kann es passieren, dass es zu einem Suchbegriff mehrere Seiten auf einer Website gibt, die für ein Ranking in Frage kommen (z. B. eine kurze FAQ-Seite, ein Praxistipp auf einer anderen Seite und eine dritte Seite mit einer wenige Worte umfassenden Referenz). Die einzelnen Seiten generieren dann in der Regel schlechte Rankings.
Dann kann es absolut hilfreich sein, diese Seiten zu konsolidieren, also zu einer Seite zusammenfassen, und so auf einer Seite deutlich mehr relevante Inhalte zu bieten.
Bessere interne Verlinkung Manchmal ist die Seite an sich auch vollkommen ausreichend – sie ist nur innerhalb der Website schlecht verlinkt. Dann ist es wichtig, durch interne Verlinkungen das Linkgewicht zu stärken und so das Ranking hoffentlich zu verbessern.

Tabelle 1: Diese Maßnahmen sind sinnvoll, um das Potenzial von Chancen-Keywords zu nutzen.

Fazit

Chancen-Keywords sind ein wichtiger Baustein für Website-Betreiber, die ihre Site gezielt für Suchmaschinen verbessern möchten. Dabei muss man natürlich in der Lage sein, gute von schlechten Suchbegriffen zu unterscheiden. Außerdem ist die Umsetzung der Potenziale dann nicht immer einfach. Es ist also wichtig, hier betriebswirtschaftlich zu denken und Maßnahmen zu priorisieren

Über den Autor

Markus Hövener

Gastautor
Ich bin Gründer und Head of SEO der auf SEO und SEA spezialisierten Online-Marketing-Agentur Bloofusion. Außerdem bin ich Buchautor, Autor vieler Artikel und Studien rund um SEO und SEA sowie Chefredakteur des Magazins suchradar.
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